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TECHNIKFUNDSTÜCK

Ansprechpartner

 Melzer Johannes

Johannes Melzer

Referent Henning Kagermann
acatech Geschäftsstelle

T: +49 (0)30/2 06 30 96-39
melzer@acatech.de

Weiterführende Informationen

Presseinformation

Dokumentation Gerät

Deutsches Museum

Holbein-Gymnasium

Das Rätsel um das unbekannte Technikfundstück in Augsburg ist gelöst

Ein Gerät zur Landvermessung? Zur Messung elektromagnetischer  Felder? Oder doch ein technischer Wolpertinger? Über 200 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben seit Juli 2013 gegrübelt, recherchiert und getüftelt, um dem Augsburger Technikfundstück sein Geheimnis zu entlocken. Am 25. Februar wurde das Rätsel aufgelöst und die zwei besten Erklärungen in Augsburg prämiert. Drei Schülerinnen des Holbein-Gymnasiums wurden für ihre kreativen Geschichten rund um das Gerät ausgezeichnet. Der rund 150 Jahre alte Dachbodenfund des Augsburger Holbein-Gymnasiums war auch Wissenschaftlern ein Rätsel. Deshalb hatten die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, das Deutsche Museum und das Gymnasium in einer Forscherausschreibung um Hinweise und Lösungsvorschläge aus der Bevölkerung gebeten.

 

Die Lösung

Die Lösung

Das Technikfundstück am Augsburger Holbein-Gymnasium diente der Messung elektrischen Stroms. Es handelt sich dem Funktionsprinzip nach um ein Galvanometer. Das Gerät wurde von Johann Michael Ekling gebaut, der in Wien eine feinmechanische Werkstatt betrieb und physikalische Geräte anfertigte. Umbauten belegen, dass das „Dingsda“ im Laufe seiner Existenz für unterschiedliche Zwecke und Messtechniken verwendet wurde. Der „Turm“ wurde beispielsweise nachträglich hinzugefügt. Diese Veränderungen waren deshalb die besondere Herausforderung für eine angemessene Erklärung. Die Forscherinnen und Forscher mussten durch die technik-historische Brille blicken und die „Biographie“ des Fundstücks erhellen.

 

Die Preisträger der Forscherausschreibung

 

Thilo Weitzel

Thilo Weitzel

„Ein Galvanometer! Das hatte ich bei mir im Kinderzimmer auch. Die Bauform des Geräts legt nahe, dass das Verfahren von Johann Christian Poggendorf, einem deutschen Physiker des 19. Jahrhunderts, zur ‚Regulirung der Galvanometerskale‘ verwendet wurde.“ 

 

Begründung der Jury: Der Beitrag von Thilo Weitzel sticht vor allem durch die didaktische Komponente heraus: Er hat mit einem eigenen Nachbau des Geräts Experimente durchgeführt, um seine Theorie mit Praxis zu untermauern. Dieser besondere Forschergeist und das hohe wissenschaftliche Niveau haben die Jury überzeugt. 

 

Vita: Thilo Weitzel wurde 1962 geboren und war schon als Kind sehr an Technik und Naturwissenschaften interessiert. Er studierte Physik an der Universität Tübingen und baute im Rahmen seiner Diplomarbeit ein Sekundär-Ionen-Raster-Mikroskop. Nach der Promotion im Bereich optischer Interferometrie an der ETH Zürich war er Leiter der Abteilung für Forschung und Entwicklung eines mittelständischen Unternehmens für optische Messtechnik. Heute ist Thilo Weitzel Leiter der Forschung am medizinischen Bildlabor der Universitätsklinik für Nuklearmedizin in Bern sowie tätig als wissenschaftlicher Berater. Er ist verheiratet und hat 2 Kinder.

 

Thomas Walcher

Thomas Walcher

Thomas Walcher stützt seine Erklärung für das Technikfundstück ebenfalls auf wissenschaftliche Publikationen von Johann Christian Poggendorf, einem deutschen Physiker des 19. Jahrhunderts.

 

Begründung der Jury: In dem Beitrag von Thomas Walcher überzeugte vor allem die Präzision seiner Beschreibung des Funktionsprinzips und der Messverfahren des Geräts. Das hohe wissenschaftliche Niveau der Herangehensweise von Herrn Walcher wurde von der Jury hervorgehoben.

 

Vita: Thomas Walcher, geboren 1941 in Kiel, wuchs im Physikalischen Institut der Universität Marburg als Sohn des Physikers Wilhelm Walcher auf. Er studierte nach dem Abitur 1961 Physik in Marburg und Freiburg und schloss sein Studium (Diplom) 1966 in Marburg ab. 1970 promovierte er an der TH Darmstadt bei Peter Brix über unelastische Elektronen-Streuung am ^4He. Er entdeckte gemeinsam mit Rainer Pitthan Quadrupol-Riesenresonanzen in den Jahren 1970 bis 1973. Thomas Walcher folgte seinem Lehrer Peter Brix 1973 an das MPI für Kernphysik und arbeitete am Bau eines Beschleunigers für schwere Ionen sowie Reaktionen und Atom-Physik mit schweren Ionen bei kleinen Energien, "am Coulomb-Wall". 1978 ging er an den CERN und arbeitet in der Gruppe von Bogdan Povh an Hyperkernen und Antiproton-Reaktionen. Nach 1984 arbeitete er, ebenfalls am CERN, an der tiefunelastischen Myonen-Streuung und Reaktionen mit Hyperonen. 1985 nahm er einen Ruf an die Universität Mainz an und widmete sich hauptsächlich dem Aufbau und Durchführung von Experimenten am Mainzer Mikrotron (MAMI). 2006 wurde er emeritiert.

 

 

„Mit dem Wettbewerb wollten acatech, das Deutsche Museum und MAN die Menschen dazu anregen, sich spielerisch mit Technik auseinanderzusetzen und ihr naturwissenschaftliches und technisches Wissen anzuwenden. Auch die Schüler haben mit ihren fantasievollen Beiträgen Neugier und Kreativität bewiesen – die Triebkräfte des Forschergeists.“


Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor Deutsches Museum und Jurymitglied

 

 

 

„Die Ausschreibung hat den  Forschergeist quer durch die Bundesrepublik und bei unseren Nachbarn geweckt. Beide Preisträger erfüllen höchste wissenschaftliche Standards.“


Klaus Mainzer, Gründungsdirektor Munich Center for Technology in Society, Technische Universität München, und Jurymitglied

 

 

Die Jury

 

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang M. Heckl

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang M. Heckl

Wolfgang M. Heckl ist Professor für Experimentalphysik und forscht auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und der Wissenschaftskommunikation. Er ist Generaldirektor des Deutschen Museums und Inhaber des Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der TU München School of Education. Wolfgang M. Heckl ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Gremien und berät die Europäische Kommission sowie die Bundesregierung im Bereich Nanotechnologie und Wissenschaftskommunikation. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Prof. Dr. Klaus Mainzer

Prof. Dr. Klaus Mainzer

Klaus Mainzer ist Gründungsdirektor des Munich Center for Technology in Society und seit 2008 Ordinarius für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der TU München. Zuvor war er Ordinarius für Philosophie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftstheorie an der Universität Augsburg und Direktor des dortigen Interdisziplinären Instituts für Informatik. Als Wissenschaftsphilosoph arbeitet er über Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Wissenschaft und Technik und insbesondere über deren Mathematisierung und Computermodellierung. Klaus Mainzer ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Dr.-Ing. E.h. Bernd Pischetsrieder

Dr.-Ing. E.h. Bernd Pischetsrieder

Bernd Pischetsrieder ist acatech Vizepräsident und seit 2013 Aufsichtsratsvorsitzender der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Der promovierte Maschinenbauer war von 2000 bis 2012 in verschiedenen Positionen für die Volkswagen AG, unter anderem als Vorstandsvorsitzender und Berater des Vorstands, tätig. Seine berufliche Laufbahn begann Bernd Pischetsrieder 1973 bei der BMW AG, für die er bis 1999 tätig war.

 

 

„Als Maschinenbauunternehmen sind wir bei MAN jetzt und in Zukunft auf kreative Köpfe und Tüftler angewiesen. Wir brauchen Menschen, die mit Begeisterung und Kreativität ihre Leidenschaft für Technik leben, neugierig sind und einen Blick für Innovationen haben.“

 

Wilfried von Rath, Vorstand Personal MAN Diesel & Turbo SE

 

 

Eindrücke von der Veranstaltung