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DOSSIER MINT NACHWUCHSBAROMETER 2015

Berufliche Ausbildung kämpft mit Imageproblemen

Wenig Kontakt mit Menschen, ein gefährlicher – und dazu noch kalter – Arbeitsplatz und körperlich anstrengende Aufgaben: So stellen sich viele Schülerinnen und Schüler die Arbeit in MINT-Berufen vor. Dieses negative Image sowie Defizite in der Berufsberatung tragen laut dem MINT Nachwuchsbarometer 2015 von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung wesentlich dazu bei, dass Jugendliche sich vermehrt gegen eine berufliche Ausbildung im MINT-Bereich entscheiden.

 

Zahl der Ausbildungsverträge sinkt

Während es bei den Studienanfängern in den Bereichen Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Informatik und Technik (MINT), insbesondere in den Ingenieurswissenschaften, einen leicht positiven Trend gibt, ging die Zahl neu abgeschlossener MINT-Ausbildungsverträge binnen 10 Jahren um 8 Prozent zurück. Damit lag die Zahl der abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge 2013 zum ersten Mal unter 200.000. Zugleich fiel die Zahl der bestandenen MINT-Ausbildungsabschlüsse um 21 Prozent. Ohne Gegenmaßnahmen wird die vom Institut der deutschen Wirtschaft für 2015 diagnostizierte Lücke von rund 78.000 beruflich qualifizierten Fachkräften weiter wachsen.


 „Wir müssen jungen Menschen klar machen, dass MINT-Ausbildungen viel attraktiver sind, als sie glauben. Das negative Image hält selbst MINT-affine Jugendliche von entsprechenden Ausbildungen ab.

 

Ortwin Renn, Mitglied des acatech Präsidiums und wissenschaftlicher Leiter der Studie

 

 

Schlechtes Image entspricht nicht der Realität

Schlechtes Image entspricht nicht der Realität

MINT-Ausbildungsberufe haben ein Imageproblem: Die Vorstellungen von Schülerinnen und Schülern weichen stark von den Erfahrungen in der Praxis ab. Von MINT-Auszubildenden wird ein Großteil der genannten Vorurteile nicht bestätigt. Um den Trend umzukehren, sind eine verbesserte Berufsorientierung und vor allem praktische Erfahrung von zentraler Bedeutung. Selbst technisch orientierte Jugendliche werden so von einer MINT-Ausbildung abgehalten.

 

Die Infografik zum Download.

Praktika entscheidend für die Berufswahl

Praktika entscheidend für die Berufswahl

Gerade im MINT-Bereich beeinflussen berufsbezogene Praktika in der Schulzeit die Berufsentscheidung Jugendlicher am stärksten. Neben einer verbesserten schulischen Berufsinformation sind Praxiserfahrungen also eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass mehr junge Menschen einen MINT-Beruf ergreifen.


Vermittelt werden Praktika häufig über die Eltern, eher selten über die Schule. Auch Schülerinnen und Schüler, die Technikunterricht haben oder an einer Technik-AG teilnehmen, sind später häufig in MINT-Ausbildungsberufen anzutreffen. Das MINT-Nachwuchsbarometer empfiehlt Unternehmen, Auszubildende als Botschafter in Schulen zu entsenden und Informationstage in Betrieben anzubieten.

 

Die Infografik zum Download.

Frauen weiterhin benachteiligt

Frauen weiterhin benachteiligt

Fast 38 Prozent der befragten Schülerinnen, die sich gegen eine technische Ausbildung entschieden haben, geben negative Empfehlungen als Grund dafür an. Das MINT Nachwuchsbarometer empfiehlt daher, insbesondere MINT-interessierte Schülerinnen gezielt zu ermutigen und zu unterstützen, durch Praktika oder Betriebsbesichtigungen authentische Erfahrungen zu sammeln.


In der Pflicht sind auch die Unternehmen: Sie müssen strukturelle Benachteiligungen von Frauen in MINT-Berufen beseitigen: Equal Pay und die – für Männer genauso wichtige – Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollten selbstverständlich sein. Führungskräfte dürfen ausgesprochene oder auch nur latent vorhandene Vorurteile gegenüber Frauen nicht dulden, sondern müssen diese offensiv angehen.

Berufsschullehrer dringend gesucht

Berufsschullehrer dringend gesucht

In der beruflichen Ausbildung wird der Mangel an MINT-Lehrkräften zu einem immer größeren Problem. Wie an den allgemeinbildenden Schulen fehlen auch an den Berufsschulen bereits heute qualifizierte Lehrkräfte, insbesondere für die Fächer Technik, Chemie und Informatik. Während im Jahr 2014 nur rund 9 Prozent aller Lehramtsabsolventinnen und -absolventen für die Berufsschule ein technisches Fach studiert haben, waren es zehn Jahre zuvor noch knapp 17 Prozent.

Gute Verdienstmöglichkeiten und viel Praxis

Gute Verdienstmöglichkeiten und viel Praxis

Jugendliche mit MINT-Berufswunsch unterscheiden sich in ihren Wertvorstellungen
und Präferenzen von Jugendlichen mit anderen Berufswünschen. Im Beruf
mit vielen anderen Menschen zusammenzukommen ist ihnen weit weniger
wichtig.Dafür legen sie deutlich mehr Wert auf praktisches Arbeiten und gute
Verdienstmöglichkeiten.

 

Gleichzeitig unterschätzen viele Jugendliche die guten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in den meisten MINT-Berufen, die in vielen Fällen deutlich über
denen anderer Ausbildungsberufe liegen.

 

Kooperationspartner Körber-Stiftung

„Für junge Frauen ist der MINT-Einstieg nach wie vor schwer“, erläutert Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft bei der Körber-Stiftung. „Vorurteile in den Betrieben müssen abgebaut, MINT-interessierte Mädchen ermutigt und durch weibliche Vorbilder gestärkt werden.“ 

Über das MINT Nachwuchsbarometer

Über das MINT Nachwuchsbarometer

Das von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung herausgegebene MINT Nachwuchsbarometer ist ein bundesweiter Trendreport. Es erfasst das individuelle Interesse für Naturwissenschaften und Technik entlang der gesamten Bildungskette sowie die strukturellen Rahmenbedingungen.


Der ab 2014 jährlich erscheinende Bericht will den gesellschaftlichen Dialog zur Nachwuchssicherung unterstützen. Er soll als Frühwarnsystem, Planungs- und Entscheidungshilfe für Politiker, Pädagogen und Projektmacher dienen. Das MINT Nachwuchsbarometer wird vom Stuttgarter Forschungsinstitut Dialogik erstellt. Es wertet vorliegende Datenquellen umfassend aus und führt die Ergebnisse systematisch in einer Metastudie zusammen.