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Andreas Möller

Stellv. Bereichsleiter Innovationsberatungacatech
moeller@acatech.de


News, Aktuelles Thema

Altern als Chance: acatech stellt Senatsunternehmen Ergebnisse der gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der Leopoldina vor

Berlin,

9. Dezember 2009

Der Zusammenhang von Arbeitsproduktivität und steigendem Lebensalter gehört zu den am meisten diskutierten Aspekten des demografischen Wandels – und jenen, die mit besonders hartnäckigen Vorurteilen behaftet sind. Mit den Folgen des demografischen Wandels in Deutschland hat sich die „Akademiengruppe Altern“ in einem mehrjährigen Projekt befasst und im März konkrete Empfehlungen an den Bundespräsidenten übergeben, wie aus zusätzlichen Lebensjahren „Gewonnene Jahre“ – so der Titel der Empfehlungen – werden können. Die Studie zeigt, dass viele Klischees über das Altern als Mühsal und Alte als Last nicht haltbar sind. Diese Ergebnisse wurden heute Vertretern von Senatsunternehmen der Akademie vorgestellt.

 

Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – dies weiß man durch Langzeitstudien etwa im Automobilbau – sind keineswegs weniger produktiv als Junge, da sie nachlassende mechanische und kognitive Fähigkeiten durch Erfahrungswissen ausgleichen können. Die Fehlerquoten in einstudierten Tätigkeitsabläufen nehmen dadurch in der Regel sogar eher ab als zu. Auch das Klischee einer größeren Krankheitsanfälligkeit Älterer hält empirischen Überprüfungen nicht Stand.

Die acatech Senatsunternehmen zu Gast

Wie viel Spielraum gibt es angesichts der gegenwärtigen konjunkturellen Situation und der Debatten um Kurzarbeit und Rente mit 67, entsprechende Konzepte in die Tat umzusetzen? Diese Frage diskutierten acatech Präsident Reinhard Hüttl und die Vizepräsidentin der Leopoldina, Ursula Staudinger, mit Personalverantwortlichen der acatech Senatsunternehmen.

 

Die Psychologin Ursula Staudinger betonte in ihrem Vortrag, dass die Gesellschaft an „gesunden“ Lebensjahren kontinuierlich hinzu gewinne, die es zu nutzen gelte. Hatten um 1900 Sechzigjährige im Durchschnitt noch 13 Jahre zu leben, so sind es heute 25 Jahre für Frauen und 21 für Männer.

Schon im Jahr 2030 wird die Mehrheit der Deutschen über 65 Jahre alt sein. Ursache dafür sind nicht nur eine bessere Ernährung, veränderte Lebensgewohnheiten, die Verbesserung von Hygienemaßnahmen und medizinischer Vorsorge und Versorgung. Eine große Rolle bei den gewonnenen Jahren spielen auch die gewandelten Arbeitskontexte.

Parallel zur steigenden Lebenserwartung ist die Gesamtarbeitszeit jedoch nicht gewachsen, eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, den Gesetzgeber und nicht zuletzt die Unternehmen. Auf den Punkt gebracht lauten die drei Charakteristika in Deutschland im Vergleich zu einigen anderen Ländern: späterer Einstieg ins Berufsleben – früherer Ausstieg – geringerer Anteil der Frauenerwerbsquote.

Erwerbsbiografien flexibler gestalten

Es klingt bekannt: Die Auswirkungen des Alterungsprozesses auf den Wirtschaftsstandort könnten insofern positiv gestaltet werden, indem ältere Menschen nach ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben ihre Fähigkeiten weiterhin einbringen. Dazu sind jedoch eine Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle und ein Ausbau der Weiterbildungsangebote vonnöten, für die es in Ländern wie Dänemark und der Schweiz stärkere staatliche Unterstützung gibt. Beide Punkte wurden auch in der Diskussion als zentrale Stellschrauben betont.

Zudem ist es für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und die Motivation gerade Älterer entscheidend, Berufskarrieren nicht nur linear vom Einstieg bis zum „Aufstieg“ und schließlich Ausstieg aus einem bestimmten Berufsfeld zu gestalten, sondern „horizontale“ Einstiege durch Wechsel der Tätigkeiten oder Auszeiten zu ermöglichen. Dass dies nicht zuletzt eine Frage der Finanzierbarkeit sei, ändere nichts an der Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen, sagte Ursula Staudinger im Gespräch, an dem u. a. Vertreter der Daimler AG, der SAP AG, der Georgsmarienhütte Holding, von Roland Berger Strategy Consultants sowie von Landesministerien und Hochschulen teilnahmen.

Die Hauptursache für Krankheitstage sind in Unternehmen heute anders als früher schließlich nicht mehr der Rückenschmerz und andere bewegungsabhängige Einschränkungen: Es sind so genannte Burn-Outs und mangelnde Motivation. Allein deshalb sei es langfristig eine Notwendigkeit, Veränderungsprozessen verstärkt Raum zu geben.


Die Gesellschaft gewinnt an gesunden Lebensjahren hinzu

In den letzten einhundert Jahren hat die Bevölkerung im Durchschnitt 30 Lebensjahre hinzugewonnen. Die demografische Alterung erhöht somit den Veränderungsdruck auf die Gesellschaft und damit auch auf die Flexibilisierung der Arbeitsprozesse. Um den Beitrag älterer Menschen zur Innovation, zur Wertschöpfung und zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung zu nutzen, ist daher zwangsläufig eine Anpassung notwendig.

Reinhard Hüttl wies abschließend auf die Bedeutung des Themas Bildung und lebenslanges Lernen hin, das im Rahmen der aktuellen Diskussion um den Bologna-Prozess insofern dazu gehöre, als Studierenden frühzeitig die Bedeutung einer permanenten Weiterbildung vermittelt werden müsse.