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News, Aktuelles Thema

7. Trialog zur Energiewende: Risiken smart managen – wie schaffen wir robuste digitalisierte Energieinfrastrukturen?

© acatech/Stemmler

Berlin,

15. Dezember 2017

Was funktioniert, macht keine Schlagzeilen – wie die europäische Stromversorgung. Einer der letzten folgenreichen Ausfälle war im Herbst 2006. Nach dem schlecht koordinierten Abschalten zweier Leitungen blieben fast zehn Millionen europäische Haushalte ohne Strom. Den Ausfall hätte der konsequente Einsatz von Informationstechnologien wahrscheinlich verhindert. Mittlerweile tragen diese im verstärkt dezentralen und von Erneuerbaren geprägten Energiesystem zur Versorgungssicherheit bei.Gleichzeitig macht die Digitalisierung Störungen durch Datenfehler oder Hackerangriffe wahrscheinlicher. Über Chancen und Risiken diskutierten Energiefachleute beim siebten Trialog der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform und des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) am 14. Dezember in Berlin.

 

Stromausfälle hätten drastische Folgen. Sie wären nicht nur teuer: Eine Studie schätzte die Kosten eines nur einstündigen deutschlandweiten Stromausfalls im Winter auf bis zu 1,3 Milliarden Euro. Sie würden unsere Gesellschaft auch weitgehend lahmlegen. Schließlich sind weitere kritische Infrastrukturen wie Transport, Wasserversorgung und die medizinische Versorgung vom Energiesystem abhängig. Ohne Strom für die automatisierten Lager in Apotheken etwa käme niemand mehr an seine Medikamente.

Die Stromnachfrage und Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen werden künftig weiter steigen und damit auch der Bedarf, deren wetterbedingt schwankende Einspeisung mit dem Verbrauch zu koordinieren und auf verschiedene Netzebenen zu verteilen. Dazu werden Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) benötigt. Sie machen einerseits die Energieversorgung stabiler und effizienter. Andererseits stellen sie das System vor neue Herausforderungen – so steigt etwa das Risiko von Hackerangriffen.

Um Sicherheit und Datenschutz zu gewährleisten, braucht es eine Verständigung über die Rolle von IKT-Systemen und deren Anwendung im Energiesystem. Welche Strategien und Maßnahmen sind geeignet, um robuste digitale Energieinfrastrukturen zu schaffen, und wer gestaltet diesen Prozess künftig mit? Darüber diskutierten rund 50 Akteure aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft beim Trialog „Risiken smart managen – wie schaffen wir robuste digitalisierte Energieinfrastrukturen?“ im Berliner Allianz Forum. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Gesine Schwan, Präsidentin der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform. ESYS-Mitglied Sebastian Lehnhoff,Vorstand für den Forschungs- und Entwicklungsbereich Energie des Informatikinstituts OFFIS, übernahm die inhaltliche Einführung. „Die Digitalisierung ist janusköpfig. Sie ist weder per se gut noch per se schlecht für die Resilienz des Energiesystems“, unterstrich der Energieinformatiker. „Es liegt an uns, die Digitalisierung so voranzutreiben, dass sie den Herausforderungen und Risiken gerecht wird.“

Weitere Impulse gaben Friederike Ernst vom Blockchain Bundesverband e.V., Linus Neumann vom Chaos Computer Club und Alexander Kleemann aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Friederike Ernst schilderte die Chancen und Grenzen der Blockchain-Technolgie für die Energiewirtschaft als Beispiel einer aktuellen digitalen Anwendung in der Energiebranche. In seinem Vortrag unterstrich Linus Neumann die Wichtigkeit der IT-Sicherheit für die Resilienz digitaler Energiesysteme, während Alexander Kleemann die Notwendigkeit nationaler und europäischer Regulierung sowie von Standards für den sicheren Einsatz von IKT-Systemen betonte.

In anschließenden Workshops vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Trialogs konkrete Fragestellungen. Eine Gruppe beschäftigte sich etwa mit der Frage, an welchen Stellen staatliche Regulierungen notwenig sind und wo die Wirtschaft Standards etablieren kann. Deutlich wurde dabei, dass in der Entwicklung von Standards Zielkonflikte bestehen: Einerseits sollen sie möglichst flexibel und damit anpassbar sein, andererseits klare Vorgaben setzen. In einem weiteren Workshop ging es um die Rolle der privaten Haushalte in der digitalen Energiewende. Es bestand Konsens, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher immer mehr zu Prosumenten entwickeln: Sie wollen ihre Tarife selbst wählen, eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach nutzen oder mit der Blockchain-Technologie in den Markt einsteigen. Ein wichtiger Aspekt im Rahmen der Digitalisierung betrifft ihre Daten. Während Bürgerinnen und Bürger nicht zu gläsernen Kunden werden dürften, müsse für die Versorgungsicherheit dennoch ein Mindestmaß an Transparenz und Überprüfbarkeit sichergestellt werden.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Kooperation zwischen der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform und dem Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ stärkt die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In den Trialogen tauschen sich ESYS-Fachleute mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Wirtschaft und organisierten Zivilgesellschaft aus. Die Veranstaltungen werden dazu genutzt, neue Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und Fragestellungen im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Anschlussfähigkeit zu schärfen.





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