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acatech am Dienstag

Aktuelles Thema, Presseinformation

acatech am Dienstag: Chancen und Herausforderungen der Genomeditierung

Im acatech Forum am Münchner Karolinenplatz diskutierten Bernd Müller Röber, Professor für Molekularbiologie an der Universität Potsdam, und Peter Dabrock, Inhaber des Lehrstuhls für Theologie und Ethik an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, über neue Methoden der Genomeditierung. Im Mittelpunkt standen gentechnische Anwendungen in der Pflanzenzüchtung. (Foto: acatech/D. Ausserhofer)

München,

15. September 2016

Neue Methoden der Genomeditierung versprechen einfache, präzise, effektive und kostengünstige Veränderungen des Erbguts von Bakterien, Pflanzen, Tieren und auch Menschen. Über damit verbundene Chancen und Risiken sowie rechtliche Implikationen diskutierten Bernd Müller-Röber, Professor für Molekularbiologie an der Universität Potsdam, und Peter Dabrock, Inhaber des Lehrstuhls für Theologie und Ethik an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, am 13. September im acatech Forum in München. Im Mittelpunkt standen gentechnische Anwendungen in der Pflanzenzüchtung.

 

Innovative Methoden der Genomeditierung werden in Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit aktuell kontrovers diskutiert. Die Technik CRISPR-Cas9 etwa ermöglicht es, Mutationen an exakt definierten Positionen vorzunehmen, wie sie für viele Spezies bislang nicht realisierbar waren. Den Hoffnungen auf große Fortschritte bei der Bekämpfung von Hunger und Krankheiten stehen ethische Bedenken gegenüber. Nach Veröffentlichung einer chinesischen Studie, die über die genetische Manipulation menschlicher Embryonen mit CRISPR-Cas9 berichtete, riefen hochrangige Forscher zu einem Moratorium auf.

Emotionale Annäherung an ein komplexes Thema
In der von Maren Schüpphaus moderierten „acatech am Dienstag“-Veranstaltung mit dem Titel „Gentechnik neu gedacht – Perspektiven der Genomeditierung“ diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst in Gruppen ihre Assoziationen zu Schlagwörtern wie „Genchirurgie“, „DIY-Biologie“ oder „Molekulare Pflanzenzüchtung“. Dabei wurde deutlich, wie sehr Begriffe den Diskurs prägen. Die Bedeutung, die ihnen zugewiesen wird,  hängt dabei von der persönlichen Wertorientierungen ab. Die Abkürzung CRISPR-Cas9 empfanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als unverständlich; sie befördere eine eher skeptische Einstellung zum Thema. Das Kürzel steht für Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats.

 

Die Grundlagen und den Innovationscharakter der Genomeditierung erläuterte der Molekularbiologe an der Universität Potsdam und acatech Mitglied Bernd Müller-Röber in seinem Vortrag. Darin ging er auch auf die mit ihrer Weiterentwicklung verbundenen Chancen und Risiken in der Forschung ein. Für die Anwendung von CRISPR-Cas9 sieht Bernd Müller-Röber bereits heute zahlreiche Einsatzgebiete, etwa in der Pflanzenzucht oder in der Medizin, wo die neue Technik eine HIV-Impfung ermöglichen könne. In Zukunft seien weitere Verbesserungen und neue Funktionen zu erwarten. Deutschland sei in der Genomeditierungs-Forschung im internationalen Vergleich sehr gut positioniert.

Rationale Debatte ethischer Fragen gefordert
Zu den mit der Genomeditierung verbundenen neuen bioethischen Fragen und Herausforderungen für die Regulierung von genetisch veränderten Pflanzen müsse eine gesellschaftliche Debatte geführt werden, forderte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats Peter Dabrock. Er rief dabei zu mehr Rationalität auf. Entscheidend für die öffentliche Wahrnehmung sei auch, wie Genomeditierung verstanden würde, sagte er mit Verweis auf die in Deutschland unterschiedliche öffentliche Bewertung von grüner und roter Gentechnik.

 

Peter Dabrock warf die Frage auf, ob Regulierung und gesellschaftlicher Diskurs überhaupt Schritt halten könnten mit der technischen Innovation: So stehe bereits seit Monaten eine Entscheidung der EU-Kommission aus, ob mittels CRISPR-Cas9 veränderte Pflanzen weiterhin als gentechnisch veränderte Organismen klassifiziert werden sollen. Besonders betonte Dabrock die Notwendigkeit, die Ergebnisse der Genomeditierung in der Pflanzenzucht im Blick zu behalten – und darauf zu achten, dass bei nicht intendierten Umweltfolgen eine Rückholbarkeit sichergestellt sei. Einen weiteren Einsatz der Genomeditierung zur Bekämpfung von Krankheiten wie dem Zika-Virus sieht er mit sehr großen ethischen Herausforderungen verbunden.

 

Die deutschen Wissenschaftsakademien haben zum Thema Genomeditierung im vergangenen Jahr Stellungnahmen („Genomchirurgie beim Menschen“, „Chancen und Grenzen des genome editing“) veröffentlicht.


Über acatech am Dienstag
Mit der Veranstaltungsreihe „acatech am Dienstag“ lädt acatech einmal im Monat zu aktuellen und kontroversen Technikthemen in das acatech Forum – Innovation und Technik am Münchner Karolinenplatz ein. Eingeladen sind interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Die nächste Veranstaltung findet am 4. Oktober um 18 Uhr zum Thema „Big Data“ statt. Anmeldungen unter dienstag(at)acatech.de.