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acatech am Dienstag

News, Aktuelles Thema

acatech am Dienstag: Treib- und Rohstoffe aus Sonnenlicht und CO2

acatech Präsidiumsmitglied Hermann Requardt (v.l.), der Chemiker Bernhard Rieger von der TU München und Wissenschaftsjournalist Arno Kral, der Vorsitzende der Journalistenvereinigung TELI, während der acatech am Dienstag-Veranstaltung zur künstlichen Fotosynthese (Foto: acatech)

acatech Präsidiumsmitglied Hermann Requardt (v.l.), der Chemiker Bernhard Rieger von der TU München und Wissenschaftsjournalist Arno Kral, der Vorsitzende der Journalistenvereinigung TELI, während der acatech am Dienstag-Veranstaltung zur künstlichen Fotosynthese (Foto: acatech)

München,

29. Juli 2016

Bis 2022 soll Deutschland aus der Kernkraft aussteigen, vor allem erneuerbare Energien sollen die Lücke füllen. Im Rahmen der Diskussionsreihe „acatech am Dienstag“ am 26. Juli in München präsentierte der Chemiker Bernhard Rieger von der Technischen Universität München den Stand der Forschung zur künstlichen Fotosynthese. Moderiert wurde die Veranstaltung von Arno Kral, dem Vorsitzenden der Vereinigung von Wissenschaftsjournalisten TELI.

 

Die Idee ist visionär: Durch künstliche Fotosynthese sollen aus der nahezu unbegrenzten Ressource Sonnenlicht nachhaltige Kraft- und Rohstoffe gewonnen werden. Dabei werden nach dem Vorbild der Pflanzen aus Wasser und CO2 energiereiche Kohlenwasserstoffe hergestellt. Als Treibstoffe oder als Chemierohstoffe könnten diese dann weiter genutzt werden. Aus einem Abfallprodukt würde eine wichtige Rohstoffequelle.

 

„Die industrielle Nutzung dieser revolutionären Technologie würde nicht nur die frühzeitige Erreichung der Klimaziele ermöglichen, sondern Deutschland auch unabhängig vom Import fossiler Brennstoffe machen“, sagte Hermann Requardt, Mitglied des acatech Präsidiums, im Rahmen der Diskussionsveranstaltung „acatech am Dienstag“ im acatech Forum am Münchner Karolinenplatz.

 

Anwendung im industriellen Maßstab möglich

 

Den aktuellen Stand der Forschung zur künstlichen Fotosynthese präsentierte der Chemiker Bernhard Rieger von der Technischen Universität München. Er berichtete auch über mögliche industrielle Produktionsverfahren, mahnte aber dass es weiterer Forschungsanstrengungen bedürfe. „Bald werden wir in der Lage sein, die künstliche Fotosynthese industriell zu nutzen. Damit dies gelingt, brauchen wir einen gesellschaftlichen und politischen Konsens, der signifikante Geldmittel für die weitere Erforschung und den Aufbau einer industriellen Erprobungsanlage zur Verfügung stellt“, erklärte Bernhard Rieger.

 

Ein erster Schritt hin zur künstlichen Fotosynthese könnte der Bau einer CO2-Abtrennanlage sein. „Diese könnten an ein Kohlekraftwerk oder eine Biogasanlage eines städtischen Energieversorgers oder eines mittelständischen Unternehmens angeschlossen werden“, erklärte Bernhard Rieger. Die Kosten für eine solche Anlage bezifferte er auf rund 500 Millionen Euro. Eine interdisziplinäre acatech Projektgruppe wird sich ab Herbst 2016 mit der CO2-Abscheidung (CCS) und –Nutzung (CCU) beschäftigen und in einer POSITION die Chancen und Risiken der Technologien aufzeigen.

 

Energiemix der Zukunft steht noch nicht fest

 

Wolle Deutschland zukünftig 80 Prozent des Energiebedarfs aus regenerativen Energiequellen decken, müssten neben der künstlichen Fotovoltaik weitere Verfahren zur Energiegewinnung, etwa aus Methan und Wasserstoff, erforscht werden. „Der Energiemix in 30 Jahren ist heute noch nicht bekannt. Dies birgt Unsicherheiten für heutige Investitionen“, sagte Bernhard Riegler. Die Diskussion über regenerative Energiequellen dürfe deshalb nicht nur eine Frage der Kosten sein, da sonst innovative Technologien nicht unterstützt und gefördert würden.

 

Die Diskussion über die künstliche Fotosynthese ist Teild einer monatlichen Veranstaltungsreihe. Für „acatech am Dienstag“ lädt die Akademie zu aktuellen und kontroversen Technikthemen in das acatech Forum am Münchner Karolinenplatz ein. Die kostenfreien Abendveranstaltungen richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien.

 

Nächste Veranstaltung im September zur Gentechnik

 

Unter dem Motto „Gentechnik neu gedacht – Perspektiven der Genomeditierung“ wird am 13. September in München über neue Methoden des Genom-Editierung wie CRISPR-Cas9 oder CRISPR/Cpf1 gesprochen. Diese Innovationen versprechen präzise, einfache, kostengünstige und effektive Veränderungen des Erbguts mit Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Auch die deutschen Wissenschaftsakademien haben zu diesem Thema Stellungnahmen erarbeitet („Genomchirurgie beim Menschen“, „Chancen und Grenzen des genome editing“).