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Christoph Uhlhaas

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Presseinformationen und News, Aktuelles Thema

Neue autoMobilität 2030: So harmonieren Menschen und Maschinen im Straßenverkehr der Zukunft

Das Deckblatt der acatech POSITION Neue autoMobilität:

Neue acatech Studie zum Straßenverkehr im Jahre 2030 (Foto: acatech)

Frankfurt,

21. September 2015

Leisen, umweltschonenden und automatisierten Fahrzeugen gehört die Zukunft. Doch auch 2030 werden noch viele Menschen am Steuer sitzen. An Kreuzungen treffen sie auf selbstfahrende Autos. Wie ein solcher Mischverkehr aussehen kann, beschreibt acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften in der POSITION „Neue autoMobilität“. Projektleiter Karsten Lemmer (DLR) und acatech Präsident Henning Kagermann stellen sie am 21. September auf der IAA vor. Über 40 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden haben ein Zielbild für den automatisierten Verkehr 2030 entwickelt und Empfehlungen für den Weg dorthin formuliert.

 

Die acatech Projektgruppe Neue autoMobilität legt zur IAA Nutzungsszenarien für den automatisierten Straßenverkehr im Jahre 2030 vor und benennt dafür notwendige Voraussetzungen. Denn die Evolution von manuell gesteuerten Fahrzeugen über Autos mit Assistenzsystemen, die in Staus und beim Parken übernehmen, bis hin zum gänzlich fahrerlosen Wagen hat bereits begonnen. Kombiniert mit Elektrifizierung wird die neue Mobilität ökologische und ökonomische Probleme lösen und – insbesondere in alternden Gesellschaften – viele Menschen besser in das gesellschaftliche Leben einbinden.

 

Gefördert wird die branchen- und disziplinübergreifende Arbeitsgruppe vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Gezielt geht es neben Umweltschutz und gesellschaftlicher Wertschöpfung um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Bundesminister Alexander Dobrindt dazu: „Das automatisierte und vernetzte Fahren ist die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Automobils. Die Fahrzeuge kommunizieren untereinander und mit der Infrastruktur. Die entscheidenden Impulse für diese Innovationen kommen aus dem Autoland Nr. 1, aus Deutschland. Damit das so bleibt, müssen Schlüsseltechnologien der Mobilität 4.0 hier entwickelt, erforscht, getestet und produziert werden. Ich bin überzeugt: Mit den richtigen Rahmenbedingungen können wir unsere Innovationsführerschaft weiter behaupten – und bleiben an der Spitze bei Wachstum, Wohlstand und Arbeit.“

 

Erste Autos, die selbstständig parken oder durch Staus navigieren, sind bereits auf dem Markt. „Auf der IAA sehen wir sehr deutlich, dass die Automatisierung im Verkehr bereits zum Alltag gehört“, erklärt Projektleiter Karsten Lemmer, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Institut für Verkehrssystemtechnik leitet. „Doch wir stehen erst am Anfang. 2030 werden hochgradig automatisierte Fahrzeuge auf der Straße sein. Die Herausforderung besteht darin, die Automatisierung einzelner Fahrzeuge und die Vernetzung des gesamten Verkehrs zusammen zu denken. Im Projekt „Neue autoMobilität“ widmen wir uns deshalb auch Themen wie der Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation, intelligenter Fahrzeugsteuerung durch hochauflösende Karten oder der Vernetzung der Verkehrsinfrastruktur. Vor allem durch diese Vernetzung entsteht für die Nutzer automatisierter Fahrzeuge ein echter Mehrwert."

 

Umwelt- und Klimaschutz bei steigendem Verkehrsaufkommen

 

Unser heutiges Verkehrssystem wird den wachsenden Anforderungen nach individueller, ressourcenschonender Mobilität kaum gerecht. Schätzungen zu Folge kosten Verkehrsstaus in Deutschland jährlich rund 40 Milliarden Euro. Vor allem im urbanen Raum belasten Luftverschmutzung, Lärmbelastung und Flächenverbrauch die Lebensqualität. Bis 2020 wird das Verkehrsaufkommen in Deutschland durch Pkw um voraussichtlich weitere 20 Prozent steigen, durch LKW gar um 34 Prozent.


Die stetige Automatisierung des Straßenverkehrs kann hier für mehr Sicherheit, einen besseren Verkehrsfluss und Fahrkomfort sorgen. Pendler gewinnen produktive Zeit und der Verkehr wird umweltschonender. Dafür müssen sowohl die Automatisierung der einzelnen Fahrzeuge als auch die Entwicklung des gesamten Verkehrssystems im Gleichklang vorangetrieben werden. Wichtig ist auch, dass höher automatisierte Fahrzeuge im Straßenverkehr mit älteren, von Menschen gesteuerten Modellen harmonieren. In einem nächsten Schritt wird acatech daher einen Entwicklungsplan erarbeiten, der aufzeigt, wie sich die steigende Komplexität eines automatisierten Mischverkehrs stufenweise bewältigen lässt.

 

Rund um den vernetzten und automatisierten Verkehr werden sich nach den Worten von acatech Präsident Henning Kagermann völlig neue intelligente Geschäftsmodelle entwickeln – Smart Services: „In absehbarer Zeit erreichen fahrerlose Einzelfahrzeuge Marktreife. Der Wettlauf um die Technologieführerschaft bei automatisierten Fahrzeugsystemen und mit ihnen verbundenen Smart Services ist im Mobilitätssektor voll entbrannt. Unsere Wissenschaftler und Unternehmen haben das Knowhow, das Auto neu zu erfinden. Das Zielbild für 2030 zeigt, wie Deutschland dabei Leitmarkt und Leitanbieter werden kann. Grundvoraussetzung dafür ist aber die Kooperation aller Beteiligten.“

 

Rahmenbedingungen: Rechtssicherheit, einheitliche Standards und gesellschaftliche Akzeptanz

 

In sieben Handlungsempfehlungen formuliert die acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften dafür notwendige Rahmenbedingungen:

 

1. Automatisierung, Vernetzung und Infrastruktur müssen zusammen gedacht werden.
2. Dem Aufbruch in die vernetzte Mobilität sollte ein stufenweiser Entwicklungsplan zugrunde liegen.
3. Der automatisierte Straßenverkehr sollte in Testzentren (Living Labs) entwickelt, erprobt und evaluiert werden.
4. Wissenschaft und Wirtschaft sollten im Schulterschluss einheitliche Prinzipien der Mensch-Maschine-Interaktion entwickeln.
5. Die Nutzung von Straßenverkehrsdaten muss mit dem Schutz der Privatsphäre in Einklang gebracht werden.
6. Der bestehende Rechtsrahmen sollte national und international weiterentwickelt werden, damit auch im Verkehr der Zukunft Rechtssicherheit besteht.
7. Ein von der Bundesregierung koordiniertes Innovationsprogramm sollte den Aufbruch in die neue autoMobilität koordinieren und fördern.  

 

Im nächsten Schritt wird die Arbeitsgruppe ihre Empfehlungen ausarbeiten und bis Ende 2016 eine detaillierte Roadmap für den Weg zum vollautomatisierten Verkehr im Jahre 2030 entwickeln.

 

Automatisch sicher: Zahl der Unfälle halbieren


Ein erfolgreicher Aufbruch in den Verkehr der Zukunft sichert die Mobilität, schafft Arbeitsplätze und rettet auch Menschenleben. Trotz sinkender Todeszahlen nach Verkehrsunfällen starben 2014 noch mehr als 3.300 Menschen auf Deutschlands Straßen. Rund 90 Prozent aller Unfälle sind dabei auf menschliches Versagen zurückzuführen. Allein mit intelligenten Assistenzsystemen ließen sich Schätzungen zufolge rund ein Drittel aller Unfälle verhindern. Vernetzt man automatisierte Fahrzeuge, ließen sich die Verkehrsunfälle sogar um weit mehr als 50 Prozent reduzieren.

 

Automatisierte Mobilität ist nicht nur sicher, sondern kann auch die Lebensqualität insbesondere älterer Menschen verbessern. 2030 wird voraussichtlich jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein. Immer mehr Menschen werden vor der schwierigen Entscheidung stehen, den eigenen Pkw im hohen Alter stehen zu lassen. Statt auf gesellschaftliche Teilhabe verzichten zu müssen, könnten ältere Menschen sich künftig von fahrerlosen Autos abholen lassen. Besonders wichtig wird das im ländlichen Raum, wo eine alternde Gesellschaft mit unterfinanzierten Verkehrsinfrastrukturen konfrontiert wird. Der automatisierte Verkehr im Verbund mit innovativen Mobilitätsdienstleistungen kann hier dringend benötigte Alternativen bieten.

Weitere Informationen: www.acatech.de/neue-automobilitaet


Über acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

 

acatech vertritt die deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Zu den Mitgliedern der Akademie zählen herausragende Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. acatech finanziert sich durch eine institutionelle Förderung von Bund und Ländern sowie durch Spenden und projektbezogene Drittmittel. Um die Akzeptanz des technischen Fortschritts in Deutschland zu fördern und das Potenzial zukunftsweisender Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft deutlich zu machen, veranstaltet acatech Symposien, Foren, Podiumsdiskussionen und Workshops. Mit Studien, Empfehlungen und Stellungnahmen wendet sich acatech an die Öffentlichkeit. acatech besteht aus drei Organen: Die Mitglieder der Akademie sind in der Mitgliederversammlung organisiert; das Präsidium, das von den Mitgliedern und Senatoren der Akademie bestimmt wird, lenkt die Arbeit; ein Senat mit namhaften Persönlichkeiten vor allem aus der Industrie, aus der Wissenschaft und aus der Politik berät acatech in Fragen der strategischen Ausrichtung und sorgt für den Austausch mit der Wirtschaft und anderen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland. Die Geschäftsstelle von acatech befindet sich in München; zudem ist acatech mit einem Hauptstadtbüro in Berlin und einem Büro in Brüssel vertreten.