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Berlin,
1. September 2010Die Bundesregierung legt in wenigen Wochen das mit Spannung erwartete Energieprogramm vor. Damit verknüpft ist der Wunsch nach einer konsistenten Perspektive für die nächsten Jahre, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien ebenso berücksichtigt wie Effizienzverbesserungen in den konventionellen Kraftwerkstechnologien.
Dreh- und Angelpunkt des neuen Energiekonzepts ist die Vereinbarkeit wirtschaftlicher und umweltpolitischer Anforderungen, gerade angesichts des globalen Wettbewerbs. Die für acatech in diesem Zusammenhang zentrale Ausrichtung der Energieforschung hängt damit eng zusammen. Die Zeiträume der Energieforschung gehen indes weit über den Zeithorizont der Energiepolitik hinaus. Sie muss der Politik Handlungsoptionen für die zukünftige Energieversorgung im Spannungsfeld von Klima- und Umweltschutz und Versorgungssicherheit zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten eröffnen, gerade für die Industriekunden. Hierbei liegen Schwerpunkte der Forschung sowohl auf der Angebotsseite (Bereitstellung und Verteilung) wie auch auf der Nachfrageseite (Anreize für nachhaltige Energieversorgung, neue Konsummodelle und Akzeptanzfragen).
Energiepolitik und Energieforschung sind somit zwar zwei Seiten derselben Medaille – und doch unterschiedlich intendiert im Hinblick auf die Zeitvorgaben. acatech hat zusammen mit der Leopoldina und den Unionsakademien im Jahr 2009 ein Integriertes Energieforschungskonzept im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erarbeitet. Darüber hinaus hat die Akademie 2010 eine Stellungnahme zur Zukunft der Elektromobilität publiziert und in die Nationale Plattform Elektromobilität eingebracht. Darin werden Schritte zum sukzessiven Umbau des Energiesystems auf nichtfossile Energieträger angesprochen. Gegenwärtig machen Kohle und Gas noch rund 80 Prozent des Primärenergiebedarfs und rund 60 Prozent bei der erzeugten Bruttostromleistung in Deutschland aus.
Welche ökonomischen Rahmenbedingungen gilt es für einen solchen Umbau zu erfüllen? Welche Rolle spielt die nicht-öffentliche Innovationsfinanzierung bei der Realisierung neuer Technologievorhaben? Der von der Deutschen Bank (Region Nordost) initiierte Workshop, der den Auftakt einer Zusammenarbeit auf Projektebene bilden soll, beleuchtete entsprechende Fragen auf Basis der acatech-Aussagen, um sie mit den Erwartungen und Handlungsspielräumen der Finanzwirtschaft abzugleichen. Reinhard Hüttl stellte Trends und Entwicklungslinien der Energieforschung in seinem Einführungsvortrag vor, die von Josef Auer (DB Research) kommentiert wurden. Der acatech Präsident hob dabei unter anderem auf die Wachstumschancen durch die Biomasse-Nutzung ab, die gegenwärtig den höchsten Anteil beim Primärenergieverbrauch aller Erneuerbaren Energieträger hat. Er wies auf die begrenzte Verfügbarkeit von Produktionsflächen in Deutschland hin, welche Effizienzsteigerungen und Importe zur Erreichung der EEG-Ziele unerlässlich machten.
Frank Behrendt, Sprecher des acatech Themennetzwerks Energie und Ressourcen, widmete sich den Potenzialen der Erneuerbaren Energien mit dem Schwerpunkt Windenergie. Seine Ausführungen wurden in Statements von Kai Koplin (DB Renewable Energy Finance, Bereich Asset Finance & Lease) und Felix Holz (DB Expertenteam Greentech) kommentiert. Beide wiesen mit Blick auf witterungsbedingte Betriebsprobleme, aber auch wegen fehlender Langzeiterfahrungen auf bestehende Finanzierungsrisiken im Offshore-Bereich hin, der maßgeblich für den Ausbau der Windenergie in Deutschland ist.
acatech Vizepräsident Dieter Spath widmete sich abschließend den Entwicklungskorridoren in der Elektromobilität, die in Deutschland auch von der prognostizierten stärkeren Nutzung der Windenergie getrieben wird. Hans Remsing (DB Expertenteam Automotive & Engineering) kommentierte Spaths Ausführungen aus Sicht der DB. Sabine Tieves (DB Asset Finance & Lease) ergänzte die Beiträge zur Nutzung Erneuerbarer Energieträger schließlich mit Informationen zum Status quo des Projekts Desertec. Sie betonte die Notwendigkeit von Referenzprojekten zur Sichtbarkeit und Akzeptanzverbesserung des Projekts.
Die Stichworte Akzeptanz und Kommunikation bildeten gleichsam die Klammer des Workshops. Während Reinhard Hüttl ein besseres Qualitätsmanagement beim Umgang mit Informationen am Beispiel des Treibhauseffekts und anderer Megathemen anmahnte, betonte Gastgeber Harald Eisenach (Vorsitzender DB Geschäftsleitung, Region Nordost) in seinem Resümee, dass der Informationstransfer in die Gesellschaft aus Sicht der Finanzwirtschaft mit Blick auf die Kalkulierbarkeit von Rahmenbedingungen einen nicht minder hohen Stellenwert besitze wie in der Wissenschaft. Das Risikomanagement hänge gerade in einer von Volatilität geprägten Welt wesentlich von Informationssicherheit ab.
Dieses und andere Themen – angesprochen wurden die Innovationsfinanzierung im Rahmen der Vorbereitung der nächsten Innovationsdialoge mit der Bundesregierung – sollen auf Projektebene vertieft werden.