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  • Bonn, 19. Juni 2012

    Workshop: Potenziale einer Forschungsdisziplin Wirtschaftsingenieurwesen

    Am 19. Juni 2012 findet in den Räumlichkeiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein... 

  • Berlin, 20. Juni 2012

    Anhörung

    Die nächste Anhörung findet am  20. Juni 2012 von 10:00-17:00 in den Räumlichkeiten der BBAW... 


Konferenz "Technisches Wissen"

Ort: Berlin
Termin:
26. Mai , 11:00 - 18:00 Uhr

Produktionstechnisches Zentrum Berlin, Pascalstraße 8-9, 10587 Berlin, PTZ 001 (Kleiner Hörsaal) Einen Veranstaltungshinweis finden Sie auch hier: http://www.ipk.fraunhofer.de/

 

Berlin, 27.-28. Juni 2008: Gibt es ein eigenständiges Wissen der Technikwissenschaften, oder sind diese in erster Linie angewandte Naturwissenschaften? Diese Frage beschäftigt seit geraumer Zeit nicht nur Ingenieure und Naturwissenschaftler – sondern auch Wissenschaftstheoretiker und -philosophen. Sie stand im Mittelpunkt einer Konferenz, die vom acatech Themennetzwerk „Grundfragen der Technikwissenschaften“ im Produktionstechnischen Zentrum Berlin veranstaltet wurde.

 

Vor allem seit den 1990er Jahren befassen sich Wissenschaftstheorie und Philosophie zunehmend mit der Klärung der Struktur technischen Wissens. Nachdem sie sich im 20. Jahrhundert vorwiegend mit der Untersuchung der Erkenntnisprozesse in den Naturwissenschaften auseinandersetzten, gerät so auch das in den Technikwissenschaften produzierte Wissen in den Blick.

 

Die Wichtigkeit einer interdisziplinären Untersuchung des technischen Wissens ist kaum zu bestreiten. Bislang fehlt es jedoch an einem kontinuierlichen Dialog mit den Geisteswissenschaften über die Frage, was unter technischem Wissen verstanden kann und worin seine Unterschiede und Ähnlichkeiten zu den Naturwissenschaften liegen. Hier steht somit noch aus, was in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vor allem für die Physik geleistet wurde.

 

Es lag daher nahe, dass acatech diesen Faden aufnimmt und sich im ersten Jahr des Bestehens als Deutsche Akademie der Technikwissenschaften mit dieser Frage auseinandersetzt. Berührt sie das Selbstverständnis der Technikwissenschaften doch an einem zentralen Punkt.

 

Auf Einladung des Themennetzwerks „Grundfragen der Technikwissenschaften“ und seiner Leiter Prof. Klaus Kornwachs (BTU Cottbus) und Prof. Günter Spur (TU Berlin) veranstaltete acatech eine Tagung, die sich mit der Entstehung, den Methoden und Strukturen technischen Wissens befasste. Zu den rund 40 Teilnehmern zählten Experten aus Theorie und Praxis der Technikwissenschaften, der Geisteswissenschaften, des Wissensmanagements und der industriellen Produktion. Ziel der Veranstaltung war es, zu einem besseren Verständnis technischen Wissens beizutragen und dieses als eigenständige Wissensart herauszuarbeiten.

 

Unter dem Titel „Praktisches Können und technische Erfahrung“ ging das erste Panel zunächst der Frage nach, wie das Erfahrungswissen der Praxis Eingang in die Theorie des technischen Wissens erhält – und wie Theorien umgekehrt zur Optimierung technischer Prozesse beitragen.

 

Prof. Dieter Ameling (Wirtschaftsvereinigung Stahl) und Prof. Engelbert Westkämper (FhG IPA, Stuttgart) konnten dazu Beispiele aus der Stahlindustrie und der Produktionswissenschaft präsentieren. Prof. Bernd Robert Höhn (TU München) stellte in diesem Zusammenhang ein Bewertungsschema technikwissenschaftlicher Ergebnisse vor, das anders als gängige Evaluationskriterien die Frage der qualitativen Wertschätzung durch Endkunden betonte.

 

Prof. Walther Ch. Zimmerli (BTU Cottbus) und Prof. Werner Rammert (TU Berlin) nahmen in ihren Beiträgen hingegen die soziotechnische Komponente von Innovationen in den Blick. Sie verdeutlichten, dass die Bewertung von Technik nicht nur dem Kriterium der Verbesserung von Eigenschaften bzw. der Prozessoptimierung unterliegt, sondern an Fragen der Akzeptanz in Gesellschaft und Wissenskultur gebunden ist.

 

Die Ausgangsfrage der Konferenz nach der Eigenständigkeit technischen Wissens rief der Vortrag von Prof. Wolfgang König (TU Berlin) am zweiten Konferenztag in Erinnerung. Als ein Unterscheidungskriterium hinsichtlich ihrer Zielstellung verdeutlichte er, dass den Technikwissenschaften der Wunsch einer praktischen Gestaltung der Welt innewohne, während die Naturwissenschaften die Natur als eine unveränderliche Größe betrachteten und zu analysieren versuchten.

 

Prof. Udo Lindemann (TU München) und Prof. Hartmut Seeger (Universität Stuttgart) widmeten sich in ihren Beiträgen den Darstellungsmöglichkeiten der Technik bzw. den Besonderheiten des konstruktionstechnischen Wissens. Insbesondere die von Lindemann vorgeführte Verbildlichung der Technik markiert eine Ähnlichkeit zu den modernen Naturwissenschaften im nichtanschaulichen Wahrnehmungsbereich. Denn sie besitzt nicht in erster Linie eine Illustrations-, sondern eine Begründungsfunktion und macht Wissen sichtbar, wenn man an z. B. an Schaltpläne denkt.

 

Das dritte Panel wurde mit zwei wissenschaftstheoretisch gehaltenen Vorträgen von Prof. Christoph Hubig und Dr. Sandro Gaycken (beide Universität Stuttgart) beschlossen, nachdem Prof. Klaus Brockhoff (WHU – Otto Beisheim School of Management) seine Überlegungen zu einer marktorientierten Technikwissenschaft vorstellte, bei denen er insbesondere auf das Wechselspiel von Bedürfnisorientierung und Erkenntnismöglichkeiten einging.

 

Die durch Günter Spur und Christoph Hubig geleiteten Diskussionen verdeutlichten, dass die Technikwissenschaften heute weitaus mehr als angewandte Naturwissenschaften sind und über eigenständige Methoden der Wissensgenerierung und -anwendung verfügen.

 

Gleichwohl unterstrichen die Diskussionsbeiträge, dass sich eine starre Trennung zwischen Natur- und Technikwissenschaften nur schwer aufrechterhalten lässt, wenn man insbesondere den Anwendungsbezug in den Blick nimmt. Denn wie die Technikwissenschaften auf naturwissenschaftliches Grundlagenwissen aufsetzen, brauchen diese für ihren Erkenntnisprozess die Technik. Ohne entsprechende Experimentieranordnungen und Hilfsmittel wären sie nicht in der Lage, ihr Wissen auch in Form von Gesetzen zu behaupten.

 

Wissenschaft, Technik und Natur sind in der modernen Welt somit eng verzahnt, weshalb eine konventionelle Unterteilung nicht unproblematisch erscheint: Denn auch die Naturwissenschaften haben längst aufgehört, etwas ausschließlich Theoretisches zu sein, sondern sind wie die Technik eine Gestaltung der Realität. So produzieren auch Physik oder Molekularbiologie mit Hilfe der Technik Bilder der Wirklichkeit, die unsere Wahrnehmung der Welt verändern.

 

Ergänzt um einige weitere Aufsätze sollen die Beiträge bis Ende des Jahres in einem Band der Reihe „acatech diskutiert“ erscheinen und diese Diskussion weiterführen. Langfristiges Ziel des Themennetzwerks ist es, eine Theorie der Technikwissenschaften aufzustellen.

 

Das Programm:

Freitag, 27.6.2008

 

Eröffnung der Veranstaltung
11.00 Begrüßung Bernd Hillemeier (TU Berlin, Vorstandsmitglied acatech)

 

11.15 „Technisches Wissen“: Zu den Aufgaben und Zielen der Konferenz Günter Spur (TU Berlin, acatech Themennetzwerk „Grundfragen der Technikwissenschaften“)

 

12.00 Impulsreferat: Entwicklung des Technischen Wissens am Beispiel Stahl Dieter Ameling (Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl a. D.)

 

13.00 Mittagspause

 

Panel 1: Praktisches Können und technische Erfahrung
14.00 Die Hermeneutik des technischen Wissens Walther Ch. Zimmerli (Präsident BTU Cottbus)

 

15.00 Technisches Urteilsvermögen Bernd-Robert Höhn (TU München, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des VDI)

 

16.00 Kaffeepause

 

16.30 Angewandte Forschung und technische Durchbrüche Engelbert Westkämper (FhG IPA, Stuttgart)

 

17.30 Die Pragmatik des technischen Wissens Werner Rammert (TU Berlin)

 

Tagesmoderation: Günter Spur

 

Samstag, 28.6.2008

 

Panel 2: Technikwissenschaftliches Wissen: Gestaltung, Probleme und Methoden
9.00 Werte, Wissen und Wissensintegration in den Technikwissenschaften. Systematische und historische Betrachtungen Wolfgang König (TU Berlin)

 

10.00 Wie kann man Technik darstellen? Wie werden Technikdarstellungen verstanden? Udo Lindemann (TU München)

 

11.00 Das konstruktionstechnische Wissen – ein Zwischenbericht 125 Jahre nach Reuleaux Hartmut Seeger (Universität Stuttgart)

 

12.00 Mittagspause

 

Panel 3: Perspektiven einer innovationsorientierten Technikwissenschaft
13.00 Marktorientierte Technikwissenschaft Klaus Brockhoff (WHU – Otto Beisheim School of Management)

 

14.00 Leistung und Grenzen der Virtualität beim Wissenserwerb Christoph Hubig (Universität Stuttgart)

 

15.00 Validierungsinstanzen technischen Handlungswissens Sandro Gaycken (Universität Stuttgart)

 

Tagesmoderation: Christoph Hubig

 

16.00 Zusammenfassung und Verabschiedung Günter Spur, Christoph Hubig

 

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an:

Dr. Andreas Möller
acatech Hauptstadtbüro
Jägerstraße 22/23
10117 Berlin

 

Tel.: +49(0) 30 39885071
Fax: +49(0) 30 39885072
mailto: moeller(at)acatech.de