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„Innovationsfähigkeit fängt im Kopf an“


Anlässlich des Staatsakts und Trauergottesdienstes für den Bundespräsidenten a. D. Prof. Dr. Roman Herzog würdigte Bundespräsident Joachim Gauck dessen Einsatz für die Veränderungsbereitschaft Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger. „Er hat uns Deutschen gutgetan.“ Roman Herzog hat auch acatech mehr als gut getan! Sein Engagement für unsere Akademie folgt aus seiner Überzeugung, dass nur eine stete Erneuerung die Zukunft sichert. In Trauer und Dankbarkeit erinnere ich an Roman Herzog, der die Gründung von acatech entscheidend unterstützt und den Aufbau der Akademie als Vorsitzender unseres Senats entscheidend mit geprägt hat.

 

In seiner sprichwörtlichen „Ruck-Rede“ sagte Roman Herzog:

 

„Es geht nicht nur um technische Innovation und um die Fähigkeit, Forschungsergebnisse schneller in neue Produkte umzusetzen. Es geht um nichts Geringeres als um eine neue industrielle Revolution, um die Entwicklung zu einer neuen, globalen Gesellschaft des Informationszeitalters.“

 

Schon in dieser wegweisenden „Berliner Rede“ im Jahr 1997 stellte er die Fähigkeit zur Erneuerung als wichtigste Voraussetzung für ökonomische, ökologische und soziale Stabilität und Nachhaltigkeit heraus:


„Innovationsfähigkeit fängt im Kopf an, bei unserer Einstellung zu neuen Techniken, zu neuen Arbeits- und Ausbildungsformen, bei unserer Haltung zur Veränderung schlechthin. Ich meine sogar: Die mentale und die intellektuelle Verfassung des Standorts Deutschland ist heute schon wichtiger als der Rang des Finanzstandorts oder die Höhe der Lohnnebenkosten. Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal.“


Bereits Mitte der 1990er Jahre verfolgte er gemeinsam mit dem damaligen Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers die Idee der Gründung einer bundesweiten Akademie der Wissenschaft, zu seinem größten Bedauern zunächst erfolglos. Kurz nach seiner Amtszeit als Bundespräsident stellte ich ihm dann die Idee einer „Deutschen Akademie der Technikwissenschaften“ vor, die ihn sofort faszinierte. Er hatte in seiner Amtszeit sehr deutlich gespürt, dass Deutschland eine vernehmbare Stimme der Technikwissenschaften fehlte. Rückblickend auf seine Präsidentschaft schrieb er 2007:


„Ein wirklich bedeutendes Forum, vor dem ich meine Vorstellungen über Notwendigkeit und zugleich Disziplinierung des technischen Fortschritts mit ausreichender Öffentlichkeitswirkung hätte darstellen können, gab es in meiner Amtszeit nicht.“


Die Unterstützung von Roman Herzog bei der Gründung von acatech war von unschätzbarem Wert! Sein Beitrag für unsere Sache geht weit über das Symbolische hinaus. Am 30. September 2003 konstituierte sich der Senat von acatech und Roman Herzog übernahm den Senatsvorsitz.


Am selben Tag fand die erste acatech Festveranstaltung im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Berlins „gute Stube“ war voll, als sich acatech erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorstellte. Die hohe Aufmerksamkeit verdanken wir nicht zuletzt den Festrednern, die die Gründung einer nationalen Akademie der Technikwissenschaften nachdrücklich befürworteten: Bundespräsident a. D. Roman Herzog und Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Als Roman Herzog den Vorsitz des Senats übernahm, versammelte unser Senat 37 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft. Der Senat bildete und bildet das Bindeglied zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, an deren Schnittstelle acatech arbeitet. Unter dem Vorsitz von Roman Herzog wuchs der Senat auf mehr als die doppelte Größe.


Das besondere Engagement führender Köpfe aus innovationsorientierten Wissenschaftseinrichtungen und technologieorientierten Unternehmen unterstrich, dass die Gründung einer „Deutschen Akademie der Technikwissenschaften“ überfällig gewesen war. 2008 war es dann endlich so weit. Die Bundesländer und das von Annette Schavan geführte BMBF einigten sich auf eine gemeinsame Förderung von acatech. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf unserer Festveranstaltung 2008:


„Seit 1. Januar dieses Jahres existiert zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine nationale Akademie, die Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen Fragen umfassend und kompetent berät, die sich selbst ein Urteil bildet und es dann weitergibt – eine Institution, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft forciert, eine Institution, die zur Stimme der Technikwissenschaften geworden ist, eine gewichtige Stimme in unserem Land zur Förderung von Wachstum und Innovation.“


Roman Herzog war ein großer Staatsmann und vor allem eine große Persönlichkeit und er war ein wichtiger, ja, vielleicht unser wichtigster Partner und Impulsgeber aus der Politik und der Gesellschaft. Er war ein nachdenklicher, aber auch tatkräftiger Mensch und ein mahnender, aber auch humorvoller Redner. Auf unserem ersten Symposium fragte er nach dem Unterschied zwischen einer Konservenbüchse und einer Lokomotive. Wenn es darum gehe, ob man sich mit dem einen oder mit dem anderen rasieren kann, gebe es keinen Unterschied. So ähnlich sei es mit der Debatte, ob man durch niedrigere Steuern oder höhere Ausgaben besser Wachstum fördere.

 

„Wir müssen sehen, dass es immer wieder Innovationen gibt, immer wieder neue Angebote, immer wieder neue Leistungen, die wir anbieten können…. Das ist eigentlich das Thema, um dessen Willen wir heute zusammengekommen sind und an dem wir weiter bohren müssen.“

 

Diese Überzeugung hatte Roman Herzog als Bundespräsident und als Wegbereiter und Gestalter für die Sache von acatech. Er hat Deutschland, aber auch uns bei acatech viel Mut gemacht. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften wird in seinem Sinne weiterhin die Stimme erheben und die Zuversicht der Menschen in die Innovationsfähigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit unseres Landes stärken.


Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren!



 

 

Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg
Gründungspräsident acatech

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