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WISSENSCHAFTLICHE AKADEMIEN IN DEUTSCHLAND

Wissenschaftliche Akademien in Deutschland

Die Gründung von acatech vollzog sich vor dem Hintergrund einer langen Tradition wissenschaftlicher Akademien in Deutschland, in denen sich bis dato vor allem Natur- und Geisteswissenschaftler zusammengeschlossen hatten. Die älteste und heute zugleich einzige bundesweite Institution ist die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina mit Sitz in Halle, die auf das Jahr 1652 zurückgeht. Darüber hinaus existieren auf Länderebene acht weitere wissenschaftliche Akademien. Die Berlin-Brandenburgische Akademie wurde als älteste davon im Jahre 1700 als Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften durch G.W. Leibniz gegründet. Außerdem zählen dazu die Akademien der Wissenschaften in Göttingen und in Heidelberg, die Bayerische und die Sächsische Akademie der Wissenschaften, die Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz, die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften sowie die Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

Seit über hundert Jahren gibt es eine organisierte Zusammenarbeit der deutschsprachigen Wissenschaftsakademien. Diese begann 1893 mit der Gründung des „Verbands der wissenschaftlichen Körperschaften“, des so genannten „Kartells“, durch die Akademien in Göttingen, Leipzig, München und Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich in Nachfolge des Kartells zunächst die westdeutschen Akademien zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, die sich 1967 den Namen „Konferenz der deutschen Akademien der Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland“ gab. 1991 und ’93 traten die Sächsische und die Berlin-Brandenburgische Akademie bei, 1998 erfolgte die Umbenennung in „Union der deutschen Akademien der Wissenschaften“.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden in fast allen Industrienationen zusätzlich zu den bestehenden Wissenschaftsakademien auch nationale Akademien der Technikwissenschaften. Die älteste Gründung ist die renommierte Royal Swedish Academy of Engineering Sciences (IVA) von 1919. Zu den jüngeren Gründungen zählen die britische Royal Academy of Engineering, die auf das Jahr 1976 zurückgeht, und die niederländische Society of Technological Sciences and Engineering (FTW) von 1986.
In Preußen gab es bereits 1899 einen Anlauf, eine „Akademie der Technischen Wissenschaften“ ins Leben zu rufen . Dies geschah vor dem Hintergrund eines das ganze 19. Jahrhundert währenden „Emanzipationskampfs“ der Technik und der Technischen Hochschulen gegen die an den Universitäten vertretenen etablierten Wissenschaften. 1899 konnten die Technischen Hochschulen dabei mit der Erlangung des Promotionsrechts einen wichtigen Sieg erringen. Die Initiative für die neue Akademie ging von dem Berliner Maschinenbau-Professor Alois Riedler aus. Sie sollte der weiteren Entwicklung der Technik, der Politikberatung und dem verstärkten Austausch der Technik mit Wirtschaft und Gesellschaft dienen. Der Kaiser und preußische König Wilhelm II. unterstützte den Vorschlag, der dann aber innerhalb der Regierung scheiterte. Als Kompensation wurden 1900 an der Preußischen Akademie erstmals drei Stellen für die Technikwissenschaften geschaffen. Mit Werner Siemens war zwar schon 1873 ein Ingenieur in die Akademie gewählt worden, dieser wurde jedoch explizit nicht als Technik-, sondern als Naturwissenschaftler aufgenommen.

Weitere Vorstöße der Technikwissenschaftler mit dem Ziel, zusätzliche Stellen zu erhalten oder eine eigene technikwissenschaftliche Klasse einzurichten, scheiterten bis nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl in Preußen als auch an anderen deutschen Akademien. Erst die Akademie der Wissenschaften in der DDR, die nach dem Krieg aus der Preußischen Akademie hervorging, richtete eine eigene technikwissenschaftliche Klasse ein. In der Bundesrepublik zog 1970 die neu gegründete Nordrhein-Westfälische Akademie mit einer Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaftlichen Klasse nach. 1987 gründete das Land Berlin zudem die Akademie der Wissenschaften zu Berlin – die Technikwissenschaften waren hier von Anfang an integraler Bestandteil. Diese Neugründung wurde allerdings nach dem Fall der Mauer bereits 1990 wieder aufgelöst. Im Jahre 1992 kam es dann zur Neukonstituierung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (vormals Preußische Akademie der Wissenschaften), deren Struktur von Beginn an eine Klasse für die Technikwissenschaften vorsah.

acatech führt diese Entwicklungen fort und bündelt die technikwissenschaftlichen Aktivitäten auf Akademie-Ebene erstmals im nationalen Zusammenhang. Mit der Gründung einer eigenen nationalen Interessenvertretung der Technikwissenschaften zieht Deutschland mit anderen Industrieländern gleich und schließt eine Lücke, die mit der wachsenden Bedeutung der Technikwissenschaften für die Bewältigung globaler ökonomischer und ökologischer Probleme im Laufe der Zeit immer größer geworden ist.
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1.)Wolfgang König: „Die Akademie und die Technikwissenschaften. Ein unwillkommenes königliches Geschenk“, in: Jürgen Kocka (Hg.): Die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Kaiserreich, Berlin: Akademie Verlag 1999: S. 381-398.