Washington,
10. Juli 2009Unter dem Titel „Opportunities and Challenges in the Emerging Field of Synthetic Biology” haben die National Academy of Siences (NAS), die Organisation for Economic Co-Operation and Development (OECD) und Royal Society ein Symposium organisiert, um diese neue Technikwissenschaft im Rahmen der internationalen Politik zu diskutieren. Am 9. und 10. Juli 2009 kamen in Washington D.C. viele der weltweit führenden Wissenschaftler auf diesem gerade entstehenden Feld mit Vertretern des wachsenden Industriezweigs sowie Sozialwissenschaftlern und Vertretern aus politikberatenden Institutionen zusammen.
Charles Vest, Präsident der National Academy of Engineering, sagte in seiner Begrüßung, dass hier eine neue Technikwissenschaft entsteht, weil gezielt Konstruktionsprinzipien zum Erzielen gewünschter Funktionen eingesetzt werden. So konnte er die anwesenden Wissenschaftler als “fellow engineers” begrüßen. Freilich gebe es einen Unterschied zu den meisten anderen Technikwissenschaften: Im Zusammenhang mit dem Lebendigen seien die ethischen Risiken groß. Gleichzeitig entwickle sich die Synthetische Biologie rasant. Grund genug, auf internationaler Akademienebene das Thema zu diskutieren und gemeinsam mit der Politik Handlungsoptionen auszuloten. Tatsächlich ist die Synthetische Biologie ein Exempel für Interdisziplinarität und Internationalität, wie Ralph Cicerone, Präsident der NAS, in seiner Begrüßung feststellte.
Freilich konnten auch auf dieser Tagung viele notorische Fragen ein weiteres Mal nur benannt, nicht einstimmig beantwortet werden. Welche Rolle sollen und können hier die einzelnen Regierungen spielen? Wo sind internationale Kooperationen gefragt? Was ist hinsichtlich einer Standardisierung zu tun? Wo soll Regulierung zur Biosicherheit ansetzen? Wie hängen Grundlagenforschung und Kommerzialisierung zusammen? Wie sieht effiziente Forschungsförderung aus? Wer überblickt die Fragen nach Patentierbarkeit in diesem komplexen Feld? Werden Kontroversen um gentechnisch veränderte Organismen die Synthetische Biologie betreffen? Was kann man von der öffentlichen Debatte um Nanotechnologie lernen?
Ioannis Economidis von der Europäischen Kommission zeigte in seinem Beitrag für die Europäische Kommission die Relevanz dieses Feldes für die Entwicklung einer wissensbasierten Bioökonomie. Es sei jedoch nicht mehr als ein Blick in die Glaskugel, wenn über Anwendungen in fünf, zehn oder fünfzig Jahren spekuliert werde.
Doch angesichts der großen Versprechungen, darunter neuartige Sensoren, Biokraftstoffe und Medikamente, aber auch angesichts der Risiken, ist eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik bereits in diesem frühen Stadium wichtig, sagte Arden Berment, Director der National Science Foundation. Insbesondere müssten in diesem Feld frühzeitig die Sozialwissenschaften in die interdisziplinäre Arbeit einbezogen werden - nicht zuletzt um Wege zu finden, die Öffentlichkeit in einen Dialog über diese neue Technologie zu bringen.
Muss jetzt dazu eine Kommunikationsstrategie erarbeitet werden, wie mancher Teilnehmer meinte? Adam Bly (Seed Media Group) machte als Medienvertreter den Teilnehmern des Symposiums Mut: Diese Wissenschaft sei in ihrer Transparenz und mit ihrem do-it-yourself-Ansatz besonders affin zu modernen Kommunikationsformen wie Science Blogs. Sheila Jasanoff (Science Technology Studies, Harvard University) ging in ihrem Schlusswort freilich weit über solche Marketingüberlegungen hinaus und forderte, Wissenschaft zurück in die Gesellschaft zu bringen, um das Projekt der Aufklärung zu vollenden.
Zu den Teilnehmern zählten Drew Endy und Christina Smolke, beide Stanford University. Auch Deutschland war mit Referenten vertreten, darunter Vitor dos Santos (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung), Cord Stähler (febit biomed GmbH) und Frank Notka (Geneart AG). Sven Panke (ETH Zürich) und Helge Torgersen (Österreichische Akademie der Wissenschaften) lieferten Beiträge aus Österreich und der Schweiz. Auch Vertreter des BMBF und des Fraunhofer ISI nahmen an dem Symposium teil. acatech war vertreten durch den wissenschaftlichen Referenten Marc-Denis Weitze, der diese Themen in der Geschäftsstelle betreut.