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WORKSHOP "DIALOG VERSUS PARTIZIPATION"

Ansprechpartner

PD Dr. Weitze Marc-Denis

PD Dr.
Marc-Denis Weitze

Leiter Themenschwerpunkt Technikkommunikation
acatech Geschäftsstelle

T: +49 (0)89/52 03 09-50
weitze@acatech.de

Teilnehmerbroschüre

Teilnehmerbroschüre zum Workshop "Dialog versus Partizipation"

Die Publikation zum Workshop am 24./25. November 2011 enthält unter anderem ein kommentiertes Teilnehmerverzeichnis und Literaturtipps.

zum Download

 

 

Dialoge brauchen routinierte Gelassenheit

Wie sieht ein gelungener Dialog aus? Dieser Frage gingen mehr als 40 Praktiker, Wissenschaftler und Initiativenvertreter beim Workshop „Dialog versus Partizipation“ am 24./25. November in Schloss Ziethen bei Berlin nach – nah dran am politischen Zentrum der Republik, zugleich aber mit dem distanzierten Blick in klausurartiger Arbeitsatmosphäre. Auf Einladung von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften kamen Vertreterinnen und Vertreter aus so unterschiedlichen Bereichen wie Unternehmen, Stiftungen, Wissenschaftseinrichtungen und Bürgerinitiativen zusammen.


Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten beim zweitägigen Workshop Argumente für und wider den Einsatz von Partizipationsformaten. Die Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses sind in die Gestaltung der Sonderseite mit eingeflossen.

 

 

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Auch die Partnerakademien Leopoldina und Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften beteiligten sich am Dialog über eines der derzeit populärsten gesellschaftspolitischen Themen: Dialog- und Partizipationsverfahren als scheinbares Allheilmittel politischer Entscheidungsprozesse, immer zwischen den Extremen als Hoffnungsträger in der parlamentarischen Demokratie und als Alibiveranstaltung, die vielen Zielen dient außer dem Dialog auf Augenhöhe und echter Partizipation.

 

Doch was ist dran, am Nimbus gelebter basisdemokratischer Elemente? Wie tragfähig sind die ausgehandelten Kompromisse? Welche Verbindlichkeit können und sollten sie haben? Wann eignen sich welche Formen des Dialogs und der Partizipation? Und ist Verzicht überhaupt noch eine Option?Der Workshop näherte sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Praxisbeispiele des Informationszentrums Mobilfunk, der Aktion Mensch und des BürgerForums der Bertelsmann-Stiftung illustrierten zunächst, wie konkrete Beteiligungsformate im Jahr 2011 aussehen.

 

Bürger machen mobil

 

Christine Dunkel (Informationsplattform gegen Fluglärm) verdeutlichte, welche Motivation Menschen antreibt, „bottom-up“ Bürgerinitiativen zu gründen und sie mit langem Atem zu betreiben. Piet Sellke vom Dialogik-Institut gelang der Brückenschlag zur Wissenschaft. Der Forscher stellte eine fundierte Systematisierung unterschiedlicher Dialog- und Partizipationsformate vor, deren Kategorien als Ausgangspunkt zahlreicher Studien seines Instituts dienen. Internationale Impulse kontrastierten die deutschlandweiten Praxisstudien und Einordnungen: Matthias Holenstein von der Schweizer Stiftung Risiko-Dialog erläuterte die Wirksamkeit und Erfolgskriterien von Risiko-Dialogen in der direktdemokratischen Alpenrepublik. Katrin Nilsson stellte innovative Tools vor, mit denen das Londoner Dana Centre Wissenschaftsdialoge zu kulturellen Events macht.

 

Theorie und Praxis in Einklang bringen

 

Neben den Praxisbeispielen und Fachvorträgen stand die Interaktion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Arbeitsgruppen und einer Ideenschmiede im Vordergrund. So arbeiteten drei Teams parallel an Fragestellungen nach der Rolle der Medien, nach den Möglichkeiten der Evaluation von Dialogen sowie der politischen Relevanz entsprechender Formate.

 

Skeptiker, Befürworter und Visionäre an einem Tisch

 

Den Mittelpunkt des zweiten Tages bildete die Ideenschmiede, in der Befürworter, Skeptiker und Visionäre Vor- und Nachteile einer gesteigerten Dialogorientierung politischer Entscheidungsprozesse diskutierten. „Es kann nicht darum gehen, basisdemokratische Strukturen in Konkurrenz zum etablierten politischen System zu etablieren“, sagte Ortwin Renn, Risikoforscher und acatech Präsidiumsmitglied. Dennoch war sich die Mehrheit der Anwesenden darüber einig, dass „Betroffene“ künftig stärker und früher in Entscheidungsprozesse einzubinden seien. Insgesamt zeigte der Workshop, dass viele Dialogverfahren der Vergangenheit unter einer unklaren Zielvorgabe litten: So wird häufiger Informationsvermittlung mit Akzeptanzbeschaffung verwechselt. Und unklar ist oft auch, wie groß der Handlungsspielraum der am Dialog beteiligten Personen ist: Ob es um

 

- Vermittlung von Fakten an Bürger

- Ermittlung von Präferenzen der Bürger

- Partizipation an Projekten/Prozessen oder

- Selbstverpflichtung der Akteure geht

 

Ganz oder gar nicht

 

Der Dialog sei keine „Zustimmungsbeschaffungsmaschine“, die dann angeworfen werde, wenn bereits alles entschieden ist. Antizipation möglicher Problemquellen sei ebenso wichtig wie die Bereitstellung der nötigen Ressourcen. Ein Teilnehmer ergänzte: „Wenn man nicht die Ressourcen bereitstellen kann, einen Dialog zu führen und durch eine solide Evaluation zu beleiten, dann sollte man ganz darauf verzichten." Von der Idee, lediglich ein bisschen Dialog zulassen zu wollen, sei mindestens genauso abzuraten, wie davon, einen solchen von vornherein auszuschließen. Ein Fazit des Dialogs über Dialogformate: Insgesamt müssten Dialog- und Partizipationsverfahren künftig stärker zum Repertoire gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse zählen. Es gebe allerdings noch viel zu lernen und noch mehr auszuprobieren. Denn fest stand für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichermaßen: Der eine perfekte Dialog, der als Passpartout grundsätzlich anzuwenden wäre, ist Illusion.

 



Die Prezi, eine animierte Präsentation, bietet eine anschauliche Einführung zum derzeitigen Einsatz dialogischer und partizipativer Verfahren in Deutschland.

 

 

Dialog- und Partiziaptionsformate - ein Überblick

Die Idee, relevante Bevölkerungsschichten in politische Entscheidungsprozesse einzubinden, ist nicht neu. Und so steht bereits heute ein umfangreicher Instrumentenkoffer an Beteiligungsformaten bereit. Einen Überblick von "Arbeitsgruppe" bis "Trägerverein" bietet die folgende wissenschaftliche Systematisierung.

Instrumentenkoffer für Beteiligung in verschiedenen Projektphasen

Präsentation: Partizipationsformate

"Vertrauensverluste lassen sich nicht durch Information ausgleichen. Dementsprechend laufen auch alle Vorschläge, die auftretenden Konflikte durch bessere Erziehung, Aufklärung oder Informationskampagnen zu bewältigen, ins Leere."

 

Prof. Dr. Dr. h. c. Ortwin Renn, Universität Stuttgart und acatech Präsidium

 

Praxisbeispiele

Derzeit wird noch viel erprobt. Vier Praxisbeispiele illustrieren die Bandbreite der Ansätze, Vorgehensweisen und Ziele.

Das Format und seine Ziele, Erfolgfaktoren, Verbesserungspotenzial (Dagmar Wiebusch, Informationszentrale Mobilfunk)

BürgerForum 2011 (Dr. Dominik Hierlemann, Bertelsmann Stiftung)

Die Gesellschafter (Christian Scheifl, Aktion Mensch)

Eine ganz andere Perspektive ist die derjenigen, die sich von konkreten Vorhaben in ihren Bürgerrechten oder ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen und sich zum Beispiel in Bürgerinitiativen formieren. Hier geht es nicht mehr darum, wie ein perfekter Dialog aussehen kann, sondern ob ein solcher überhaupt noch möglich ist.

Nicht über unsere Köpfe! (Christine Dunkel, Infoplattform gegen Fluglärm)

Dokumentation/ Material

An dieser Stelle finden Sie Texte, die von den Beteiligten des Workshops erstellt wurden. Neben den Protokollen aus den Arbeitsgruppen steht auch eine systematische Übersicht von Beteiligungsformaten zum Download bereit.

Die Rolle der Medien (Wolfgang C. Goede)

Die Evaluation von Dialogen (Rüdiger Goldschmidt/Jochen Leufen)

Die politische Relevanz von Beteiligungsformaten (Prof. Michael Decker)
Instrumentenkoffer für Beteiligung in verschiedenen Projektphasen (Piet Sellke)

"Eine Podiumsdiskussion ist kein Dialog"


Katrin Nilsson, Dana Centre, UK

 

 

 

 

 

Evaluation von Beteiligungsformaten

Eine systematische Evaluation ist nicht immer leicht zu realisieren, die Ergebnisse lassen sich oft erst mit einem zeitlichen Abstand von mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten retrospektiv einschätzen. Matthias Holenstein skizziert in seinem Vortrag anhand von Fallstudien, welche Kriterien dennoch eine valide Beurteilung des Partizipationsverfahrens zulassen.

Matthias Holenstein: Risiko-Dialoge. Wirksamkeit und Erfolgskriterien (Matthias Holenstein, Stiftung Risiko-Dialog, St. Gallen/Schweiz)

S 21 sieht fern: Der Onlinesender Flügel TV

Robert Schrem, der Gründer des Onlinesenders Flügel TV, erörtert beim Kamingespräch am 24. November 2011 seine Motivation, einen eigenen Fernsehsender zu gründen, der den Abriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs live überträgt.

Die Macher von fluegel.tv wollen einen Teil zur Demokratisierung der Gesellschaft beitragen, indem sie Diskussionen, Kongresse und aktuelle Ereignisse live und in voller Länge übertragen. Das ZDF nannte das Projekt „das Al Jazeera der Stuttgarter Bürgerproteste“. Der Internetsender entstand im Umfeld der Diskussionen um Stuttgart 21. Bekannt wurde flügel.tv mit der Live-Übertragung des Abrisses des Nordflügels am Stuttgarter Hauptbahnhof. fluegel.tv übertrug als erster Sender live die Geschehnisse im Stuttgarter Schlosspark am 30. September 2010 sowie gemeinsam mit Phönix die Schlichtungsgespräche mit Heiner Geißler.

fluegel.tv versteht sich als finanziell unabhängiger und parteiübergreifender Bürgersender. Die Macher sind Journalisten und Medienschaffende aus der Region Stuttgart. Im Jahr 2011 erhielt der Sender für sein Engagement den Alternativen Medienpreis.

Robert Schrem ist selbstständiger Softwareentwickler und Gründer des Senders. Der Stuttgarter ist in seiner Freizeit als Redakteur, Kameramann sowie Schnitt- und Tontechniker für fluegel.tv im Einsatz.

Erwartungen, Hintergründe, Thesen: Graphic Recording vom Workshop

Programm

Programm

24. November

10:30 Uhr Ankunft Teilnehmer

11:00 Uhr Auftakt

11:05 Uhr Begrüßung

11:10 Uhr Ziele des Workshops, Kurzvorstellung der Teilnehmer
                 (Jann Gerrit Ohlendorf, acatech Hauptstadtbüro)
       
11:30 Uhr Graphic Recording: Erwartungen der Teilnehmer
                (Gabriele Heinzel)

11:55 Uhr Bühne frei für Praxisbeispiele

12:00 Uhr „Partizipation und Dialog im 21. Jh.“
                 Das Format und seine Ziele, Erfolgsfaktoren und Verbesserungs-
                 potenzial, Rückfragen
   
                 (Dagmar Wiebusch, Informationszentrum Mobilfunk
                 Christian Scheifl, Aktion Mensch
                 Dominik Hierlemann, BürgerForum 2011, Bertelsmann Stiftung)

13:00 Uhr Mittagessen    

14:00 Uhr Schlossbesichtigung mit dem Schlossherrn 
                 (Rafael Freiherr v. Thüngen-Reichenbach)

14:30 Uhr Nicht über unsere Köpfe hinweg
                 Dialog aus Sicht der Infoplattform Fluglärm
                 (Christine Dunkel, Infoplattform Fluglärm)

15:00 Uhr Risiko-Dialoge
                Wirksamkeit und Erfolgskriterien
                (Matthias Holenstein, Stiftung Risiko-Dialog, St. Gallen)

15:30 Uhr Kaffeepause

15:50 Uhr Aufteilung in Arbeitsgruppen
                (Dr. Marc-Denis Weitze, acatech Geschäftsstelle)

16:00  Uhr Arbeitsgruppen 

  • Rolle der Medien
    (Impuls: Katrin Wodzicki, Institut für Wissensmedien/ Moderation: Wolfgang C. Goede, P. M. Magazin)

  • Viel Aufwand für was? Vom Wert und Nutzen der Dialogverfahren  
    Arbeitsgruppe zur Evaluation
    (Impuls: Daniel Reichert, Liquid Democracy e. V./ Frank Stäudner, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft)

  • Neue Form der Partizipation oder Alibi? Politische Relevanz von Dialogverfahren
    (Impuls: Roman Ebener, abgeordnetenwatch/ Moderation: Prof. Michael Decker, Karlsruher Institut für Technologie)

17:30 Uhr Panorama der Dialogformate
                 (Piet Sellke, Dialogik)

17:50 Uhr Plenum: Ergebnisse der Arbeitsgruppen
                (Marc-Denis Weitze)
        
18:20 Uhr Abendessen

20:00 Uhr Kamingespräch mit Robert Schrem, Flügel TV


25. November
     
ab 7:30 Uhr Frühstück    

9:00 Uhr Einführungsmoderation zu Tageszielen
              (Prof. Ortwin Renn, Universität Stuttgart und acatech Präsidium)

9:05 Uhr Dana Centre experience with dialogue events
              (Katrina Nilsson, Dana Centre, London)

9:30 Uhr Diskussion
    
9:45 Uhr Ideenschmiede: Gelungener Dialog, sinnvolle Partizipation
              (Peter Weingart, Universität Bielefeld/ Jan Lachenmayer,
              xailabs GmbH/ Jochen Leufen, think2know)

11:45 Uhr Plenum, Vorstellung der Arbeitsergebnisse
                (Graphic Recording: Mathias Weitbrecht)

12:30 Uhr Wrap-up
                (Prof. Ortwin Renn)

13:00 Uhr Gemeinsames Mittagessen
    
14:30 Uhr Ende    

Eindrücke vom Workshop

Gästebuch

Das Gästebuch lag während der Veranstaltung aus. Danke für hilfreiche Anmerkungen und freundliche Gedanken!

Gästebuch