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DOSSIER SICHERHEIT

Projektleiter

Prof. Dr. Thoma Klaus

Prof. Dr.
Klaus Thoma

Institutsleiter
Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik

Ansprechpartnerin

Dr. Kohlhuber Martina

Dr.
Martina Kohlhuber

Stellv. Leiterin Themenschwerpunkt Technologien / Wiss. Referentin
acatech Geschäftsstelle

T: +49 (0)89/52 03 09-68
kohlhuber@acatech.de

Publikationen

Weiterführende Informationen

Projekt Resilien-Tech: "Resilience-by-Design"

 

Resilienz ist das Sicherheitskonzept der Zukunft

Sicherheit ist für jeden Menschen ein hohes persönliches Gut, das die Lebensqualität maßgeblich bestimmt; sie gehört auch zu den Grundlagen für die Stabilität eines Landes. Zuverlässig funktionierende Infrastrukturen wie Versorgungsketten, Verkehrswege und Kommunikationssysteme sind die Basis moderner Industriegesellschaften. Ihre zunehmende Vernetzung erhöht die Verwundbarkeit der Infrastrukturen gegenüber Angriffen, Unfällen und Naturkatastrophen. Die Sicherheitsforschung zielt deshalb darauf ab, Verwundbarkeiten zu erkennen, zu analysieren und Strategien zur Minimierung von Risiken zu entwickeln. Übergeordnetes und langfristiges Ziel ist der Aufbau einer widerstandsfähigen, fehlertoleranten und robusten Infrastruktur.

 

acatech sieht Resilienz als das Sicherheitskonzept der Zukunft: Die schnelle Anpassung löst die Abschottung durch starre Schutzmechanismen ab.

 

„Wir müssen Sicherheit neu denken. Nach dem Prinzip ‚Biegen statt Brechen‘ müssen moderne Infrastrukturen lernen, das Unvorhersehbare besser zu verkraften. Resilienz muss zu einem Grundprinzip der Entwicklung und Planung werden. Wenn wir auch in Zukunft Menschen und Infrastrukturen schützen wollen, müssen wir sowohl die Prävention als auch adäquate Krisenreaktion und sinnvolles Lernen aus vergangenen Ereignissen in unserer Gesellschaft verankern.“

 

Klaus Thoma, Institutsleiter Fraunhofer EMI

 


Resilienz

 

Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit aber auch Anpassungsfähigkeit und Flexibilität. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Psychologie und wurde in den vergangenen 60 Jahren von verschiedenen Wissenschaftsgebieten wie der Ökologie und den Sozialwissenschaften adaptiert. In den 1980er Jahren erhielt Resilienz im Zusammenhang mit Katastrophen Einzug in das Ingenieurwesen. Resilienz umfasste dabei die Fähigkeit, erfolgreich mit dem Katastrophenfall umzugehen.

Resilienzforschung zielt darauf ab, die Fähigkeit von technischen und gesellschaftlichen Systemen zu Widerstand und Regeneration zu erhöhen und beinhaltet neben der Bewältigung von Krisensituationen auch Vorbeugungs-/Schutzmaßnahmen. Resilienz verbindet daher Sicherheit mit Nachhaltigkeit. Vereinfacht bedeutet Resilienz, die Funktion eines Systems auch bei unerwarteten Störungen zuverlässig aufrechtzuerhalten oder möglichst rasch in einen funktionsfähigen Zustand zurückzuführen.

Resilienz ist die Fähigkeit, tatsächliche oder potenziell widrige Ereignisse abzuwehren, sich darauf vorzubereiten, sie einzukalkulieren, sie zu verkraften, sich davon zu erholen und sich ihnen immer erfolgreicher anzupassen.

Um Gesellschaften resilient zu gestalten, sind soziale Aspekte gleichrangig mit technologischen Aspekten zu beachten. Die acatech POSITION „Resilien-Tech – Resilience-by-Design“ enthält Handlungsempfehlungen für die erfolgreiche Umsetzung des Resilienzkonzepts durch Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.

 

Download der POSITION Resilien-Tech

 

Anwendungsfelder

Resiliente Infrastrukturen

Resiliente Infrastrukturen

Die Sicherheit der kritischen Infrastrukturen, etwa für die Versorgung mit Wasser, Strom oder Lebensmitteln, ist Voraussetzung für unsere Lebensweise und den wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland.
Resilienz wird immer wichtiger, weil die kritischen Infrastrukturen immer vernetzter arbeiten und deshalb die Schwachstellen zunehmen. Bereits kleine, zunächst harmlos wirkende Störungen können in einer Kettenreaktion zu gravierenden Schäden am ganzen System führen. Resiliente Energienetze können beispielsweise auch bei unvorhersehbaren Extremwetterverhältnissen, bei Terroranschlägen oder politischen Krisen die Grundversorgung aufrechterhalten.
Mit der „Nationalen Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS-Strategie)“ unterstützt die Bundesregierung die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure aus Staat und Wirtschaft für die Sicherheit der lebenswichtigen Infrastrukturen.

Resiliente Unternehmen

Resiliente Unternehmen

Während Behörden und öffentliche Einrichtungen einen gesetzlich geforderten Grad an Resilienz aufweisen müssen, um ihrer öffentlichen Verpflichtung nachzukommen, bestehen derzeit keine direkten Anforderungen für Unternehmen der Privatwirtschaft, ihre Resilienz zu steigern beziehungsweise auf einem akzeptablen Niveau zu halten. Die privatwirtschaftlichen Unternehmen betreiben jedoch etwa 80 Prozent der kritischen Infrastrukturen in Deutschland, sodass eine Anpassungs- und Widerstandsfähigkeit im Sinne resilienter Systeme immer wichtiger wird. Resilienz ist die Fähigkeit eines Unternehmens, Risiken mit existenzbedrohender Auswirkung durch eine gute Vorbereitung (Prävention) und eine unmittelbare Steuerung im Eintrittsfall (Reaktion) zu vermeiden oder abzumildern. Somit wird Resilienz definiert als Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens, um dessen Fortbestand sicherzustellen.

Resiliente Gesellschaft

Resiliente Gesellschaft

Resiliente Gesellschaften sind in der Lage, die menschlichen, ökonomischen und ökologischen Schäden, die durch widrige Ereignisse verursacht werden, so gering wie irgend möglich zu halten. Ihr besonderes Kennzeichen ist es, dass sie auf ständig wechselnde Umwelteinflüsse dynamisch reagieren und sich an unerwartete gravierende Ereignisse anpassen können. Um das zu leisten, müssen Gesellschaften allerdings auch bestmöglich vorbereitet sein sowie unnötige Schadensereignisse durch geeignete Maßnahmen schon im Entstehen verhindern. Dialogveranstaltungen und regelmäßige Katastrophenübungen können das Bewusstsein für Resilienz in der Bevölkerung stetig fördern. Anpassungsleistungen, Copingfähigkeit und Partizipation sind demnach Ressourcen von resilienten Individuen und sozialen Gemeinschaften.

Die fünf Phasen der Resilienz

Die fünf Phasen der Resilienz

Prepare: Frühwarnsysteme dienen der kontinuierlichen Einschätzung von Risiken und der Vorbereitung auf mögliche Katastrophen.

Prevent: Wenn möglich, werden Gefahren frühzeitig erkannt und Katastrophen durch Reduzierung der Risikofaktoren effektiv verhindert.

Protect: Im Falle einer Katastrophe sind die Schutzsysteme voll funktionsfähig und minimieren die negativen Auswirkungen des Ereignisses.

Respond: Im Ernstfall setzt eine schnelle und funktionierende Katastrophenhilfe ein, die das System aufrechterhält.

Recover: Nach der Katastrophe kann sich das System erholen und ist fähig, aus den vergangenen Ereignissen zu lernen.

Resilience-by-Design

Resilience-by-Design

Vorangegangene Sicherheitskonzepte zielten darauf ab, einzelne Technologien losgelöst voneinander zu entwickeln und erst im Engineering des Endprodukts zusammenzuführen. Im Gegensatz dazu fordert der ganzheitliche Ansatz „Resilience-by-Design“, die Widerstandsfähigkeit von Systemen schon in den Designprozess zu integrieren, sodass Resilienz zur fundamentalen Grundvoraussetzung jeglicher technologischer oder gesellschaftlicher Sicherheitslösungen wird. „Resilience-by-Design“ soll helfen, dass Systeme auch bei Störungen funktionieren bzw. sich in einen sicheren Zustand zurückführen können.

 

Handlungsempfehlungen von acatech

Resilienz als ganzheitliches Konzept zur Minimierung schädlicher Auswirkungen widriger Ereignisse auf unsere Gesellschaft anwenden

Resilienz als ganzheitliches Konzept zur Minimierung schädlicher Auswirkungen widriger Ereignisse auf unsere Gesellschaft anwenden

So kann es gelingen, die Funktions-, Anpassungs-, Widerstands- und Lernfähigkeit komplexer Systeme angesichts externer oder interner Schocks nachhaltig zu erhöhen. Dazu müssen geeignete und korrespondierende Maßnahmen technologischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Art erforscht, entwickelt, ergriffen und integrativ miteinander kombiniert werden.

 

Was heißt das?

Der holistische Ansatz des a priori unklaren Konzepts Resilienz ist der zentrale Mehrwert, den die Verwendung des Begriffs der deutschen Gesellschaft langfristig bieten kann. Warum ist das so? Das Wort Resilienz läuft aufgrund seiner Begriffsgenese und der bisherigen Verwendung Gefahr, zu einem inhaltsleeren und beliebigen Schlagwort zu degenerieren, welches verschiedene Akteure je nach ihren spezifischen Interessen bewusst völlig unterschiedlich verstehen. Dieser Gefahr kann durch ein konsistentes und klares Verständnis davon, was den Kern von Resilienz ausmacht, entgegengewirkt werden. Der Kern besteht demnach darin, dass resiliente Gesellschaften in der Lage sind, die menschlichen, ökonomischen und ökologischen Schäden, die durch widrige Ereignisse verursacht werden, so gering wie irgend möglich zu halten. Sie schaffen das, indem sie sich jedweder denk- und durchführbarer Lösungen bedienen, unabhängig davon, ob es sich um Technologien, gesellschaftliche Werkzeuge wie Bildung und den Dialog auf Augenhöhe mit der Bevölkerung oder ökonomische Anreize handelt. Insbesondere das Zusammendenken der verschiedenen Lösungsmöglichkeiten und ihre zielgerichtete kombinierte Verwendung vor, während und nach einem Krisenfall machen resiliente Gesellschaften aus. Ihr besonderes Kennzeichen ist es, dass sie auf ständig wechselnde Umwelteinflüsse dynamisch reagieren und sich an unerwartete gravierende Ereignisse anpassen können. Resilienz ist insofern kein statischer Zustand, sondern eine Eigenschaft lernfähiger und beweglicher, adaptiver Systeme. Dieses Verständnis von Resilienz wird so bereits in Ländern wie den USA, Großbritannien und der Schweiz sowohl als Ausgangspunkt für Forschungsprogramme genutzt als auch in konkretem Regierungshandeln umgesetzt. Auch in Deutschland sollte dies künftig ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Metriken und Indikatoren zur Bewertung von Verwundbarkeit und Resilienz entwickeln

Metriken und Indikatoren zur Bewertung von Verwundbarkeit und Resilienz entwickeln

Nur wenn die Verwundbarkeit und die Resilienz von Gesellschaften und ihren Subsystemen in ein vernünftiges und operationalisierbares quantitatives Verhältnis gesetzt werden können, ist es möglich, umfassender als bisher systematisch nach Schwachstellen zu suchen, den Nutzen von Investitionen zu bewerten oder festzustellen, wie bestimmte Maßnahmen Resilienz beeinflussen. Die deutsche Forschung sollte sich deshalb der Herausforderung annehmen, ein nützliches Maß für Resilienz zu entwickeln.

 

Was heißt das?

Vulnerabilitäten lassen sich identifizieren, kategorisieren, messen, abbilden und miteinander vergleichen. Die Verwundbarkeit bestimmter geografischer, technologischer oder sonstiger Einheiten gegenüber spezifischen Bedrohungen wird bereits sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern wie zum Beispiel den USA erhoben. Hier besteht die Herausforderung in einer Verstetigung dieser Anstrengungen sowie der systematischen, interdisziplinären Ausweitung auf potenziell betroffene Systeme und alle Arten von Bedrohungen. Der Forschungsbedarf ist aufgrund der Komplexität der Phänomene evident. Noch deutlich schwieriger und bisher ohne gänzlich zufriedenstellende Lösung geblieben ist die Herausforderung, eine geeignete Methode zur Messung von Resilienz zu entwickeln. Die Forscher stehen einer Vielzahl an konzeptionellen Schwierigkeiten und methodischen Fallstricken gegenüber: Welche Variablen sind wie wichtig? Mithilfe welcher Indikatoren lassen sie sich operationalisieren? Kann die Resilienz verschiedener Systeme miteinander verglichen werden? Welche Dimensionen müssen integriert werden und wie können sie gewichtet werden? Sind qualitative oder quantitative, absolute oder relative Maße sinnvoll? Und wie kann Resilienz als dynamische Eigenschaft mithilfe einer Bewertung oder Messung zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll erhoben werden? Trotz der Vielzahl an offenen Fragen lohnt sich die Anstrengung. Zudem muss die Resilienzmessung kein perfektes Ergebnis produzieren. Vielmehr wird eine hinreichend differenzierende Aussage über den Grad der Resilienz zwischen verschiedenen untersuchten Einheiten angestrebt, um so besonders resiliente Systeme als Vorbilder und besonders wenig resiliente Systeme als der Hilfe bedürftig identifizieren zu können. Deshalb sollte sich die deutsche Forschungslandschaft mithilfe der entschlossenenUnterstützung der politisch Verantwortlichen und im Schulterschuss mit allen relevanten Akteuren – wie zum Beispiel den Betreibern kritischer Infrastrukturen – dieser Herausforderung annehmen.

Methoden zur Modellierung und Simulation komplexer soziotechnischer Systeme mit hoher gesellschaftlicher Relevanz entwickeln

Methoden zur Modellierung und Simulation komplexer soziotechnischer Systeme mit hoher gesellschaftlicher Relevanz entwickeln

Forschungsansätzen, die bestehende Modellierungsansätze erweitern und die Auswirkungen widriger Ereignisse speziell im Hinblick auf Kaskadeneffekte simulieren helfen, sollte in der Sicherheitsforschung größeres Gewicht eingeräumt werden. Entscheidend sind die zuverlässige Identifikation systemkritischer Knotenpunkte und Schnittstellen, deren Schädigung zu Kaskadeneffekten führt, und die Vorhersage des Potenzials zur Selbstorganisation des Systems.

 

Was heißt das?

Um die Resilienz komplexer Systeme zielgerichtet erhöhen zu können, benötigen die verantwortlichen Akteure ein detailliertes, genaues Verständnis des Verhaltens der Systeme und ihrer exakten Funktionsweise auch und gerade im Extremfall. Dafür können sie natürlich nicht auf das Eintreten externer oder interner Schocks warten. Sie müssen vielmehr bereits im Vorhinein bei der Planung des Systems sowie während des Normalzustands, wenn das System wie vorgesehen funktioniert, in der Lage sein, Extremfälle möglichst wirklichkeitsnah nachzustellen. Auf diese Weise können sie Schwachstellen erkennen, Gegenmaßnahmen planen, Fehler korrigieren und alles tun, um das System möglichst umfassend auf das Eintreten widriger Ereignisse vorzubereiten. Die Simulation und Modellierung komplexer Systeme versetzt sie genau dazu in die Lage. Es existiert schon heute eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Modellerstellung. Gerade vor dem Hintergrund der fortschreitenden Komplexitätszunahme und der größer werdenden Interdependenzen vormals unabhängiger Subsysteme werden aber weitergehende, fortschrittlichste Methoden benötigt, um das Systemverhalten auch für das Eintreten unerwarteter Ereignisse zuverlässig abbilden zu können. Daher sollte verstärkt an der Erforschung von Methoden gearbeitet werden, die nicht nur das „Durchrechnen“ vorher festgelegter Szenarien erlauben. Zukünftige Modellierungsansätze müssen das Gesamtsystem darstellen können, ohne vorher definierte Szenarien einzubeziehen. Das Ziel sind multimodale Simulationen, die in einem integrierten Ansatz technische und soziale Systeme und ihr komplexes Zusammenspiel abbilden können. Hierfür werden Investitionen in Forschung und Entwicklung benötigt, die auch im Hinblick auf eine Standardisierung und Vereinbarkeit verschiedener Modellierungsansätze getätigt werden sollten.

Resilience Engineering als eigenständiges Fachgebiet etablieren: Die Erforschung, Entwicklung und Umsetzung resilienten Designs und resilienter Konstruktionsweisen für kritische Infrastrukturen forcieren

Resilience Engineering als eigenständiges Fachgebiet etablieren: Die Erforschung, Entwicklung und Umsetzung resilienten Designs und resilienter Konstruktionsweisen für kritische Infrastrukturen forcieren

Die Infrastrukturen müssen mithilfe innovativer Technologien für das 21. Jahrhundert fit gemacht werden. Resilience Engineering bedeutet, maßgeschneiderte technologische und interdisziplinäre Methoden und Lösungen zu entwickeln, mit deren Hilfe Systeme von entscheidendem gesellschaftlichem Wert resilient gestaltet werden können.

 

Was heißt das?

Die nachhaltige und zuverlässige Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastrukturen moderner Gesellschaften ist buchstäblich überlebensnotwendig für diese. Ohne Energie,Wasser, Nahrung, Mobilität, Kommunikation usw. ist menschliches Zusammenleben nicht denkbar. Um die Funktions-, Anpassungs-, Widerstands- und Lernfähigkeit der kritischen Infrastrukturen angesichts widriger Ereignisse jedweder Art sicherzustellen und zu erhöhen, ist Resilience Engineering das Mittel der Wahl. Resilience Engineering ist die ingenieurwissenschaftlich-interdisziplinäre Erforschung und Entwicklung von Vorgehensweisen und Methoden zur Erhöhung von Widerstandsfähigkeit, Anpassbarkeit und Selbstorganisation von Systemen hohen gesellschaftlichen Werts. Dahinter verbirgt sich eine konsequente und frühzeitige Einbeziehung technologischer Lösungsansätze für Sicherheitsprobleme aller Art in jegliche Planungs- und Umsetzungsaktivitäten bedeutender gesellschaftlicher Projekte von der individuellen bis zur Gesamtsystemebene. Ziel ist es, kritische Teilfunktionen dieser Systeme im Schadensfall auch außerhalb der Standardanforderungen kontrolliert aufrecht zu erhalten und einen katastrophalen Totalausfall zu vermeiden. Es werden maßgeschneiderte technologische Lösungen zur Erhöhung der Resilienz einzelner Infrastrukturen benötigt, die gleichzeitig hinsichtlich ihrer Wirkung und ihrer Effekte auf das Gesamtsystem optimiert und durch intelligente Lösungen aus anderen Bereichen wie der Ökonomie, der Ökologie oder der Sozialwissenschaften ergänzt werden. Beispielhaft kann man an dieser Stelle auf Technologien wie selbstheilende, adaptive Werkstoffe oder durch energieautarke, automatisierte Sensornetzwerke intelligent und lernfähig gestaltete Bauwerke verweisen. Resilience Engineering ermöglicht es zudem, die Entstehung nicht kompatibler Insellösungen zu vermeiden. Der ganzheitliche Aspekt von Resilienz kommt hier insofern zum Tragen, als Technologien künftig sowohl untereinander als auch nach außen anschlussfähig für weitere Lösungsmöglichkeiten sein müssen. Dieses neuartige Verständnis der Rolle der Ingenieurwissenschaften, wenn es um die Sicherstellung und Erhöhung der Resilienz der Gesellschaft und insbesondere deren kritischer Infrastrukturen geht, sollte in den nächsten Jahren auch in Deutschland verstärkt Einzug in das nationale Sicherheitsforschungsprogramm halten und sich insbesondere in den sicherheitsrelevanten Strategien der deutschen Bundesregierung wie zum Beispiel dem nationalen Plan zum Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) wiederfinden.

 

Strategien zur nachhaltigen Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger angesichts widriger Ereignisse entwickeln und umsetzen

Strategien zur nachhaltigen Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger angesichts widriger Ereignisse entwickeln und umsetzen

In einem Dialog auf Augenhöhe und mithilfe der Schaffung weitreichender Möglichkeiten zur Partizipation auf verschiedenen, dezentralen Ebenen sollte die Bevölkerung aktiv an der Gestaltung resilienter Gesellschaften beteiligt werden. Vorsorge vor und Akzeptanz von Risiken kann von staatlicher Seite unterstützt werden, etwa durch Lehrinhalte an Schulen, durch Stärken des freiwilligen Engagements in Feuerwehren, bei DRK, THW und vielen weiteren Rettungsorganisationen oder durch weitere konkrete Maßnahmen.

 

Was heißt das?

Der erste Schritt dazu ist die Schaffung eines verantwortungsvollen Bewusstseins dafür, was alles passieren könnte. Nur wer mit dem Eintreten widriger Ereignisse rechnet, kann sich mental und durch Handeln darauf vorbereiten und wird so in die Lage versetzt, den Schock möglichst unbeschadet zu überstehen. Ein derartiges Bewusstsein zu schaffen und effizient Katastrophenschutz und -vorsorge zu betreiben, erfordert beispielsweise regelmäßige Notfall- und Katastrophenübungen. So werden Routinen eingeübt und Selbstverständlichkeiten aufgebaut, die im Krisenfall Leben retten können. Regelmäßige Übungen für den Ernstfall schaffen zudem die Überzeugung – und damit ein Stück weit die Fähigkeit selbst – gegenüber Katastrophen aller Art gerüstet und gut vorbereitet zu sein. In Deutschland engagieren sich bereits heute sehr viele Menschen freiwillig bei Feuerwehren und Rettungsorganisationen. Dieses Potenzial gilt es zu erhalten und weiter auszubauen sowie bei der Schaffung eines Bewusstseins für Katastrophen in der gesamten Bevölkerung zu nutzen. Ein weiterer Weg, der künftig verstärkt beschritten werden sollte, ist die Einbindung entsprechender Lerninhalte in Schulunterricht und Weiterbildungsangebote. Die Fokussierung auf Bildung und Ausbildung von Menschen zur Erhöhung ihrer Resilienz ist ein sehr wichtiger Aspekt auf dem Weg hin zu resilienteren Gesellschaften. Dabei muss eine Überfrachtung, die zur Gleichgültigkeit gegenüber Gefahren führt, genauso vermieden werden wie eine dauerhafte Verunsicherung aufgrund der unüberschaubaren Risiken. Mithilfe der Integration verschiedener Methoden zur Stärkung der Eigenverantwortlichkeit der Bürger soll es langfristig gelingen, neben der Befähigung Einzelner auch Sozialkapital und sozialen Zusammenhalt auf nachbarschaftlicher, lokaler Ebene zu stärken. Denn diese Faktoren können bei Eintreten eines widrigen Ereignisses einen großen Einfluss darauf haben, wie gut die jeweilige geografische Einheit den entsprechenden Schock übersteht. Insofern sollten zukünftig Forschungsanstrengungen wie auch Umsetzungsbemühungen, welche die Eigenverantwortlichkeit der Bürgerinnen und Bürger stärken, auf verschiedenen Ebenen forciert werden.

Den langfristigen Mehrwert von Resilienz für Gesellschaften aufzeigen

Den langfristigen Mehrwert von Resilienz für Gesellschaften aufzeigen

Es bedarf einer Erweiterung der Perspektive, weg von einer kurzfristigen und kurzsichtigen Nutzenoptimierung, hin zu strategischem und nachhaltigem Denken und Handeln. Dazu müssen künftige Forschungsansätze ökonomische Aspekte von Anfang an mitdenken. So können sie aufzeigen, dass sich Investitionen in Resilienz lohnen. Damit wird aus dem vermeintlichen Kostenträger Resilienz ein Business Case.

 

Was heißt das?

Gesellschaften, deren Wirtschaftssystem marktwirtschaftlich organisiert ist, nutzen für Entscheidungen über Investitionen grundsätzlich eine mehr oder weniger ausgeklügelte Kosten-Nutzen-Rechnung. Staatliche Investitionsentscheidungen sind von dieser Logik teilweise ausgenommen, da ihnen häufig kein direkter Nutzenzuwachs in Form von monetärem Benefit entgegensteht. Nichtsdestotrotz versucht auch der Staat mit dem Einsatz seiner knappen Mittel ein bestmögliches Ergebnis im Rahmen der zuvor definierten Anforderungen zu erreichen. Die Mittel sollen möglichst effizient und effektiv genutzt werden. Entscheidend ist die Bewertungsgrundlage, anhand derer darüber befunden werden soll, ob der Mitteleinsatz effizient und effektiv ist. Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz einer Gesellschaft kosten Geld, von benötigten Investitionen in Forschung und Entwicklung, über den zusätzlichen Aufwand für resiliente Konstruktionsweisen kritischer Infrastrukturen bis hin zu Kosten für die Implementation des Konzepts in Lerninhalte an Schulen. Trotzdem ist Resilienz kein „kostspieliges Addon“, kein verzichtbarer Luxus, sondern vielmehr Grundvoraussetzung für die Nachhaltigkeit von Investitionen. Denn in Anbetracht der immer größer werdenden Herausforderungen, denen sich unsere Gesellschaften gegenübersehen, sind Systeme, die bei der ersten kleinen Störung zusammenbrechen, weil sie unter der Maßgabe der bedingungslosen Kostenreduktion gestaltet wurden, kein langfristig tragbares Modell. Die durch Resilienz im ersten Moment entstehenden Mehrkosten lohnen sich in einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Betrachtungsweise gleich in mehrfacher Hinsicht: zum einen durch die Vermeidung menschlichen Leids im Falle des Eintretens widriger Ereignisse, zum anderen aber auch finanziell. Einer Untersuchung des Multi- Hazard Mitigation Council zufolge verhindert jeder Dollar, der in Maßnahmen zur Mitigation im Vorfeld von Erdbeben, Fluten und Stürmen investiert wird, im Nachhinein Schäden von ungefähr vier Dollar.11 Dafür ist es selbstverständlich erforderlich, genau zu wissen, wo sich welche Investitionen wie sehr lohnen. Zukünftige Forschungsanstrengungen zur Erhöhung der gesellschaftlichen Resilienz sollten deshalb ökonomische Aspekte von Anfang an mitberücksichtigen.

 

Anreize für Unternehmen schaffen, ihre Resilienz zu erhöhen

Anreize für Unternehmen schaffen, ihre Resilienz zu erhöhen

Es sollte darüber nachgedacht werden, ein standardisiertes Resilienz-Monitoring einzuführen, welches von öffentlicher Seite begleitet und gegebenenfalls koordiniert wird, um gesellschaftlich relevante Unternehmen, die nachweislich ihre Resilienz steigern, in geeigneter Form zu intensivieren und diejenigen gesellschaftlich relevanten Unternehmen, die dem Aufbau von Resilienz nicht nachkommen, durch erhöhte Versicherungsprämien, Zusatzabgaben oder Ähnliches zu beeinflussen.

 

Was heißt das?

Unternehmen versuchen grundsätzlich, durch ihre Geschäftstätigkeit ihren Gewinn zu maximieren. Dazu benötigen sie einen möglichst störungsfreien und reibungslosen Ablauf ihrer Geschäfte. Deshalb betreiben die meisten Unternehmen zumindest implizit Risikovorsorge, das heißt sie wappnen sich durch geeignete Gegenmaßnahmen für den Fall des Eintretens bestimmter widriger Ereignisse. Entscheidend sind dabei die vermutete Schadenshöhe sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit. Resilienz bezieht sich im unternehmerischen Kontext auch auf die Ereignisse, deren Eintreten unerwartet, demzufolge sehr unwahrscheinlich ist. Obwohl die Schadenshöhe zum Beispiel bei Naturkatastrophen enorm sein kann, sind nur die wenigsten Unternehmen auf derartige Risiken vorbereitet. Die geringe Eintrittswahrscheinlichkeit macht Investitionen scheinbar unrentabel. Daher sollte künftig nach Wegen gesucht werden, die Unternehmen dabei helfen, resilienter angesichts unwahrscheinlicher, aber gravierender widriger Ereignisse zu werden. Eine erfolgversprechende Maßnahme kann die Einführung von Versicherungspflichten gegenüber widrigen Ereignissen sein, wobei jene auch veranlasst werden müssen, derartige Versicherungen anzubieten. Daneben bietet sich eine Überwachung der von Unternehmen getätigten Schritte hin zu mehr Resilienz von staatlicher Seite an. Dazu bedarf es Regularien darüber, was Unternehmen tun müssen, um resilienter zu werden, zum Beispiel die Durchführung von Notfall- und Krisenübungen oder die Einrichtung gewisser Redundanzen und Puffer im Geschäftsablauf. Die Einhaltung oder Nichtbeachtung dieser Regularien kann dann von staatlicher Seite entsprechend belohnt oder sanktioniert werden. Wie das auf effektive Weise gelingen kann, ohne die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu gefährden, ist eine Frage, zu deren Beantwortung noch einige Anstrengungen unternommen werden müssen.

 

Meldepflichten im Sinne eines Frühwarnsystems einführen

Meldepflichten im Sinne eines Frühwarnsystems einführen

Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit des Eintretens gravierender widriger Ereignisse, treten diese faktisch auf. Daher sollte ein nationales Frühwarnsystem eingeführt werden, welches mit einer auf Branchen zugeschnittenen Meldepflicht (zum Beispiel durch branchenspezifische Meldekriterien) verbunden ist, die Unternehmen vorschreibt, sicherheitskritische Ereignisse zu melden.


Was heißt das?

Die meisten Unternehmen rechnen im normalen Tagesgeschäft nicht mit dem plötzlichen Eintreten schwerer Schocks. Daher mangelt es vielen von ihnen an einem entsprechenden Gefahrenbewusstsein. Meldepflichten für bestimmte Vorfälle können diese Art Bewusstsein stimulieren. In diesem Sinne können sie als Frühwarnsystem dienen und so zu einer deutlich stärkeren Prävention beitragen. Die zu erwartenden Befürchtungen von Unternehmen, durch derartige Meldepflichten unter Umständen an einem öffentlichen Pranger zu stehen und in ihrer Geschäftstätigkeit geschädigt zu werden, müssen dabei ernst genommen und durch eine entsprechende Ausgestaltung der Meldepflichten entkräftet werden. Außerdem muss vor der Einführung derartiger Regelungen intensiv untersucht werden, für welche Ereignisse und Branchen diese implementiert werden sollen und welche Informationen an wen gemeldet werden müssen. Die Pflichten sollten sich nur an solche Unternehmen richten, für die ein teilweiser oder gänzlicher Zusammenbruch ihrer Geschäftstätigkeit gravierende negative Auswirkungen auf die lokale, regionale oder nationale Wirtschaft haben könnte. Derartige Meldepflichten scheinen zudem gerade für die zunehmende Bedrohung durch Cyber-Kriminalität besonders sinnvoll, da sie dort die Aufmerksamkeit für bevorstehende oder wahrscheinliche Attacken erhöhen sowie eine zielgerichtete Bekämpfung erlauben. Selbstverständlich gilt es auch hier, mithilfe eines durchdachten Systems mögliche Reputationsschäden und sonstige Benachteiligungen für die betroffenen Unternehmen von vorneherein auszuschließen.

Eine nationale Resilienzstrategie entwickeln

Eine nationale Resilienzstrategie entwickeln

Es wird eine übergreifende Vision für resiliente Gesellschaften im größeren Kontext der nachhaltigen Entwicklung benötigt. Resilienz als holistisches Konzept kann nicht per Gesetz verordnet werden. Eine nationale Resilienzstrategie kann aber den Grundstein legen, den vielfältigen Herausforderungen der immer komplexer werdenden, hochtechnisierten Welt mit einem konsistenten und umfassenden Ansatz zu begegnen und davon ausgehend maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Probleme zu entwickeln.

 

Was heißt das?

Das ganzheitliche Konzept Resilienz kann seinen vollen Nutzen für die Gesellschaft nur dann entfalten, wenn es auch auf der politischen Ebene angenommen und als notwendig erkannte Maßnahme entschlossen unterstützt wird. Dazu bedarf es in einem ersten Schritt der einer nationalen Resilienzstrategie. Durch eine solche Strategie wird deutlich, dass Regierung und verantwortliche Behörden die Erhöhung der Resilienz der Gesellschaft und ihrer relevanten Subsysteme als unabdingbar für deren Zukunftsfähigkeit erkannt haben. Sie kann zugleich Ausgangspunkt für konkrete Pläne zur Umsetzung resilienzerhöhender Maßnahmen sein, zum Beispiel im Bereich der kritischen Infrastrukturen. Dazu gehört auch eine ständige Überprüfung der einzelnen Bereiche der Regierung, wie zum Beispiel nachgeordneter Katastrophenschutzbehörden, im Hinblick darauf, ob sie Resilienz in angemessener Weise als Organisationsprinzip in ihre Arbeit aufnehmen und zur Umsetzung hinreichend stark mit anderen verantwortlichen Stellen kooperieren können. Vor allen Dingen in der anwendungs- und lösungsorientierten Sicherheitsforschung kann Resilienz als zugrunde liegende Handlungsmaxime die Basis aller künftigen Forschungsanstrengungen bilden. Damit lassen sich innovative Ideen und Ansätze schneller und besser identifizieren, Forschungslücken aufdecken und ein möglicher Mehrwert, den einzelne Lösungen zur ganzheitlichen Resilienz der Gesellschaft beitragen, zuverlässig bewerten. Die Handlungsempfehlungen 2 bis 8 sind insofern vor diesem Hintergrund als die Themen und Bereiche zu verstehen, in denen durch eine Intensivierung der Bemühungen in Forschung und Entwicklung Deutschland und Europa insgesamt resilienter gestaltet werden können.

Resilienz als Schlüsselkomponente nachhaltiger Entwicklung etablieren

Resilienz als Schlüsselkomponente nachhaltiger Entwicklung etablieren

Nachhaltigkeit bedeutet, das menschliche Zusammenleben so zu gestalten, dass es den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dazu müssen Gesellschaften überlebensfähig angesichts großer Herausforderungen sein. Überlebensfähigkeit setzt Funktions-, Anpassungs-, Widerstands- und Lernfähigkeit voraus. Genau das ist das charakteristische Wesensmerkmal resilienter Systeme. Das Konzept Resilienz schlägt also eine Brücke zwischen Sicherheits- und Nachhaltigkeitsforschung.

 

Was heißt das?

Nachhaltigkeit ist im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte zu einem der wichtigsten politischen Leitmotive weltweit geworden. Das gilt in sogar noch größerem Maße für Deutschland, wo beispielsweise durch die Idee der Energiewende ein Kernbestandteil nachhaltiger Entwicklung bereits in der Praxis umgesetzt werden soll. Nachhaltigkeit bedeutet aber weit mehr als nur die Umstellung der Energieversorgung einer Gesellschaft von fossilen Energieträgern auf regenerative Gewinnung. Die Vereinten Nationen etwa definieren sieben Schlüsselkomponenten nachhaltiger Entwicklung und sind so in der Lage, die drei entscheidenden Dimensionen des Konzepts mit Inhalt zu füllen. Nachhaltig ist eine Entwicklung dann, wenn sie sowohl ökologisch und ökonomisch als auch sozial sinnvoll für die lebende und für zukünftige Generationen ist. Dieser Ansatz wird als Drei- Säulen-Modell der Nachhaltigkeit bezeichnet. Die sieben Schlüsselkomponenten nachhaltiger Entwicklung sind dann folgerichtig faire Beschäftigung, nachhaltige Energieversorgung, Nahrungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft, eine nachhaltige Stadtentwicklung, sichere Wasserversorgung, ein nachhaltiger Umgang mit den Ozeanen und die resiliente Gesellschaft. Jede dieser Schlüsselkomponenten bedarf für sich noch einer weiteren Spezifizierung, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen zur Erhöhung der Nachhaltigkeit von Gesellschaften abzuleiten. Klar ist aber, dass nur durch eine intensive und insgesamt gleichrangige Beachtung der sieben Schlüsselkomponenten die Entwicklung der Welt nachhaltig gestaltet werden kann. Resilienz bedeutet in diesem Kontext das Vermögen, die Funktions-, Anpassungs-, Widerstands- und Lernfähigkeit angesichts elementarer Veränderungsprozesse bei gleichzeitig auftretenden gravierenden Schadensereignissen zu wahren. Das wiederum ist für Nachhaltigkeit im Sinne der Zukunftsfähigkeit menschlicher Gesellschaften überlebensnotwendig. Ergo kann Nachhaltigkeit nur gelingen, wenn sie Resilienz mitdenkt. Sowohl Sicherheits- als auch Nachhaltigkeitsforschung sollten daher Resilienz als Teil ihrer Programmatik begreifen und entsprechende Forschungsaktivitäten hervorbringen.