Fit gegen Feuer – was brennt in der Stadt?
München, 24. September 2025
Neue Mobilitäts- und Stadtkonzepte verändern Verkehrswege und die Bebauung im öffentlichen Raum. Gleichzeitig bergen diese Veränderungen aber auch neue Gefahrenpotenziale in Form von vielen elektrischen Ladestationen in der Nähe von Häusern oder Elektrofahrzeugen in Kellern und Tiefgaragen. Hinzu kommen Wasserstofftanks und -tankstellen, die auf Holzhäuser, begrünte Dächer und Wärmedämmung treffen: Mit immer mehr Installationen entstehen zusätzliche Brandlasten. Bei acatech am Dienstag am 16. September beantworteten Fachleute Fragen zu den Herausforderungen, die diese wachsende Installationsdichte mit sich bringt – und wie ihnen zu begegnen ist.
In ihrer Einführung zeigte acatech Mitglied Katharina Kohse-Höinghaus (Universität Bielefeld) am Beispiel großer Brandkatastrophen aus der Vergangenheit, wie sich der Brandschutz im Laufe der Jahre verbessert hat: So zahlen neue Bauweisen und Vorschriften – beispielweise zu Mindestabständen von Häusern – auf Brandschutz und Brandvermeidung ein.
Systematisch gegen Gefahren von Flüssen und Feuer
Zu Entwicklungen in der Kommunalplanung und Vorsorge, berichtete die Bürgermeisterin der Stadt Koblenz, Ulrike Mohrs. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der beiden durch die Stadt fließenden Flüsse Rhein und Mosel hat die Stadt auf ein Drei-Wachen-System umgestellt. Damit sei gewährleistet, dass die Feuerwehr bei Bedarf schnell am Einsatzort sei. Eine verbessere Ausstattung und regelmäßige Fortbildungen halten die Feuerwehr auf dem neuesten Stand, so Ulrike Mohrs. Ein zentraler Punkt sei eine gute Vernetzung und der Austausch mit anderen Berufsfeuerwehren. Stadt- und Verkehrsplaner Klaus Beckmann (KJB.Kom und acatech Mitglied) bestätigte die Bedeutung von Kooperationen, Informationsaustausch und gegenseitigem Vertrauen. Leider fehle in vielen Städten noch immer das Verständnis für die Problemstellung und damit auch eine bewusste Stadtplanung hinsichtlich Explosions- und Brandlasten.
Thomas Jordan (Institut für Thermische Energietechnik und Sicherheit ITES, Karlsruher Institut für Technologie KIT, Energiesysteme der Zukunft ESYS) sprach in seinem Impulsvortrag über Sicherheit im Zusammenhang mit Wasserstoff. Wasserstoff ist ein Brenngas und Treibstoff. Verglichen mit anderen Energieträgern biete er viele sicherheitstechnische Vorteile. Brenne Wasserstoff, sei dies unkritisch. Erst eine Explosion bedeute besonders in städtischen Bereichen mit enger Bebauung eine Gefahr. Das Wissen über den Umgang mit Wasserstoff bei Unfällen mache die Gefahr jedoch beherrschbar, sodass sich die Systeme sicher und wirtschaftlich konzipieren und betreiben lassen.
Aufmerksame Nutzung entscheidet über Brandrisiken beim Holzbau
Stefan Winter (Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion an der TU München und acatech Plattform Bauen & Wohnen) sprach in seinem Impulsvortrag über Holzbau, Baukonstruktion und die veränderten Brandlasten im Städtebau. Es gebe mehrere Gründe, Holz zu verbauen: Es ist gut zu verarbeiten und bindet beim Wachsen CO2 aus der Atmosphäre. Das mache den Holzbau zu einer einzigartigen und preiswerten Möglichkeit, CO2 zu reduzieren. Vorausgesetzt, das Holz stammt aus nachwachsenden Wäldern und wird langfristig verbaut. Der Holzbau führe zu keinem erhöhten Brandrisiko in den Städten. Vielmehr entstehe die Brandlast aus der Nutzung und das Brandentstehungsrisiko aus dem leichtfertigen Umgang – beispielsweise beim Anschluss von Vielfachsteckdosen an einer einzigen Steckdose, erklärte Stefan Winter.
Können mehr Daten schützen?
Das anschließende Podiumsgespräch der Fachleute deckte weitere kritische Brandorte auf: Tunnelsysteme, Tiefgaragen und Parkhäuser. Motorisierte Fahrzeuge können hier zu erheblichen Brandlasten durch intensive Brandszenarien führen. Dies verursache große Herausforderungen bei der Bekämpfung. Die komplexe bauliche Struktur, eingeschränkte Fluchtwege sowie die Rauchentwicklung beeinträchtigen Evakuierungsprozesse und die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehr. Mehr verfügbare Daten zu Brandlasten in Städten könnten die Arbeit der Feuerwehr erleichtern, merkte ein Feuerwehmann aus dem Publikum an. Klaus Beckmann sprach sich in diesem Zusammenhang für Brandlastenpläne für die Städte aus.





