Innovationen für die Verteidigung
München, 1. Dezember 2025
In Zeiten gesellschaftlicher und politischer Turbulenzen gewinnen Sicherheit und Verteidigung an Bedeutung. Deutschland erhöht seine Investitionen, um Risiken zu mindern. Wer aber entwickelt Technologien, Produkte und Dienstleistungen, um Gefahren frühzeitig zu erkennen, ihnen entgegenzuwirken und Folgeschäden zu minimieren? Welche Rolle spielt die Forschung, deren Ergebnisse sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind (Dual Use)? Wie unterscheiden sich zivile und militärische Innovationssysteme? Der Innovationsforscher Michael Lauster beleuchtete diese Fragen bei acatech am Dienstag am 25.11. anhand konkreter Beispiele. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit vhs.wissen-live statt.
Michael Lauster, acatech Mitglied und ehemaliger Leiter des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen, erklärte in seinem Vortrag, warum künftige Kriege im digitalen Raum beginnen und wie Künstliche Intelligenz und Quantentechnologien das Verteidigungsdenken verändern.
Der Vortrag von Michael Lauster ist hier in einer Aufzeichnung zu sehen:
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ausblick auf militärische Technologien
Michael Lauster zeigte sich überzeugt, dass technologische Entwicklungen, die sich bereits heute abzeichnen, die Kriegsführung in den kommenden Jahrzehnten revolutionieren werden. Als besonders einflussreich sieht der Forscher Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Quantentechnologien sowie Human Performance Enhancement, also Technologien, die Körper und Geist von Soldaten leistungsfähiger machen sollen.
Digitalisierung: Ein zentrales Zukunftsbild ist der digitale Zwilling des Gefechtsfeldes: Soldaten senden kontinuierlich Daten in die Cloud, sodass Kommandeure Entscheidungen in Echtzeit treffen können. Tarnung, Bandbreite und Cybersicherheit stellen allerdings noch große technische Hürden dar.
Künstliche Intelligenz (KI) kann u.a. beim Problem der begrenzten Bandbreite im vernetzten Gefechtsfeld helfen, indem sie Daten filtert und nur Relevantes weiterleitet. Intelligente Sensoren könnten Informationen bereits vor Ort verarbeiten und so die Datenflut eindämmen. Ein ungelöstes Problem ist der enorme Energiebedarf moderner KI-Systeme.
Autonome Waffensysteme: Michael Lauster warnte vor einem ethischen Dilemma: Je mehr Entscheidungen autonome Systeme treffen, desto weniger Zeit bleibt dem Menschen zur Prüfung. Im militärischen OODA-Zyklus (Observe, Orient, Decide, Act) kann KI einen enormen Geschwindigkeitsvorteil bieten – gleichzeitig droht eine Verschiebung der Verantwortung. Bereits in der Entwicklung müssen kontrollierbare ethische Grenzen eingebaut werden.
Quantentechnologien: Quantentechnologien bieten enorme Chancen und große Risiken. Beispiel Kryptografie: Michael Lauster wies auf das Prinzip „Collect now, decrypt later“ hin: Daten werden heute abgefangen und gespeichert, um sie später mit Quantencomputern zu entschlüsseln. Wir müssen uns schon jetzt auf Verschlüsselungsverfahren vorbereiten, die auch Quantenangriffen standhalten.
Human Performance Enhancement: Um mit immer schnelleren Systemen Schritt zu halten, diskutiert man die Anpassung des menschlichen Körpers: „Anbauen“ umfasst dabei technische Erweiterungen, die der Mensch tragen kann. „Einbauen“ bezieht sich auf Technik, die direkt in den Körper gelangt – etwa durch Implantate oder auch Medikamente. „Umbauen“ schließlich betrifft Veränderungen des menschlichen Genoms. Mit der fortschreitenden Technisierung entstehen drängende ethische Fragen und moralische Dilemmata: Man will ethisch handeln, muss aber auch die genannten technischen Möglichkeiten verstehen – auch um reagieren zu können, wenn andere Akteure diese einsetzen.


