CAETS 2025: Technikwissenschaften im Dialog der Generationen
Brisbane, 13. Oktober 2025
Vom 8. bis 11. September 2025 kamen in Brisbane, Australien, Vertreterinnen und Vertreter internationaler Akademien, wissenschaftlicher Institutionen und Think Tanks, global agierender Unternehmen sowie aus Politik und Gesellschaft zur Jahresveranstaltung des International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS) zusammen. Neben dem öffentlichen Symposium, das den internationalen Austausch zu aktuellen Themen der Technik- und Ingenieurwissenschaften förderte, nutzten die Delegierten der Mitgliedsakademien die Gelegenheit, die turnusmäßigen Gremien- und Arbeitsgruppensitzungen abzuhalten.
Fachsymposium in Brisbane: Technikwissenschaften gestalten eine nachhaltige Zukunft über Generationen hinweg
Unter dem Leitthema „Generations – Shaping a Sustainable Future over the Next 50 Years“ stand am 10. September 2025 beim Fachsymposium der CAETS-Jahresveranstaltung die Frage im Mittelpunkt, wie technikwissenschaftliche Innovationen zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft über Generationen hinweg beitragen können.
Gastgeberin war die Australian Academy of Technological Sciences and Engineering (ATSE), die in diesem Jahr die Präsidentschaft des International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences innehatte. In ihrer Eröffnungsansprache betonte die Gastgeberin die Bedeutung nachhaltigen Handelns – auch durch die Anerkennung der Turrbal- und Jagera-Völker als traditionelle Hüter des Landes Meanjin (Brisbane). Diese Geste stand sinnbildlich für einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen und für eine Wissenschaft, die gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt – ein Anliegen, das acatech ausdrücklich teilt.
Zum Abschluss des Symposiums wurde die CAETS-Präsidentschaft für das Jahr 2026 symbolisch an acatech übergeben, die im kommenden Jahr Gastgeberin der internationalen Jahresveranstaltung sein wird.

Vertrauen in Wissenschaft und globale Verantwortung
Beim CAETS Presidents’ Meeting am 9. September 2025 diskutierten die Präsidentinnen und Präsidenten der Technikwissenschaftsakademien aus Australien, Deutschland, China, Indien, Korea, Nigeria, den USA und der ASEAN-Pacific-Region zwei zentrale Themen:
- „Trust in Science“ – Impuls von Katherine Woodthorpe, Präsidentin der Australian Academy of Technological Sciences and Engineering (ATSE)
- „Science in a Geopolitical Storm“– Impuls von Frank Behrendt, acatech Mitglied und CAETS President Elect 2025
Trust in Science
Katherine Woodthorpe betonte, dass globale Herausforderungen nur durch internationale Zusammenarbeit zu bewältigen sind. Dafür müsse die Gesellschaft stärker für gemeinsame Lösungen sensibilisiert und die junge Generation frühzeitig einbezogen werden. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Akademien weltweit ähnliche Ziele verfolgen, sie aber unterschiedlich umsetzen: China hob die Bedeutung gemeinsamer Publikationen hervor, die USA warben für mehr Sichtbarkeit der Ingenieurwissenschaften, und die ASEAN-Pacific-Region mahnte angesichts von Desinformation zu einer verständlichen Wissenschaftskommunikation. Indien, Korea und Nigeria stellten Initiativen zu verantwortungsbewusstem Handeln, diversifizierter Forschungspolitik und Kapazitätsaufbau vor. Deutschland betonte, dass Wissenschaft nicht in Beton gegossen sei, sondern sich stetig weiterentwickle – ein Prozess, der offen vermittelt werden müsse. CAETS könne helfen, dieses Verständnis weltweit zu stärken und Vertrauen in Wissenschaft zu fördern.

Wissenschaft in einer geopolitischen Weltlage
Im zweiten Themenblock sprach Frank Behrendt für acatech über die Rolle der Wissenschaft in einer zunehmend geopolitisch geprägten Welt. Er hob hervor, dass wissenschaftliche Freiheit eine Grundvoraussetzung internationaler Kooperation ist – zugleich aber in vielen Ländern eingeschränkt wird. Globale Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden. Dafür sei interkulturelle Kompetenz ebenso entscheidend wie langfristiges Denken, wie es etwa in Asien traditionell stärker verankert ist. Zugleich verwies er auf wachsende Hürden im wissenschaftlichen Austausch auf der Mikroebene, etwa durch Visa-Beschränkungen, die den internationalen Austausch von Forschenden erschweren. CAETS könne hier ein wichtiger Akteur sein – als Plattform für den Dialog zwischen Science Diplomacy, Forschung und Gesellschaft, um Vertrauen über Grenzen hinweg aufzubauen. In der Diskussion wurde vorgeschlagen, das Thema Science Diplomacy bei einem zukünftigen Presidents’ Meeting zu vertiefen und die Zusammenarbeit mit der Euro-CASE-Initiative auszubauen.
Technikwissenschaften als Brücke zwischen Generationen
Das Konferenzmotto „Generations“ spiegelte sich auch in der gezielten Nachwuchsförderung wider. Beim Event Connections@CAETS, das von ATSE, der Deutschen Botschaft in Australien und acatech organisiert wurde und durch Frank Behrendt eröffnet wurde, gaben Präsidentinnen und Präsidenten internationaler Akademien sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in kurzen Impulsen Einblicke in ihre Karrierewege. Junge Forschende konnten Fragen stellen und sich direkt austauschen.
acatech: Event Connections@CAETS – organisiert von ATSE, der Deutschen Botschaft in Australien und acatech
acatech: Frank Behrendt eröffnet Connections@CAETSCAETS Kommunikationspreis
Darüber hinaus wurde der CAETS Kommunikationspreis verliehen – eine Auszeichnung für innovative Beiträge, die technikwissenschaftliche Themen verständlich und ansprechend vermitteln. Der Preis ging an das Solar Car Project der Tshwane University of Technology (TUT). Das Studierendenteam überzeugte mit einer eindrucksvollen Darstellung, wie Ingenieurwissenschaften nachhaltige Mobilität fördern können. Mit seinem selbst entwickelten Solarauto verbindet das Projekt technologische Innovation und anschauliche Wissenschaftskommunikation – ein Beispiel dafür, wie Technik junge Menschen begeistert und gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.
Strategische Beschlüsse und Vorbereitung auf München 2026
Im Rahmen der Gremiensitzungen wurden wichtige strategische Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Die Mitgliedsbeiträge der Akademien sollen bis 2027 schrittweise angepasst werden, um die finanzielle Basis des Netzwerks langfristig zu sichern. Zudem wurde die Aufnahme neuer, insbesondere junger Akademien beschlossen, um den internationalen Austausch weiter zu stärken. Der Rotationsplan für die jährlichen CAETS-Konferenzen wurde aktualisiert: 2026 wird die Jahreskonferenz von acatech in München ausgerichtet, 2027 folgt die Netherlands Academy of Engineering (NAE), und 2028 übernimmt die National Academy of Engineering der USA.

Frank Behrendt stellte Details für die CAETS Annual Conference 2026 in München vor. Unter dem Arbeitstitel „Earth Observation: Monitoring – Comprehension – Change“ wird sie sich mit den Möglichkeiten der Technikwissenschaften zur Beobachtung und Bewertung globaler Veränderungen befassen.

Bilaterale Gespräche
Am Rande der Jahresveranstaltung fanden zudem bilaterale Gespräche mit mehreren Akademien statt – darunter Australien, die Niederlande, Indien, China, Japan und Slowenien. Mit Australien und den Niederlanden stand der Austausch über die Organisation der CAETS-Jahreskonferenzen sowie über Rahmenbedingungen und Erfahrungen im Mittelpunkt. Mit Japan wurde das gemeinsame JAGFOE-Projekt (Japan-Germany Frontiers of Engineering) fortgeführt, während die Gespräche mit Indien mögliche Kooperationen zu Themen wie Solarenergie und Kernfusion in Form eines gemeinsamen Workshops sondierten.

Weitere Informationen:
Hintergrund
Das International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS) ist ein globales Netzwerk von über 30 nationalen Akademien der Technikwissenschaften, gegründet 1978. CAETS fördert die Zusammenarbeit in technologischen Zukunftsfragen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.


