From a Distance: Internationale Konferenz der technikwissenschaftlichen Akademien
München, 15. September 2026
Vom 14. bis 17. September unternahm der internationale technikwissenschaftliche Dialog einen Perspektivwechsel: Unter dem Leitthema „From a Distance – Earth Observation for Monitoring, Comprehension, and Change“ begrüßte acatech als gastgebende Akademie technikwissenschaftliche Akademien aller Kontinente zur Jahreskonferenz des Akademienverbundes CAETS. Vier Tage lang stand die Landeshauptstadt München im Zeichen internationaler technikwissenschaftlicher Debatten zu Themen wie Klimawandel, Schutz vor Naturkatastrophen, Sicherheit und Resilienz.
Der Sommer 2026 zeigte fortschreitenden Klima- und Umweltveränderungen, die Menschen in allen Erdteilen betreffen. Gleichzeitig erschweren geopolitische Entwicklungen und Konflikte ein gemeinsames Handeln. Die Jahreskonferenz des International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS) setzte diesem Spannungsverhältnis einen geschützten Raum für Dialog, Wissensaustausch und vertiefte Kooperation entgegen.
Erdbeobachtung: technologische Innovationen für Sicherheit und Resilienz
Technologische Innovationen aus den Bereichen Satellitentechnologie, weltraumgestützte Datenanalyse und Erdbeobachtung eröffnen neue Handlungsspielräume. Sie helfen, Landnutzung und Ernährungssicherheit zu optimieren, Naturkatastrophen zu vermeiden aber auch Sicherheit in geopolitischen Spannungslagen zu gewährleisten. Die Delegierten der Mitgliedsakademien, wissenschaftliche Institutionen, Think Tanks, Unternehmen sowie Politik und Gesellschaft diskutierten resultierende Chancen aber auch Sicherheitsfragen.
Mehrere Foren erörterten Einsatzmöglichkeiten technologischer Innovationen aus dem Bereich der Erdbeobachtung und setzten sie in den Kontext global übergreifender Themen wie Sicherheit, Verteidigung und Resilienz. Das Anwendungsspektrum reicht von der Frühwarnung vor Naturgefahren über die Schadensbeseitigung bis hin zur weltraumgestützten Bodenüberwachung für nachhaltige Landbewirtschaftung und eine resiliente Lebensmittelversorgung.
Darüber hinaus zeichnete der jährlich vergebene CAETS Communication Prize das beste Video aus, das technikwissenschaftliche Themen verständlich, fundiert und nachvollziehbar vermittelt.
acatech begrüßt die internationale technikwissenschaftliche Exzellenz in München
Academy Leadership Meeting

Orientierung, Vertrauen, Leadership: Mit diesen drei Merkmalen umschrieb acatech Präsidentin Claudia Eckert die Rolle und die Aufgabe der technikwissenschaftlichen Akademien weltweit. Diese schaffen Orientierung für Politik und Gesellschaft durch wissenschaftsbasierte Analysen und Handlungsoptionen zu den Technologiefragen unserer Zeit. Sie stiften Vertrauen durch wissenschaftliche Neutralität und durch Kooperation, die Innovationen wachsen lässt. Und sie machen einen Unterschied – jede Akademie für sich in ihrem Land und gemeinsam in internationaler Kooperation.
Frank Behrendt hob die Bedeutung des Akademienverbundes CAETS und seiner Jahreskonferenz hervor: Sie schaffe einen geschützten Raum dafür, wie Akademien in ihren Ländern in technologischen Zukunftsfragen beraten und unterstützen. Die Konferenz ermögliche den offenen Dialog, Konsens aber auch den Austausch unterschiedlicher Positionen. Sie sei ein Raum, sich gegenseitig zuzuhören.

Session 1: Igniting innovations and bridging perspectives
Frank Behrendt führte in die Konferenzthemen ein und erläuterte das Leitthema „From a Distance“: Man brauche oftmals eine größere Flughöhe, um einen Überblick über Problemlagen zu gewinnen und Lösungswege zu finden. Am Beispiel der Flutkatastrophe in Nepal führte er aus, wie wichtig eine möglichst frühe Warnung ist – der Zeitabstand zwischen der Information und dem Eintreten eines Ereignisses entscheide über Menschenleben. Hier können nach seinen Worten Erdbeobachtung und die Technikwissenschaften insgesamt entscheidende Handlungsoptionen entwickeln – die Entscheidung über solche Optionen liege bei der Politik.

acatech Präsidentin Claudia Eckert setzte ihrer Eröffnung unter den Titel „From Capability to Responsibility“: Mittels neuer Technologien erreiche die Menschheit früher Unterreichbares und löse vormals unlösbare Probleme. Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Technologien beschleunigen solche Fortschritte exponentiell. Weil technologische Möglichkeiten rasant wachsen, werde ihr verantwortungsvoller Einsatz zur entscheidenden Frage. Die Frage sei nicht mehr „was ist möglich“, sondern „was ist sinnvoll und nützlich“. Innovation sei nicht allein Exzellenz, denn Neues allein mache ein System nicht großartig. Es gehe um Kernanforderungen: Neue Technologien müssen zuverlässig, sicher, resilient, transparent und vertrauenswürdig sein. Verschiedene Perspektiven bringen nach ihren Worten bessere Lösungen – Perspektiven unterschiedlicher Länder, Regionen und Fachdisziplinen. Wie sich technologische Innovationen in gesellschaftliche Fortschritte übersetzen lassen: Darin liege die gemeinsame Herausforderung der technikwissenschaftlichen Akademien und der CAETS Jahreskonferenz.

Staatssekretär Matthias Hauer (BMFTR) hob hervor, dass die Hightech Agenda Deutschland dem Space-Innovationen eine besonders bedeutende Rolle zumisst. Forschung und Technologien des Weltraums ermöglichen ein tieferes Verständnis des Planeten und seiner Veränderungen. Erbeobachtung schließe die Lücke zwischen Forschung, Technologie und ihrer Anwendung. Copernicus habe in diesem Jahr den fortscheitenden Klimawandel, seine Folgen wie Brände und Wetterextreme gezeigt und beim Umgang mit solchen Folgen geholfen. Ebenso hob er die Fortschritte des deutschen Space Innovation Hubs hervor.

Doris Klein (DLR) schlug die Brücke zwischen der Erforschung des Weltraums und der gemeinsamen Verantwortung der Menschheit. Heute leben wir nach ihren Worten in einer hochvernetzten Welt. Menschengemachte globale Veränderungen wie der Klimawandel bringen enorme gesellschaftliche und ökonomische Herausforderungen, etwa durch Trockenperioden, aber auch Flutkatastrophen. Forschungssatelliten wie die des europäischen Copernicus Programms liefern dafür durch Aufnahmen im sichtbaren Bereich, Wärme- oder Radarbilder und viele andere Methoden umfassende – und bis in Details von15 cm Größe. Sie machen den menschlichen Einfluss auf das Klima sichtbar, beispielsweise durch Versiegelung von Flächen, durch Gebäude und Straßen. Auch zeigen sie die Entwicklung städtischer Hitzeinseln und machen das Potenzial von Dächern für Solarenergie, aber auch Zerstörungen durch Naturkatastrophen und Kriege sichtbar. Erdbeobachtung, schloss sie ihren Überblicksvortrag, liefere wertvolle Daten und damit Evidenz für informierte Entscheidungen zur Entwicklung von Städten und Regionen.
Julian Hofmann (FloodWaive) zeigte am Beispiel der Starkregenfälle 2018 in Aachen, wie verzögert Notrufmeldungen dem Eintreten eines Extremwetters hinterherhinken – für Schutzmaßnahmen ist es dann häufig zu spät. Mit durch physikalische Daten trainierter KI seien Simulationen und damit Vorhersagen etwa von Überschwemmungen in Echtzeit möglich. Erreicht werde eine um den Faktor eine Million schnellere Prognosen und eine Genauigkeit bis auf unter einem Meter über ganze Regionen und Bundesländer hinweg. Nutzer – also beispielsweise Entscheidungsträgerinnen und -träger in Regionen – können mit den Modellen in Echtzeit Vorhersagen erhalten, Schutzmaßnahmen bewerten und auf dieser Basis bessere Entscheidungen treffen. Möglich werden solche Vorhersagen durch einen digitaler Zwilling von Städten und Regionen.
CAETS Communications Prize 2026
Lucas Noduls und Siegfried Wu, beide Mitglieder des CAETS Communications Committee, stellten den Gewinner des CAETS Communication Preises vor. Aus zwölf Nominierungen hatte die Preisjury gewählt. Preiskriterien waren die Relevanz des Inhalts ebenso wie die cinematische Qualität. Ningshao Xia von der Chinese Academy of Engineering konnte mit „The Story of China’s World-first Hepatitis E Vaccine“ die Jury überzeugen.

Das Gewinnervideo: The Story of China’s World-first Hepatitis E Vaccine
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Session 2: Bridging Perspectives – Earth Observation for Decision-Making, Security, and Resilience
Sylvia Schwaag Serger, Präsidentin der Royal Swedish Academy of Engineering Sciences startete den zweiten Teil des Nachmittags mit einer Reflexion auf eine veränderte Welt, die durch globalen Wandel, wachsende Auseinandersetzungen und disruptive Technologien geprägt ist. Wissenschaft, Wirtschaft und Politik beeinflussen sich nach ihren Worten in einem nie dagewesenen Maß. Technologien zu entwickeln, sei nicht mehr nur eine ökonomische, sondern eine strategische Frage. Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen deshalb noch viel enger zusammenarbeiten. Technologien allein können die Herausforderungen unserer Zeit nicht erklären und lösen – deshalb müssen nicht-technologische Wissenschaftsdisziplinen in die wissenschaftliche Beratung über neue Technologien einfließen. Die Antwort auf geopolitische Fragmentierung könne dabei nicht gesellschaftliche und wissenschaftliche Fragmentierung sein. Nur Zusammenarbeit mache Gesellschaften resilient und ermögliche Fortschritte. CAETS bringe Akademien gerade jetzt zusammen, wo internationale Kooperation schwieriger werde.

Claudia Eckert sprach über Cyber-Security als Grundlage einer verlässlichen Entscheidungsfindung, auch in der Erdbeobachtung. Wir sind auf korrekte Daten angewiesen – doch die komplexen Infrastrukturen der Erdbeobachtung als System of Systems seien anfällig für Cyber-Angriffe. Sie benannte Hackerangriffe aus Russland auf das Viasat KA-SAT Netzwerk 2022 und steigende Cyber-Aktivitäten, die auf Satelliten abzielen. Die Erdbeobachtung sei eine kritische Infrastruktur mit großem Einfluss auf terrestrische kritische Infrastrukturen, etwa Kommunikationsnetze, Navigation, Energienetze, Logistik und Transport, Landwirtschaft, Umwelt und Krisenmanagement. In den Satelliten selbst, in den damit verbundenen Infrastrukturen auf der Erde und den damit verbundenen Daten und Services liegen nach ihren Worten viele Angriffspunkte für Cyberattacken – und sie werden mehr. Offensichtliche Anforderungen an Cyber-Security seien Authentifizierung, Isolation, Integritätsschecks – und sie seien vergleichbar mit Sicherheitsarchitekturen von Unternehmen. Dort gelten definierte Sicherheitsmaßstäbe im Sinne einer Zero-Trust-Architektur. Viele der entsprechenden Maßnahmen könnten auch in die Infrastrukturen im Weltraum transferiert werden.
Patrik Fältström (Senior Security Consultant bei Netnod) teilte Ansätze, resiliente digitale Infrastrukturen aufzubauen. Entscheidend sei für die digitalen Infrastrukturen von Satelliten, statt auf ein singuläres Kernnetzwerk auf Diversitätsmechanismen zu setzen. Während Risiken durch Naturgefahren zufällig eintreten, setzen bewusste Angriffe systematisch an der schwächsten Stelle an. Gleichzeitig komprimiere KI die Zeitfenster, Cyber-Attacken werden beschleunigt, Reaktionszeiten schrumpfen. Häufig stehen aber sekundenschnelle Attacken Reaktionszeiten von Stunden oder Tagen gegenüber. Regulierungen allein erreichen nicht einen umfassenden Schutz, alle Nutzenden müssen die Risiken ihrer Anwendungen im Blick haben und Sicherheitsvorkehrungen treffen.
Paul Becker, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, sprach über die rapide wachsende Menge an Geodaten, ihren Nutzen aber auch damit verbundene Gefahren. Airborne Laserscans etwa haben über ganz Deutschland hinweg für jeden Quadratmeter 40 Datenpunkte gesammelt. Geoinformationen werden nach seinen Worten immer wichtiger für die Entscheidungsfindung und den Katastrophenschutz. Gleichzeitig bringen Geodaten Sicherheitsrisiken, weil sie auch Angreifern genaue Informationen an die Hand geben. Es müsse deshalb genau überprüft werden, ob Geodaten missbraucht werden können und welche dieser Daten zugangsbeschränkt oder in eingeschränkter Qualität veröffentlicht werden müssen.

Michael Vetter, Generalleutnant der Bundeswehr, sprach über die hohe Bedeutung der Erdbeobachtung für Sicherheit und strategische Situationswahrnehmung. Mit Blick auf diese unverzichtbare Rolle investieren Deutschland und die Bundeswehr massiv in Weltraumanwendungen. Es gehe um Eskalationsdominanz, also um Informations-, Entscheidungs- und Handlungsdominanz. Weltraumfähigkeiten seien zentral mit Blick auf Navigation, Information und Kommunikation – damit werde der Weltraum zu einer Domäne militärischer Sicherheit. Informationen aus dem Weltraum ermöglichen frühere Information über Risiken, den Schutz kritischer Infrastrukturen und die genaue Erfassung von Vulnerabilitäten. Er stimmte Paul Becker zu, dass der Nutzen offener Geodaten gut abgewogen werden müsse gegenüber möglichen Sicherheitsrisiken. Gleichzeitig ermögliche die gemeinsame Nutzung von Geodaten mit strategischen Partnern die gemeinsame Resilienz.
Session 3: Soil – Perspectives through Remote Sensing and Global Insights

Reinhard Hüttl (acatech) ging in seiner Einführung zur dritten Session auf die Relevanz der Erdbeobachtung für den Schutz der Böden ein. Die oberen 30-100 cm bilden die Basis für die Versorgung der Menschheit. Böden übernehmen vielfältige Funktionen für Nährstoffkreisläufe, Wasserregulierung, Kohlenstoffspeicherung oder Biodiversität. Zudem bedienen sie auch einen kulturellen Aspekt, indem sie die menschliche Entwicklung speichern. Für das Ziel von Net Zero, also die Null Treibhausgasemissionen, spielen Böden eine bedeutende Rolle. Dafür brauche es Technologien zur Erdbeobachtung, Daten aus der Bodenüberwachung und Langzeiterfahrungen, um Klarheit über die Prozesse in der Erde zu erlangen.
Anna Rathsman, Chair of the Board, European Incoherent Scatter Scientific Association machte darauf aufmerksam, dass der Weltraum eine Infrastruktur ist – und wie jede andere Infrastruktur lasse sie sich für gute wie auch schlechte Absichten nutzen. Ein Hauptgrund, warum wir die Probleme auf unserer Erde überhaupt kennen, seien Daten aus dem Weltraum. 80 Prozent der genutzten Daten stammen aus dem Weltraum, Menschen nutzen sie täglich für Anwendungen wie Bezahlservices. Um Zusammenhänge besser verstehen zu können, brauche es aber mehr kombinierte Daten aus unterschiedlichen Quellen: Um beispielsweise besser bewerten zu können, ob Böden stabil genug für geplante Nutzungszwecke seien oder ausreichend Wasser führen.
Roman Bosl Werner, Managing Director, TUM Venture Labs sprach sich für einen forcierten Technologietransfer aus: Start-ups seien dazu aktuell das beste Instrument. Er gab einen Überblick über Start-ups, die Daten aus dem Weltraum bereits für vielfältige Anwendungen im Bereich der Landwirtschaft einsetzen und mit erdgestützten Daten kombinieren, um Ernährungssysteme resilienter und stabiler zu gestalten. Der Einsatz von Satellitenbildern ermögliche es, Bewässerung und Düngemittel gezielter einzusetzen, Schäden durch Hitzestress zu erkennen und Waldbrände zu verhindern. Die Daten seien auch einsetzbar, um Erkenntnisse über spezifische Bodenbeschaffenheit zu sammeln, um eine mögliche Überbeanspruchung von Böden vorherzusagen und rechtzeitig Regenerationsmaßnahmen einzuleiten. Auch die Viehwirtschaft könne damit den Viehbestand effektiver managen – und so einer Überweidung entgegenwirken.
Niklas Wallsargård, CEO & Co-Founder des Start-ups Improvin widmete sich der Problematik der Datenqualität entlang der Lieferketten von Landwirtschaft und Ernährung: Diese seien häufig uneinheitlich und von unbekannter Quelle. Erdbeobachtung könne hier eine Verbesserung bewirken. Sie lasse sich einsetzen, um Daten zu erheben und entlang der gesamten Lieferketten zu harmonisieren, zusammenzuführen und für bessere Entscheidungen im landwirtschaftlichen Bereich einzusetzen. Er demonstrierte, wie die passende Infrastruktur Daten interoperabel nutzbar macht. Dazu werden Daten aus offen zugänglichen Quellen mit jenen von Lieferanten und anderen Akteuren kombiniert. Die spezifischen Erfahrungswerte aus der Landwirtschaft gelte es dabei einzubeziehen, denn einzelne Modelle könnten nicht alle benötigten Erkenntnisse erbringen.

Prakash Chauhan, Director National Remote Sensing Centre, Indian Space Research Organisation führte in die unterschiedlichen Satellitenarten und deren spezifische Einsatzmöglichkeiten ein, von denen Indien als siebtgrößtes Land der Welt mit stark variierender Oberflächenbeschaffenheit vielfältigen Nutzen zieht: Details aus der Landnutzungsanalyse zeigten, wie sich beispielsweise Erkenntnisse über Brachland gewinnen lässt, um dessen Nutzbarkeit für die Erzeugung erneuerbarer Energien zu prüfen.

Minggang XU, Chair of the Academic Committee, Shanxi Agricultural University wies auf die Schlüsselrolle der Kohlenstoffdynamik für die Fruchtbarkeit von Böden hin und veranschaulichte Methoden der Bodenforschung. Die gewonnen Erkenntnisse lassen sich vielfältig einsetzen, um die landwirtschaftliche Nutzung resilienter zu machen, die Ernährungssicherheit zu steigern und wirksame Klimastrategien zu entwickeln.
Uwe Schneider, Managing Director, Eco-Environment Innovation GmbH betonte, dass der Boden eine nicht erneuerbare Ressource ist. Deshalb brauche es die Erdbeobachtung, um Erkenntnisse zu Bodenzustand, -nutzung und Nährstoffverlusten zu gewinnen und eine stabilere Balance zu gewährleisten. Einen Fokus legte er auf tiefere Bodenschichten. Tief im Erdreich verwurzelte Pflanzen könnten sich resilienter gegen Wetterextreme zeigen. Welche Arten gepflanzt werden, entscheide auch über die Bindung von Kohlendioxid im Boden. Zukünftige Bodenüberwachung sollte also auch verstärkt die tieferen Bodenschichten einbeziehen.
Ortwin Renn (acatech Präsidiumsmitglied) brachte zum Abschluss der Session 3 Erkenntnisse aus dem acatech Technik Radar über Einstellungen der Deutschen gegenüber Forschung und neuen Technologien mit. Das Technik Radar zeige keine generelle Technologieskepsis, allerdings einen leicht abgeschwächten Glauben daran, dass Technik die zentralen Probleme lösen könne. Ein Rückblick auf die Entwicklung der letzten acht Jahre verdeutlichte, wie sich die Themen verschieben, die die Menschen am stärksten beschäftigen – ihr Fokus verschob sich in den vergangenen Jahren vom Klimawandel hin zu Sicherheit als wichtigstes Thema. Wenn es um Entscheidungen über neue Technologien geht, zeigen die Menschen ein verstärktes Interesse an Mitbestimmung. Das Vertrauen in die Wissenschaft und technische Institutionen bleibt stabil hoch, während die Politik das Schlusslicht bildet. „Yes, we care“, schloss Ortwin Renn seinen Überblick in Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Barack Obama.
Session 4: Natural Hazards – From Early Warning to Recovery
Alton D. Romig, Jr., Senior Adviser, National Academy of Engineering (US) begrüßte zur vierten und abschließenden Session mit dem Hinweis, dass Naturkatastrophen und menschengemachte Gefahren in Verbindung stehen. So seien rund 90 Prozent der Waldbrände von Menschen verursacht. Im Wettlauf um Reaktionszeiten und Handlungsspielräume bei herannahenden Naturkatastrophen sei neben Technologien wie der Erdbeobachtung die Regulatorik entscheidend: Sie ermögliche es, neue Technologien für das Wohl der Menschen einzusetzen.
Sreedhara Panicker Somanath, Former Chairman, Indian Space Research Organisation, Vikram Sarabhai Professor, ISRO gab Einblicke in Indiens Erdbeobachtungsprogramm. Neben Katastrophen- und Klimaschutz zählen auch Erneuerbare Energien, Wasserüberwachung und Landnutzung zu den Schwerpunkten. Klimaresilienz erfordere eine kontinuierliche, mehrdimensionale Überwachung, um Entwicklungen zu antizipieren und Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Kein einzelner Sensor liefere die Antwort auf alle Fragen. Viele unterschiedliche Quellen einzubeziehen, erhöhe Reichweite, Genauigkeit und Geschwindigkeit. Er veranschaulichte diesen integrierten Ansatz anhand von Infrastrukturen, die ein gebündeltes Monitoring verschiedener Naturkatastrophen wie Hochwasser, Erdrutsche oder Waldbrände ermöglichen.

Weiping JIANG, Dean, Scientific Research and Development Office, Wuhan University betonte, dass Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels häufiger und stärker ausfallen. Erdgestützte Daten stoßen bei der Vorhersage von Naturkatastrophen an ihre Grenzen. Erdbeobachtung liefere die zeitlichen und räumlichen Informationen, um Katastrophen besser voraussagen zu können. Er beschrieb die Entwicklung von punktuellen Beobachtungen zu einer Bewertung aus mehreren Quellen. Bei der Erdbeobachtung auf ein mehrstufiges System zu setzen, das Daten aus dem Weltraum, von der Erde, den Meeren und der Luft integriert, ermögliche den Sprung von der Einzelwarnung zu einer Multiwarnung vor verschiedenen Ereignissen.
Florence Rabier, Non-Executive Director Met stellte das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts als gelungenes Beispiel europäischer Zusammenarbeit vor – und demonstrierte, wie sich die Genauigkeit der meteorologischen Vorhersagen über die letzten Jahrzehnte um einen Tag je Dekade gesteigert hat. Satellitendaten sind ein wichtiger Bestandteil dieser Verbesserung. Am Beispiel des Hurricanes Irma illustrierte sie den Unterschied zwischen den Vorhersagen mit und ohne Einsatz der Satellitendaten. Ohne Satellitenbilder konnte das Modell die Entwicklung zum Hurricane nicht erkennen. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz erreichen die Daten aus der Erdbeobachtung gemeinsam mit den Vorhersagemodellen ein neues Level an Leistungsfähigkeit.
Julian Hofmann, CEO and Co-Founder, FloodWaive ergänzte seine Ausführungen vom Vortag zum Schutz vor Überschwemmung mit einer Forschungs- und Entwicklungsinitiative, um Waldbrände und deren Entwicklungen vorherzusagen. Wie auch bei dem Pendant zum Hochwasserschutz bezieht der Digitale Zwilling die spezifischen Faktoren wie Vegetation, Bodenfeuchtigkeit und Wind in die Berechnung des Brandverlaufs ein. Wie wichtig die spezifischen Bedingungen sind, verdeutlichte er an den Waldbränden dieses Sommers in Eifel und Ardennen: Hier stellten die im Boden verbliebenen Weltkriegsbomben eine zusätzliche Gefahr dar.
Frank Behrendt schloss den letzten Vortragsteil mit einem Überblick über die in drei Veranstaltungstagen gesammelten Erkenntnisse zum Leitthema Erdbeobachtung. Verschiedene wissenschaftliche Fachgebiete, unterschiedliche Perspektiven und Anknüpfungspunkte der Zusammenarbeit – diese Kombination mache die gemeinsame Tagung und die Zusammenkunft der CAETS Jahreskonferenz einzigartig.

Die anschließende Übergabe der CAETS Präsidentschaft an Lukas Roffel, Präsident der Niederländischen Akademie der Technikwissenschaften bildete den Schlusspunkt der Konferenz in München.
Weiterführende Informationen:
Detailliertes Programm der CAETS Jahreskonferenz
CAETS Jahreskonferenz 2025
























