Die Welt von oben – eine Verbindung von Raumfahrt und Religion
Erlangen, 28. Oktober 2025
Wissenschaft und Innovation an 130 Orten in Nürnberg, Fürth und Erlangen. Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften ließen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschungsaktive Unternehmen in mehr als 1.000 Veranstaltungen Innovation und Entdeckerkraft aufleuchten. Das enorme Angebot lockte rund 27.000 wissbegierige Nachtschwärmer auch bei herbstlichem Wetter in Labore, Hörsäle und Werkhallen. Mittendrin: acatech mit einem moderierten Gespräch zu Glauben und Technik, Staunen und Erkenntnis – und der Frage, was die unendlichen Weiten des Weltalls mit der tiefen Frage des Glaubens verbindet.
Was geschieht, wenn Wissenschaft und Glaube gemeinsam aus dem Himmel auf die Erde blicken? In einer spannenden Diskussion trafen ein Theologe und ein Raumfahrtexperte aufeinander, um über die Schnittstellen von Wissenschaft, Spiritualität und menschlicher Neugier zu sprechen.
Das Weltall fasziniert von jeher die Menschen. Ganz persönlich wird es mit eigenen Erinnerungen an die Mondlandung, an NASA-Missionen und die Internationale Raumstation (ISS). Oder beim Blick in den Nachthimmel – die Erde als bewohnter Punkt unter Millionen sichtbaren Sternen. So führte der Moderator des abendlichen Gesprächs, Thomas Zeilinger (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern), in den Dialog ein.
Dieselbe Blickrichtung – und doch so verschieden
Das Gespräch zwischen acatech Präsidiumsmitglied Peter Dabrock (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und dem ehemaligen acatech Präsidenten und vormaligen Generaldirektor der europäischen Raumfahrtagentur (ESA) Jan Wörner zeigte schnell: Religion und Raumfahrt verbindet zwar der Blick nach oben, allerdings sollte beides nicht gegeneinander aufgerechnet werden. So tue sich die Wissenschaft gleichermaßen schwer, Religion zu erklären, wie umgekehrt Religion allein nicht die Welt erklären könne. Astronauten beschrieben ihre Erfahrung nach der Rückkehr auf die Erde weniger als eine Annäherung an Gott, viel häufiger betonten sie, wie schützenswert die Erde ist. So ist die für das Leben auf der Erde so zentrale Atmosphäre sehr dünn. Vergleiche man diese mit der Größe eines Fußballs, so entspräche das etwa der Dicke eines Haares, erklärte Jan Wörner.
Lässt sich dagegen über die persönlichen Emotionen eine Verbindung von Religion und Technik finden? So warf Moderator Thomas Zeilinger die Frage auf, welche Rolle denn das Staunen in beiden Disziplinen spiele. Als Wissenschaftler fokussierte Jan Wörner auf den eigenen Erkenntnisantrieb – also herauszufinden, wie etwas funktioniert, was hinter Beobachtungen und Phänomenen steckt. Der eigenen Neugier komme daher eine viel größere Bedeutung zu, um techn(olog)ische Entwicklungen voranzutreiben. Peter Dabrock wählte dagegen einen anderen Ansatz und bezog sich auf Aristoteles, derformulierte: „Alles Wissen fängt mit Staunen an“. Das provoziere ein Aufeinanderprallen von Staunen und Rationalität – jedoch sollte man beides nicht gegeneinander ausspielen, sondern beim Hinterfragen auf das Verbindende, die Begeisterung und die Neugier fokussieren. Bisher Unerklärliches solle dabei nicht zur Religion geschoben werden.
Blick in die Zukunft – und auf gegenwärtige Herausforderungen
Die abschließende Diskussion mit dem Publikum gestaltete sich grundsätzlicher. Dabei betonte Jan Wörner einen entscheidenden Vorteil großer Raumfahrtprojekte: Ideen wie die eines Moon Villages als potenziellen Nachfolger der ISS. Deren Umsetzung erfordere eine weltweite Zusammenarbeit, die Grenzen auflöse. Kooperation könne so trotz mancher Krisen und Konflikte einen Austausch aufrechterhalten. Wenn es um den langfristigen Nutzen ambitionierter Projekte wie die Besiedelung des Mars gehe, solle man nicht pseudoethisch argumentieren. Peter Dabrock machte klar, dass diese Zukunftsaussichten keinen Freifahrtschein für die Gegenwart bieten. Vielmehr gelte es, drängende Herausforderungen wie den Klimawandel im Hier und Jetzt anzugehen.


