HR-Kreis Jahreskonferenz: mit doppelter Anstrengung zu neuer Wettbewerbsfähigkeit
Berlin, 10. November 2025
Was braucht der Wirtschaftsstandort Deutschland, um wieder auf Kurs zu kommen – und kann HR dabei zum leistungsstarken Maschinenraum für die Transformation werden? Die Jahreskonferenz des acatech HR-Kreises brachte führende Köpfe aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Sozialpartnerschaft in Berlin zusammen, um diese richtungsweisenden Fragen zu diskutieren: „Zwischen Krise und Transformation – Die Zukunft von morgen heute gestalten“ nahmen die Teilnehmenden wörtlich und erarbeiteten in Panels und Diskussionen Handlungsoptionen für ein Kursbuch zu neuer Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit.

Henning Kagermann (Vorsitzender acatech Kuratorium und Mitgründer des HR-Kreises) machte in seiner Begrüßung nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung des HR-Kreises direkt auf die große Herausforderung der Gegenwart aufmerksam: Diese sei in der Umsetzung zu finden und nicht – wie in der Vergangenheit – im Wissen. Die Transformation müsse gesellschaftlich getragen werden. Im Gespräch mit
Co-Gastgeber und acatech Präsidiumsmitglied Frank Riemensperger wurde klar: Dafür brauche es eine Zeitgeistwende nach der Zeitenwende. Es gelte, einfach und disruptiv zu denken und nicht kompliziert und klein. Ein Hebel dafür: eine positiv besetzte Kultur des lebenslangen Lernens, zu dem HR ein wichtiger Schlüssel sei.
Wer lernt von wem im Mensch-Maschine-System?
Was beim organisierten Lernen zu beachten sei, das griff Oliver Dörler (Commerzbank) in der folgenden Keynote zu Künstlicher Intelligenz (KI) auf. Vertrauen, Transparenz und Lernkultur spielten dabei eine entscheidende Rolle. Technologische und kulturelle Transformation gehen Hand in Hand, so Oliver Dörler. Im System Mensch-Maschine sei aber auch zu klären, wie sich Künstliche Intelligenz kontrollieren, regulieren und verwalten lasse. Hier brauche es klare Leitplanken. Eine Schlüsselrolle liege auch hier bei HR, die Mitarbeitende auf die Transformation vorbereiten und befähigen müsse.

Kurskorrektur am Wirtschaftsstandort: fokussierter, gezielter, souveräner

Deutschland und Europa haben in der Vergangenheit an Tempo und Wettbewerbsfähigkeit verloren – bei gleichzeitig wachsenden geopolitischen Hürden wie Zöllen oder Abhängigkeiten in Lieferketten. Einer dringend benötigten Innovationskultur stünden häufig Verwaltung und Over-Engineering entgegen, so die Erkenntnisse des ersten Panels. HR-Kreis-Co-Gastgeberin Katharina Hölzle (Fraunhofer IAO) warf gemeinsam mit Christiane Benner (IG Metall), Irene Bertschek (ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung), Claudia Mayfeld (Knorr-Bremse AG), Bernhard Rohleder (Bitkom e.V.) und Benjamin Weigert (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) ein Schlaglicht auf den aktuellen Kurs des Wirtschaftsstandorts Deutschland – und mögliche Kurskorrekturen für mehr Wettbewerbsfähigkeit im globalen Ringen um Spitzenpositionen.

Das Gespräch förderte mögliche Hebel zutage, um die gegenwärtigen Herausforderungen zu meistern: ein klares Zielbild mit Priorisierung für digitale Schlüsselbereiche beispielsweise. Weniger Regulierung könne mehr Geschwindigkeit in die Umsetzung bringen und vielfältige Ökosysteme mit europäischem Schwerpunkt zahlen auf eine höhere Souveränität und Resilienz ein. Zudem gelte es, einen Schulterschluss von Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern zu vollziehen und sichtbar in die Gesellschaft zu tragen. Das stärke das Vertrauen und unterstütze ein zuversichtliches Mindset, das von Leistungs- und Lernkultur geprägt sei.
HR als zentraler Akteur in der Transformation
Wie aber gelingt die Umsetzung – und welche Rolle kann HR dabei übernehmen? Diese Frage nach Rollen und Akteuren prägte das zweite Panel, zu dem Frank Riemensperger Thomas Ogilvie (Deutsche Post AG, DHL Group), Sabine Pfeiffer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg), Erika Rasch (Robert Bosch GmbH) und Jessica Richter (Infineon Technologies AG) begrüßte.

Als Schnittstelle zwischen Strategie, Technologie und Mensch werde HR mehr und mehr zum Schlüsselakteur in der Transformation. Um diese Rolle auszufüllen, gelte es, sich enger mit der Businessstrategie zu verzahnen, auf ein globales HR-Framework und gleichzeitig auf differenzierte und standortspezifische HR-Strategien zu setzen. Bezüglich KI und Digitalisierung müsse HR aber auch übergreifend technologisch und kulturell in den Lead gehen, sich von der rein administrativen Funktion trennen, um sich selbst strategische Freiräume zu verschaffen.
Erweitertes Rollenverständnis für HR

Auf HR werde zukünftig ein multiples Rollenverständnis zukommen: Als Change Partner und Ideengeber gelte es, Zukunftschancen und eine neue, positiv konnotierte Arbeitskultur zu vermitteln: Hin zu mehr Technologie- und Veränderungsoffenheit, Leistungsbereitschaft und Wettbewerbsorientierung. Als Transformationspartner müsse HR die Geschäftsstrategie in eine klare Personalstrategie übersetzen. Eine Aufgabe von HR sei es auch, Beschäftigte dazu zu befähigen, sich zu kompetenten, lernfähigen Mitgestaltern der Transformation weiterzuentwickeln. Die Basis dafür: Vertrauen, offene Kommunikation und Mut zu transparenter Führung – und eine enge Zusammenarbeit von HR, Betriebsräten und Unternehmensführung.
Auf Standortfaktoren setzen

Die engagiert geführten Diskussionen offenbarten Schwächen und versäumte Chancen der Vergangenheit – aber auch wertvolle Potenziale, die zu nutzen sind. So verfügt Deutschland über wichtige Grundlagen: ein exzellentes Bildungssystem, eine Kultur der Mitbestimmung und nicht zuletzt über motivierte Menschen. Diese Standortfaktoren gelte es nun, gemeinsam mit klaren Zielbildern. Ambitionen und Geschwindigkeit strategisch einzusetzen, um mit doppelter Anstrengung zu neuen Spitzenpositionen im globalen Wettbewerb zu gelangen.
Weiterführende Informationen:
Zur HR-Kreis-Projektseite
Zur #FutureWorkDebatte „KI-Agenten im Aufbruch“
Zur HR-Kreis-Jahreskonferenz 2024

