Musik, Wissenschaft und Technik – eine harmonische Reise durch zwei Jahrhunderte
München, 23. Juli 2026
Wie stark Musik und Instrumentenbau von Fortschritten in Wissenschaft und Technik profitieren, zeigte eine Veranstaltung von acatech am Dienstag in Kooperation mit vhs.wissen live. Myles W. Jackson, Professor für Wissenschaftsgeschichte am Institute for Advanced Study in Princeton, USA, führte 400 Teilnehmende durch zwei Jahrhunderte voller Innovationen in der Akustik, bei elektronischen Instrumenten bis hin zur modernen Rundfunktechnik.
Nach der Begrüßung durch Michael Zäh (Technische Universität München und Mitglied des acatech Präsidiums) gliederte Myles W. Jackson seinen Vortrag nach drei Leitfragen: Wie verbessern Wissenschaft und Technik den Bau von Musikinstrumenten? Wie prägen sie die musikalische Ästhetik? Und wie werden Musikinstrumente selbst zum Forschungsgegenstand? Dazu führte er Beispiele an, beginnend mit Ernst Florens Friedrich Chladnis Schwingungsstudien über Wilhelm Eduard Webers Arbeiten an kompensierten Orgelpfeifen bis zu Hermann von Helmholtz’ akustischen Forschungen und deren Einfluss auf den Klavierbau von Steinway & Sons.
Vortrag und Diskussion sind hier einsehbar:
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Wenn Forschung hörbar wird
Wissenschaftshistoriker Jackson ließ Instrumente wie die Glasharmonika, das Wheatstones Symphonium, die Concertina und das Trautonium in Videos erklingen. So erlebten die Teilnehmenden, wie Erkenntnisse über Schwingungen, Resonanzen, Klangfarben und Tonerzeugung in Instrumenten und neuen musikalischen Ausdrucksformen Gestalt annehmen.
Foto: Deutsches Museum
Foto: Deutsches Museum
Foto: Deutsches Museum
Rundfunk, Klangtreue und neue Instrumente
In den Pioniertagen des Rundfunks stellte die schlechte Akustik ein großes Problem dar. In den 1920er Jahren gaben Übertragungen Klangfarben nur ungenau wieder: Flöten klangen wie Geigen oder Klarinetten, Sopranstimmen wirkten dumpf, Stimmen ließen sich kaum unterscheiden. Die 1928 gegründete Berliner Rundfunkversuchsstelle arbeiteten Physiker, Elektroingenieure, Physiologen, Musiker und Komponisten an leistungsfähigeren Mikrofonen, Verstärkern und Lautsprechern – und entwickelten schließlich auch neue elektronische Musikinstrumente. Das bekannteste war das von Friedrich Trautwein entwickelte Trautonium. Myles W. Jackson erzählte dessen faszinierende Geschichte: vom Ur-Trautonium über das Rundfunk-Trautonium bis zum Mixtur-Trautonium, das bei den Festspielen in Bayreuth, in Industriefilmen und Alfred Hitchcocks Filmkunst zum Einsatz kam.
Von historischen Instrumenten zu Künstlicher Intelligenz
In der Fragerunde ging es um das Theremin, den Moog-Synthesizer, neue Entwicklungen im Instrumentenbau und die Frage, ob historische Tonaufnahmen helfen, alte Orgeln zu rekonstruieren. Myles W. Jackson hob hervor, dass heutige Innovationen oft digital sind – etwa in Form von Apps und durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Zugleich betonte er, dass technisches Wissen die handwerkliche Erfahrung im Instrumentenbau nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Die Diskussion über die Entwicklung vom Trautonium bis zum modernen Synthesizer (beide im Deutschen Museum München ausgestellt) schlug eine Brücke zum vorherigen „acatech am Dienstag“. Dort hatten Studierende der TU München wissenschaftliche Exponate des Deutschen Museums in selbstgedrehten Kurzvideos vorgestellt. Einer der Filme erklärte die Grundlagen modularer Synthesizer und zeigte, wie vielseitig sich mit ihnen Klänge erzeugen lassen.





