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TechnikRadar 2026: Deutsche fürchten Cyberangriffe, lehnen persönliche Einschnitte für mehr Sicherheit ab

München, 23. Juni 2026

Über 80 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Cyberangriffe und KI-Betrug bedroht – stärker als durch Terror, Kriege, Gewaltkriminalität oder Naturkatastrophen. Das zeigt das TechnikRadar 2026, eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von acatech – Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Die Deutschen erwarten angesichts dieser Bedrohungen Schutz vom Staat: Doch nur 15 Prozent würden dafür mehr Steuern zahlen, und nur 34 Prozent haben nach eigenen Angaben für Notfälle vorgesorgt.

Cyberrisiken bedrohlicher als Terror und Klimawandel

Auf die Frage nach der größten Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands dominieren digitale Risiken: 85 Prozent sehen Cyberangriffe auf Bürgerinnen und Bürger und KI-basierten Betrug als bedrohlich, 83 Prozent fürchten Cyberangriffe auf Staat und Verwaltung. 82 Prozent fürchten Angriffe auf öffentliche Infrastruktur wie Strom- und Mobilfunknetze oder die Trinkwasserversorgung. Terrorismus und Gewaltkriminalität folgen mit 72 Prozent. Eine Mehrheit fühlt sich auch durch militärische Angriffe durch andere Staaten (54 Prozent) und den Klimawandel (55 Prozent) bedroht. Naturkatastrophen (45 Prozent) und Pandemien (40 Prozent) zählen weniger als die Hälfte der Befragten zu den größten Bedrohungen.

Unterschiede zeigen sich zwischen Bevölkerungsgruppen: Menschen über 65 empfinden alle Arten von Bedrohungen am stärksten. AfD-Anhängerinnen und -Anhänger fürchten vor allem Gewaltkriminalität (91 Prozent). Akademisch Gebildete zählen häufiger den Klimawandel zu den größten Bedrohungen (66 Prozent) als Menschen ohne akademischen Abschluss (51 Prozent).

„Cyberbedrohungen zählen für acht von zehn Deutschen zu den größten Bedrohungen. Dass die Deutschen Angriffe auf Privatnutzer sogar bedrohlicher einschätzen als digitale Attacken auf Staat und Verwaltung, sollte ein Weckruf für Politik, Wirtschaft und Forschung sein. Die Cybersicherheit öffentlicher Infrastrukturen ist systemkritisch. Wer aber das Vertrauen der Menschen in die Digitalisierung erhalten will, muss jetzt handeln – durch den konsequenten Ausbau der Cybersicherheit im öffentlichen wie im privaten Bereich und den Abbau einseitiger technologischer Abhängigkeiten“, sagt acatech Präsidentin Claudia Eckert.

Sicherheitsgefühl: Solide im Schnitt, gespalten nach Gruppen

56 Prozent der Befragten fühlen sich in Deutschland sicher – doch das Bild ist gespalten: Mehr Männer (58 Prozent) als Frauen (52 Prozent) fühlen sich sicher, mehr Westdeutsche (57 Prozent) als Ostdeutsche (45 Prozent), mehr akademisch Gebildete (72 Prozent) als nicht akademisch Gebildete (50 Prozent). Besonders groß ist der Unterschied zwischen den politischen Lagern: Während sich 84 Prozent von Anhängerinnen und Anhängern der Grünen hierzulande sicher fühlen, gilt das nur für 18 Prozent der AfD-Wählerschaft.

Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen empfundener Bedrohung und persönlicher Erfahrung: Cyberangriffe gelten zwar als größtes Risiko – persönlich erlebt haben sie in den vergangenen zwölf Monaten allerdings nur 9 Prozent der Befragten. Von Gewaltkriminalität waren nur 2 Prozent selbst betroffen.

Wo investieren? Infrastruktur und Bundeswehr vorn, Cyberabwehr abgeschlagen

Vor die Aufgabe gestellt, ein zusätzliches 100-Milliarden-Euro-Budget für Sicherheit zu verteilen, antworten die Deutschen mit einem relativ ausgewogenen Verteilungsschlüssel: 26,2 Milliarden Euro für die Sicherung technischer Infrastrukturen, 23,2 Milliarden für die Bundeswehr, 20,6 Milliarden für Polizei und Sicherheitskräfte. Die Cyberabwehr landet trotz hoher Bedrohungswahrnehmung auf dem letzten Platz – keine Gruppe würde mehr als 16,4 Milliarden Euro investieren.

Diese Mittelwerte verdecken aber eine große Kluft zwischen den politischen Lagern: CDU/CSU-Anhängerinnen und -Anhänger weisen der Bundeswehr 28,5 Milliarden zu, die Linken-Wählerschaft hingegen nur 13,7 Milliarden – sie würde mehr in Infrastruktur (33,8 Milliarden) und Extremwetterschutz (21,9 Milliarden) investieren. Die AfD-Wählerschaft gäbe Polizei und Sicherheitskräften 25,8 Milliarden – den höchsten Betrag aller Gruppen.

Hohe Erwartungen an den Staat – geringe Opferbereitschaft bei der Bevölkerung

Die Deutschen erwarten in punkto Sicherheit entschlossenes Handeln vom Staat: 63 Prozent befürworten eine europäische Verteidigungsgemeinschaft, ebenso viele wollen, dass die Bundeswehr vermehrt auf innovative Waffensysteme und technische Überlegenheit setzt. 57 Prozent erwarten in Notsituationen staatliche Hilfe. Die Bevölkerung wünscht sich Verlässlichkeit – bei Verteidigung, Sicherheitsarchitektur und staatlicher Handlungsfähigkeit.

Allerdings ist die Bereitschaft, dafür selbst Einschränkungen hinzunehmen, gering: Nur 15 Prozent würden für mehr Sicherheit auch mehr Steuern zahlen wollen, nur 16 Prozent akzeptieren Einschränkungen bei Freiheitsrechten. Eine Ausweitung staatlicher Überwachungsrechte befürworten 24 Prozent, das Senken von Sozialausgaben 28 Prozent.

„Das TechnikRadar 2026 zeigt: Die Deutschen nehmen Bedrohungen und vor allem digitale, technologische Bedrohungen sehr ernst und benennen Prioritäten. Sie erwarten, dass der Staat diese Herausforderungen auffängt – aber die Bereitschaft zu eigenen Einschränkungen an anderen Stellen wie höheren Steuern ist gering. Sie lassen den politisch Handelnden damit wenig Spielraum. Zeitenwende ja, aber bitte ohne Zumutungen“, sagt Mike S. Schäfer, wissenschaftlicher Co-Leiter der Studie.

Mehrheitliches Vertrauen nur für Sicherheitskräfte und Wissenschaft

Bei Informationen zu Sicherheitsfragen vertrauen die Deutschen am meisten Sicherheits- und Rettungskräften wie Polizei und Feuerwehr: 74 Prozent halten deren Informationen für glaubwürdig. Die Wissenschaft folgt mit 58 Prozent, die Bundeswehr mit 49 Prozent. Im Mittelfeld liegen internationale Organisationen (44 Prozent), die Bundesregierung (37 Prozent) und die Landesregierungen (36 Prozent) sowie klassische Medien wie Fernseh- und Radiosender (31 Prozent) und Zeitungen (24 Prozent). Technologiekonzerne (10 Prozent), KI-Anwendungen wie ChatGPT (6 Prozent) und Influencer in sozialen Medien (3 Prozent) genießen kaum Glaubwürdigkeit. Das geringe Vertrauen der AfD-Wählerschaft in Institutionen zeigt sich auch hier: Nur 5 Prozent vertrauen der Bundesregierung, 8 Prozent den Landesregierungen, 9 Prozent den Zeitungen.

Bürger wollen mitreden – besonders dort, wo das Vertrauen fehlt

Geringes Institutionenvertrauen geht mit einem stärkeren Wunsch nach Mitsprache einher: 55 Prozent der Deutschen wollen mehr Bürgerbeteiligung bei technologischen Entscheidungen – 38 Prozent setzen auf Wissenschaft und Fachleute. Nur 9 Prozent meinen, Technologieunternehmen sollten das Sagen haben; in keiner Gruppe liegt dieser Wert über 14 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Wunsch nach Mitsprache bei AfD-Anhängerinnen und -Anhängern (70 Prozent) und bei den über 65-Jährigen (65 Prozent) – jenen Gruppen, die staatlichen Institutionen und Medien am wenigsten vertrauen. Jüngere (43 Prozent) und akademisch Gebildete (39 Prozent) äußern sich zurückhaltender.

„Wer Institutionen wenig vertraut, möchte stärker selbst mitentscheiden – das ist ein bekanntes Muster. Aber dies stellt Politik und Wissenschaft vor eine Herausforderung: Denn Bürgerbeteiligung kann nicht als Alternative zum wissenschaftlich-technischen Sachverstand und als Ersatz für politisch legitimiertes Handeln angesehen werden“, sagt Ortwin Renn, wissenschaftlicher Co-Leiter der Studie. „Vielmehr müssen alle Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Zielkonflikte offen ansprechen und tragfähige Lösungen entwickeln. Dazu benötigt man Dialoge, die Expertise, Interessen und Präferenzen zusammenbringen. Das gilt besonders für sicherheitsrelevante Technologien, da sie die künftige Entwicklung unseres Landes maßgeblich prägen werden.“

Technikbild und KI: Stabilität mit nüchternem Blick

Neben dem Thema Sicherheit erfasst das TechnikRadar auch regelmäßig, wie die Deutschen allgemein über Technik denken. Die Ergebnisse des Jahres 2026 zeigen: Die grundlegenden Technikeinstellungen der Deutschen bleiben stabil – eine verbreitete Technikfeindlichkeit ist nicht erkennbar. Allerdings schauen die Deutschen mit weniger Optimismus auf das problemlösende Potenzial von Technik: Der Anteil derer, die glauben, dass Technik alle Herausforderungen überwinden kann, ist seit 2017 um 18,2 Prozentpunkte auf 9 Prozent gesunken. Der Anteil jener, die erwarten, dass nachfolgende Generationen dank Technik eine höhere Lebensqualität haben werden, ist seitdem um 15,8 Prozentpunkte auf 33 Prozent gefallen.

Im Umgang mit Künstlicher Intelligenz zeichnet sich ein klares Muster ab: 39 Prozent nutzen KI-Tools ohne Zögern, 38 Prozent suchen Rat bei KI. Doch beim Delegieren eigener Entscheidungen sind die Deutschen zurückhaltend: 48 Prozent fürchten, die Kontrolle über eigene Entscheidungen zu verlieren. Lediglich 15 Prozent haben kein Problem damit, dass KI für sie entscheidet, nur 6 Prozent halten KI für den besseren Entscheider.

„Technologischer Fortschritt entfaltet sein volles Potenzial nur dann, wenn er dem Gemeinwohl dient. Die Ergebnisse des TechnikRadar 2026 zeigen: Die Menschen wissen, was auf dem Spiel steht. Jetzt ist es an Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, im Dialog mit den Menschen Zuversicht zu stärken und durch Technologien ermöglichte Fortschritte gut zu vermitteln“, sagt Dr. Felix Streiter, Geschäftsführer der Carl-Zeiss-Stiftung.

Alle Umfrage-Ergebnisse online abrufbar

Die Ergebnisse des TechnikRadar 2026 sind online abrufbar. Die Website zeigt die vollständigen Ergebnisse – aufgeschlüsselt nach Alter, Geschlecht, Bildung und Wahlentscheidung bei der letzten Bundestagswahl – in interaktiven Grafiken mit kurzen Erläuterungen.

  • Übersichtsseite TechnikRadar 2026
  • Detailseite TechnikRadar 2026 mit allen Grafiken
  • Ergebnis-Booklet (PDF)

Über das TechnikRadar

Das TechnikRadar untersucht, wie die Deutschen über Technik denken. Seit 2017 konzipiert und verantwortet acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften die bundesweite, repräsentative Onlinestudie, die derzeit von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert wird. Im März 2026 befragte forsa 2.009 zufällig ausgewählte, deutschsprachige und in Deutschland lebende Personen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse wurden repräsentativ gewichtet und ausgewertet. Methodik, Fragebögen und Ergebnisse sind unter technikradar.acatech.de abrufbar.

Über die Carl-Zeiss-Stiftung

Die Carl-Zeiss-Stiftung fördert Wissenschaft und Lehre in den MINT-Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Als Partnerin exzellenter Wissenschaft ermöglicht sie Freiräume für Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung. Die Stiftung wurde 1889 von Ernst Abbe in Jena gegründet und ist heute eine der großen privaten wissenschaftsfördernden Stiftungen in Deutschland. Sie ist alleinige Eigentümerin der Carl Zeiss AG und der SCHOTT AG. Ihre Fördertätigkeit wird aus den Dividendenausschüttungen der beiden Stiftungsunternehmen finanziert.

Schlagwörter

Cyberangriffe | Sicherheit | Technik | Technikakzeptanz | Technikwissenschaften | Wissenschaftskommunikation

  • Ansprechpartner

    Patrick Bäuml
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Wissenschaftlicher Referent
    ReCoRD | TechnikRadar
    baeuml@acatech.de

    Ansprechpartner Presse

    Thomas Sprenger
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Pressesprecher & Referent für strategische Kommunikation
    Tel.: +49 89 520309-716
    sprenger@acatech.de

  • Publikation

    TechnikRadar 2026: Schwerpunkt Sicherheit und Technik

  • Projekte

    TechnikRadar

  • Themen

    Technik & Gesellschaft

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