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TechTalk 28/4: Praxis trifft historische Innovationsforschung – Was Deutschland für mehr Innovationen braucht

Helmuth Trischler, Rafaela Kraus und Moderator Marc-Denis Weitze (v.l.n.r.) im Gespräch beim um TechTalk 28/4. Foto: acatech

München, 5. Dezember 2025

Am 2. Dezember 2025 versammelten sich im acatech Forum Interessierte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zum TechTalk 28/4. In der gemeinsamen Reihe von acatech, Münchner Volkshochschule und der Mediengruppe Münchner Merkur/tz diskutierten sie, wie gute Ideen schneller zu erfolgreichen Unternehmen werden. Zwei Impulse umrissen das Thema in komplementären Zugängen: Rafaela Kraus bot eine praxisnahe Sicht auf unternehmerische Innovation, während Helmuth Trischler den langfristigen Blick des Historikers auf Innovationen einbrachte. Eine lebhafte Debatte vertiefte die Themen.

Unternehmerische Innovation: Von der Hochschule ins All

Rafaela Kraus, Professorin für Unternehmens- und Personalführung an der Universität der Bundeswehr München, zeigte am Beispiel der Raumfahrt, wie rasant sich Technologiemärkte entwickeln. 2024 entfielen weltweit mehr als die Hälfte aller Orbitalstarts allein auf das US-Unternehmen SpaceX mit 138 Starts. Europa schickte im selben Jahr nur drei Raketen ins All. Diese Zahlen, so Kraus, verdeutlichen die wachsende Bedeutung privater Akteure im globalen Innovationswettbewerb.

Ihre Universität setzt deshalb stark auf Entrepreneurship, also Unternehmensgründungen aus dem Hochschulbetrieb heraus. Forschung und unternehmerische Praxis sollen früh zusammenfinden. Kraus nannte Start-ups wie ARX Robotics und Reflex Aerospace, die aus Intrapreneurship-Programmen für Studierende entstanden. Sie zeigen, wie aus technischen Ideen marktfähige Produkte werden.

Ihr Leitbild stammt aus dem Pferderennsport: Für erfolgreiche Gründungen müssen Jockey (die Gründerinnen und Gründer), Pferd (die Idee) und Rennbahn (Rahmenbedingungen wie Organisation und Kultur) zusammenpassen. Erst dann gewinnt Innovation Tempo.

Innovationskultur: Historische Perspektive und tatsächliche Stärke Deutschlands

Helmuth Trischler, Leiter des Bereichs Forschung am Deutschen Museum und acatech Mitglied, brachte eine langfristige Sicht in die Diskussion ein: Innovationskultur wachse langsam – über Jahrzehnte. Deutschland stehe hierbei stabiler da, als viele glaubten, so Trischler. 2023 lag der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei 3,1 Prozent des BIP. Ein Wert, der Deutschland seit Jahren zu den forschungsstarken Ländern Europas zählen lässt.

Trischler erinnerte daran, dass Deutschland bereits in den 1920er-Jahren die erste echte Wissensgesellschaft war. Bis heute sei unser Land vor allem bei schrittweisen technischen Verbesserungen stark. Für die Zukunft brauche es jedoch Reformen: mehr Forschung über disziplinäre Grenzen hinweg, mehr partizipative Forschung unter Einbindung der Gesellschaft und mehr, vor allem frühere und intensivere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Mehr Studiengänge, die Forschung und Unternehmertum zusammenführen, könnten dies unterstützen.

Publikumsgespräch und Ausblick

Die von Marc-Denis Weitze (acatech Geschäftsstelle) moderierte Diskussion wurde eingeleitet von Murmelgruppen, in denen sich die Teilnehmer untereinander austauschten zu den Leitfragen „Wo stehen wir in Deutschland, aus meiner Sicht?“, „Was hat das Thema mit mir zu tun?“, „Welchen Spirit brauchen wir, und was können wir selbst dafür tun?“ Das Publikum fragte u.a., wie Deutschland den Transfer von Grundlagenforschung in marktreife Anwendungen beschleunigen könne. Rafaela Kraus plädierte dafür, dass Organisationen mehr Intrapreneurship von innen heraus wagen. Helmuth Trischler betonte, dass Innovation nicht nur vom Budget abhänge. Wichtiger seien veränderte Strukturen – offenere Lehre, neue Formen der Kooperation. Er verwies auf langjährige Untersuchungen von acatech, denen zufolge die Deutschen keineswegs technikfeindlich sind: Sie bewerten Technologien differenziert und wünschen sich Lösungen, die dem Gemeinwohl dienen.

Der TechTalk 28/4 – „Von der Idee zum Unternehmen“ wird am 27. Januar 2026 fortgesetzt. Dann stehen konkrete Gründungsbeispiele im Mittelpunkt – und die Frage, welche Bedingungen jungen Unternehmen zum Erfolg verhelfen: TechTalk 28/4: Von der Idee zum Unternehmen – Erfolge aus München

Schlagwörter

acatech am Dienstag | acatech in Bayern | Dialog & Debatte | Innovation | Startups | Technik & Gesellschaft

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    PD Dr. Marc-Denis Weitze
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Leiter Kommunikation
    Gesellschaft & Dialog
    Tel.: +49 89 520309-50
    weitze@acatech.de

    Claudia Strauß
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Koordinatorin Kommunikation
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