TechTalk 28/4: Innovationsgeist in der Alten Rotation – Wie aus Ideen erfolgreiche Unternehmen werden
München, 28. Januar 2026
Wo vor dreißig Jahren noch die Nachrichten für den nächsten Tag gedruckt wurden, schrieben am Dienstagabend Münchner Start-ups die Erfolgsgeschichten von morgen: Beim TechTalk 28/4, einer Kooperation von acatech, Münchner Volkshochschule und Münchner Merkur/tz, stellten sieben Start-ups aus der Region ihre Visionen vor. Rund einhundert Gäste füllten den Saal in der „Alten Rotation“ des Pressehauses, um zu erfahren, wie aus abstrakter Forschung konkrete Markterfolge werden – und wo die Hürden auf diesem Weg liegen.
Technologische Souveränität und Wohlstand entstehen erst, wenn Wissen unternehmerisch umgesetzt wird. Wie dieser Transfer gelingt, diskutierten Experten und Gründer gemeinsam mit dem Publikum. Als Gastgeber hieß Markus Franz von Ippen Digital die Gäste in den historischen Räumlichkeiten des Verlags willkommen. Am Beispiel der leeren Druckhalle machte der CTO des Verlags anschaulich, wie stark sich auch die klassischen Medien technisch neu erfinden müssen. Durch den Abend führte Lydia Weinberger, Fachgebietsleiterin Naturwissenschaften und Technik der MVHS. Sie unterstrich in ihrer Moderation das Ziel der TechTalk-Reihe: Einen niederschwelligen Rahmen zu schaffen, in dem Bürgerinnen und Bürger direkt mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft in den Dialog treten können.
Vom Land der Ideen zur Startrampe für unternehmerische Kreativität
Den wissenschaftlichen Rahmen spannte Rafaela Kraus, Professorin für Unternehmens- und Personalführung an der Universität der Bundeswehr in München. In ihrem Impuls beleuchtete sie die aktuelle Verfassung der deutschen Gründerszene. Zwar sei Deutschland ein Land der Ideen, doch bei der Skalierung und Kapitalisierung von Start-ups bestehe Nachholbedarf. Kraus plädierte für mehr Risikofreude. Es brauche Unterstützung für junge Talente, um die Lücke zwischen Forschungslabor und Markt zu schließen.
Sieben Pitches, sechs Minuten: Ein Kaleidoskop der Innovation
Im Mittelpunkt des Abends standen die Gründerinnen und Gründer selbst. In straffen sechsminütigen Pitches präsentierten sie ihre Lösungen – und zeigten dabei eine beeindruckende thematische Bandbreite.
Aus dem Bereich Chemie und Materialwissenschaft demonstrierte die COSA Group, wie unvorhersehbar Innovationspfade sein können: Was ursprünglich als Idee für ein Anti-Rutsch-Pad für Pferdehufe begann, entwickelte sich zu einer Hochtechnologie-Anwendung. Heute liefert das Start-up spezialisierte Materialien, die in der Raumfahrt, im Operationssaal oder in der Industrie zum Einsatz kommen. „Man muss nicht wissen, wo man landet, man muss nur losgehen“, fasste Gründerin Janine-Melanie Potreck ihr Credo zusammen. Wie Künstliche Intelligenz die Materialwissenschaft revolutioniert, zeigte Josua Vieten von ExoMatter, einem Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Seine Plattform beschleunigt die Suche nach neuen Werkstoffen erheblich, indem sie digitale Simulationen nutzt, statt auf langwierige physische Tests zu warten.
Weitere Teams legten einen starken Fokus auf gesellschaftliche und ökologische Probleme: Leonardo Benini und Alexander Wolter präsentierten mit ihrem Start-up Helmit eine KI-gestützte App, die Kinder und Jugendliche in sozialen Medien vor Cybermobbing und Cybergrooming schützt, ohne deren Privatsphäre zu verletzen. Stefan Hannus von Varolis widmet sich dem Erhalt der Biodiversität: Sein Team entwickelte ein Medikament gegen die Varroamilbe, die Bienenvölker weltweit bedroht. Der Wirkstoff zeigt eine Wirksamkeit von 98 Prozent und bleibt dabei rückstandsfrei – ein potenzieller Gamechanger für die weltweit 100 Millionen Bienenvölker. Ergänzend dazu stellte Ernährungswissenschaftler Christoph Wallner sein Brettspiel Nährstoffe vor, das Transparenz und Qualität bei Lebensmittelinhaltsstoffen spielerisch vermittelt und so die Ernährungskompetenz in Schulen und Familien stärken soll.
Lösungen für den urbanen und den digitalen Raum komplettierten das Feld: David Schön (VePa Vertical Parking) präsentierte innovative Parktürme, die nach dem Paternoster-Prinzip funktionieren und so Parkraum vertikal stapeln, um wertvolle Stadtfläche zu entsiegeln. Markus Sosnowski von Aproxymade zeigte, wie die digitale Infrastruktur effizienter werden kann: Sein Ansatz zielt darauf ab, Datennetze im KI-Zeitalter zu entlasten und so Zeit, Kosten und Energie einzusparen.
Fragen, diskutieren, vernetzen
Im Anschluss an die Präsentationen löste sich das Plenum in thematische Tischgruppen auf. Hier nutzten die Gäste die Gelegenheit, den Gründerinnen und Gründern direkt Fragen zu stellen – von der Finanzierung über die Patentanmeldung bis hin zu ethischen Aspekten der KI. Rafaela Kraus zeigte sich im Nachgang der Veranstaltung beeindruckt von der Qualität der Projekte. Die große Bandbreite der Präsentationen sei ein Beleg für den enormen unternehmerischen Einfallsreichtum am Standort München, so die Expertin.
Fazit: Mehr Optimismus wagen
Das Schlusswort sprach Michael Friedrich Zäh, Präsidiumsmitglied von acatech und Professor an der TU München für Maschinenbau und Produktionstechnik. Er griff die Energie des Abends auf und appellierte an die Anwesenden, den Gründungsgeist in die Gesellschaft zu tragen. „Wir brauchen mehr Optimismus und das Selbstbewusstsein, Risiken einzugehen“, sagt Zäh. Technikwissenschaften seien der Schlüssel, um globale Herausforderungen zu lösen, doch es brauche auch die gesellschaftliche Akzeptanz und Neugier, diese Lösungen anzuwenden.
Der nächste TechTalk ist bereits in Planung und wird sich der Frage widmen: „Wem gehört die Stadt?“.











