Von der Technologiepolitik zur Anwendung: türkische Delegation zu Gast bei acatech
München, 8. Mai 2026
Wie entsteht aus strategischer Technologiepolitik konkrete Umsetzung? Und welche Strukturen verbinden Wissenschaft, Industrie und Politik dauerhaft miteinander? Über diese Fragen diskutierte acatech mit einer hochrangigen türkischen Delegation aus Ministerien, Forschung und Industrie.
Dazu begrüßte acatech Vertreterinnen und Vertreter aus dem türkischen Ministerium für Industrie und Technologie, der Forschungsorganisation TÜBİTAK, der KMU-Förderorganisation KOSGEB, dem Fraunhofer IAO sowie weitere Innovationsakteure. Gemeinsam diskutierten sie am 8. Mai 2026 in der Münchner acatech Geschäftsstelle über innovationspolitische Strukturen, Technologietransfer und Industrie 4.0.
Karen Wagner (Leiterin Internationale Beziehungen bei acatech) stellte Arbeitsweise und Selbstverständnis der Akademie vor. Den Fokus lenkte sie auf die Rolle von acatech als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie die Zwei-Säulen-Struktur aus Wissenschaft und Wirtschaft. Zudem präsentierte sie die internationale Vernetzung von acatech und veranschaulichte, wie sich die Akademie im europäischen Akademienverbund Euro-CASE sowie im globalen Netzwerk CAETS engagiert – inklusive Ausblick auf die internationale CAETS-Jahreskonferenz 2026 in München. In diesem Zusammenhang berichtete die Delegation über die nationale Akademiestruktur in der Türkei, die bislang nicht Teil der internationalen Akademienverbünde ist. Ein möglicher zukünftiger Anschluss an europäische oder globale Netzwerke floss in die Diskussion ein.
Impulse zu Forschung und Anwendung im Forschungsbeirat Industrie 4.0
Im zweiten Teil der Veranstaltung stelle Joachim Sedlmeir (Leiter des acatech Projekts „ReCoRD“) den Forschungsbeirat Industrie 4.0 vor und erklärte, wie sich das Gremium zusammensetzt, ausrichtet und seinen Auftrag erfüllt. Dabei fokussierte er insbesondere die komplementäre Beziehung zwischen strategischen Forschungsfragen und Aspekten der Implementierung. Der Forschungsbeirat wird durch das acatech Projektbüro koordiniert und begleitet als strategisches, unabhängiges und interdisziplinären Gremium die Plattform Industrie 4.0, ihre Arbeitsgruppen und die beteiligten Bundesministerien, insbesondere das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Er entwickelt Impulse für zukünftige Forschungs- und Innovationsbedarfe im Kontext von Industrie 4.0 und veröffentlicht diese in verschiedenen Formaten, zuletzt in einem Strategiepapier mit Roadmaps zu Geschäftsmodellen, Engineering, Zukunft der Arbeit und Nachhaltigkeit. Sie adressieren insbesondere die Hightech-Agenda der Bundesregierung und wirken generell auch in die Weiterentwicklung politischer Strategien ein.

In der anschließenden Diskussion zeigte die türkische Delegation großes Interesse an Initiativen wie dem Forschungsbeirat Industrie 4.0 und der Plattform Industrie 4.0. Hintergrund ist der Wunsch, vergleichbare Strukturen und Dialogformate auch in der Türkei weiterzuentwickeln. So bestimmten Fragen zu wissenschaftsbasierter Politikberatung, der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und Politik sowie nachhaltigen Transfer- und Innovationsstrukturen den weiteren Austausch.
Strategien, um Nachwuchs und Fachkräfte im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften zu gewinnen, machten die Agenda komplett: Vor diesem Hintergrund stellten sich die Teilnehmenden der Frage, wie sich junge Menschen stärker für MINT-Fächer und technologische Innovationen begeistern lassen.
Der Besuch unterstrich erneut die Bedeutung internationaler Kooperationen im Bereich technologieorientierter Politikberatung. Er bot zahlreiche Anknüpfungspunkte für einen weiteren deutsch-türkischen Austausch zu Innovation, Transfer und Industrie 4.0.


