Selber denken oder denken lassen? KI und die Zukunft der Freiheit
München, 30. September 2025
Volles Haus im Auditorium des Deutschen Museums: Vor 140 Gästen und zusätzlich 70 Hörerinnen und Hörern im Livestream stellte acatech Mitglied Armin Grunwald (Karlsruher Institut für Technologie, KIT) Überlegungen zur Zukunft von Aufklärung und Freiheit im Zeitalter Künstlicher Intelligenz (KI) zur Diskussion. Sein Vortrag mit anschließender Diskussion fand im Rahmen der Reihe „Wissenschaft für jedermann“ statt, an der sich acatech seit 2014 beteiligt.
Nach der Begrüßung durch den neuen Generaldirektor des Deutschen Museums und acatech Mitglied Michael Decker stellte Armin Grunwald zunächst die Prinzipien der Aufklärung vor, die auf Immanuel Kant zurückgehen: Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen – das ist der Wahlspruch der Aufklärung. Selbst zudenken ist sowohl Quelle als auch Ausdruck der Freiheit.
Die Freiheit des Denken Lassens?
Anschließend stellte er Technik als Medium der Freiheit vor: So erlaubt es die Technik den Menschen, sich von Zwängen der Natur (z.B. körperliche Beschränkungen, Beschränkung von Ressourcen) zu befreien. Künstliche Intelligenz (KI) verspricht in diesem Zusammenhang, sich der Mühsal und Fehleranfälligkeit des Selbstdenkens zu entledigen. Sie befreit vorgeblich von mühsamen und langweiligen Tätigkeiten und eröffnet stattdessen neue Freiräume für Kreativität. Großzügig bietet die KI heute an, das Denken nicht nur zu übernehmen, sondern es auch gleich viel besser zu machen als die Menschen.
Armin Grunwald warf die Frage auf, ob dies alles überhaupt wünschenswert und als Emanzipationsleistungen durch KI anzuerkennen ist – oder ob damit das Menschenbild der Aufklärung durch KI untergraben wird: Wird das Selbstdenken angesichts der Versprechungen technischer Perfektion gar zu einem Auslaufmodell für Nostalgiker? Treten KI-gesteuerte Roboter das Erbe der Menschen an, während diese als defizitäre Wesen demütig abdanken? Stehen wir am Ende der Entwicklung vor der KI wie vor dem Orakel von Delphi in vormoderner Zeit?
Die Gefahren der Bequemlichkeit vs. digitale Mündigkeit
Durch eine selbstverschuldete Unmündigkeit – verursacht durch übermäßige Datengläubigkeit, ökonomischen Druck oder einfach durch Bequemlichkeit – drohe durchaus eine neue Unfreiheit, warnte Armin Grunwald. Die Ursachen liegen jedoch nicht in der Technologie der Künstlichen Intelligenz: „Nicht KI nimmt uns das Denken ab, sondern wir geben es ab“, so Armin Grunwald.
Er plädierte in dieser Situation dafür, KI gut zu nutzen, um unser Selbstdenken zu unterstützen und „Sapere Aude“ im Sinne digitaler Mündigkeit zu verstehen:
- KI nutzen, ohne in die Fallen selbstverschuldeter Unmündigkeit zu geraten.
- Sich nicht von den Erzählungen vom „der Technik unterlegenen“ Menschen beeindrucken lassen, sondern menschliche Fähigkeiten entwickeln, die die Algorithmen nicht haben.
- Den homo responsibilis entwickeln – Menschen, die zur übergreifenden und vorsorgenden Verantwortung befähigt und verpflichtet sind.
- Eigenständiges Denken in Alternativen pflegen, statt deterministischen Erzählungen oder Influencern hinterherzulaufen, oder fatalistisch zu werden.
Der gesamte Vortrag von Armin Grunwald und die anschließende Diskussion zum nachhören:
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