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Sind wir nur noch Zauberlehrlinge? Peter Dabrock über Vertrauen und Ethik in der KI

Die oben gezeigte Grafik erstellte Peter Dabrock mit Hilfe von "ChatGPT 5.5. Thinking" auf der Grundlage seines Vortragsmanuskripts.

München, 3. Juni 2026

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst mehr als ein technisches Werkzeug: Sie prägt Alltag und Arbeit, treibt gesellschaftliche Veränderungen voran – schnell, tiefgreifend und mit weitreichenden Folgen. Wie lässt sich darauf reagieren? Sind Algorithmen vertrauenswürdig, die wir nicht verstehen? Sind diese Technologien noch kontrollierbar oder verlieren wir – wie Goethes Zauberlehrling – die Macht über unsere eigenen Schöpfungen? Bei „Servus, KI!“ sprach Peter Dabrock vor über 100 Online-Teilnehmenden darüber, wie vertrauenswürdige KI entstehen kann und welche ethischen Leitplanken im technologischen Wandel notwendig sind.

„Servus, KI!“ – das ist der Titel der Veranstaltungsreihe von bayerischen Volkshochschulen und Wissenschaftsorganisationen. Hier diskutieren Fachleute und Interessierte die Anwendungsfelder, Chancen und Herausforderungen von KI – an wechselnden Veranstaltungsorten, online und hybrid. Zum Abschluss der ersten Staffel sprach Peter Dabrock (Professor für Systematische Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied des acatech-Präsidiums) über Vertrauen, Verantwortung und ethische Leitplanken im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Die Zuhörerinnen und Zuhörer durften dabei keine einfachen Antworten erwarten, sondern eine differenzierte Beleuchtung der Herausforderungen, vor die KI uns stellt. Künstliche Intelligenz sei längst mehr als ein technisches Werkzeug, erklärte Peter Dabrock. Sie präge gesellschaftliche Prozesse tiefgreifend und beschleunige sie enorm. Umso dringlicher stelle sich die Frage, wie Vertrauen in Systeme wachsen könne, deren Funktionsweise selbst Fachleute oft nur schwer durchschauen.

Der Zauberlehrling und die Grenzen der Kompetenz

Einen Deutungsrahmen schuf Peter Dabrock mit dem Verweis auf Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“. Ihre Aktualität liege nicht in der Unfähigkeit des Lehrlings, im Gegenteil: Er verfüge über ausreichend Kompetenz, um Prozesse in Gang zu setzen. Sein Scheitern beginne erst dort, wo er seine Fähigkeiten überschätze und die Folgen seines Handelns weder verstehen noch kontrollieren könne. Für den Umgang mit KI sieht Peter Dabrock darin eine Warnung vor technologischem Dilettantismus und blindem Vertrauen in die eigene Gestaltungsmacht. Der Zauberlehrling erkenne diese Gefahr und rufe nach dem Meister. Doch wer kann diese Rolle heute übernehmen? Sicher nicht allein die großen Technologieunternehmen, so Peter Dabrock. Vertrauenswürdige KI entstehe vielmehr durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Komponenten: angefangen bei der Regulierung, über demokratische Institutionen, eine wachsame Zivilgesellschaft, ethische Reflexion bis hin zu technischem Sachverstand.

Die Matrix-Frage: Verlernen wir das Urteilen?

Peter Dabrock spannte den Bogen weiter zur „Matrix“-Metapher und damit in den Bereich des Science-Fiction-Epos: Was geschieht, wenn Menschen nicht nur Kompetenzen verlieren, sondern sie gar nicht erst erwerben? Die entscheidende Frage zur KI sei, ob radikales Verlernen (De-Skilling) und Nicht-Erlernen (Never-Skilling) langfristig die Urteilskraft schwächen, die notwendig ist, um technologische Abhängigkeiten zu erkennen und ihnen standzuhalten. Daraus folge unmittelbar die Frage nach der Bildung von morgen: Welche Kompetenzen brauchen wir selbst und welche unsere Kinder, um in einer von KI geprägten Welt handlungsfähig zu bleiben?

Vortrag und Diskussion sind hier einsehbar:

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Warum Bildung zur Schlüsselressource wird

Mit dem Gegensatz zwischen Goethes „Zauberlehrling“ und der „Matrix“ schuf Peter Dabrock einen Rahmen, um die ethischen Fragen rund um KI verständlich zu machen. Er beschränkte die Debatte nicht auf Technologie oder Regulierung, sondern rückte Bildung, Urteilskraft und gesellschaftliche Resilienz als entscheidende Faktoren in den Fokus.

Seinen Vortrag endete er mit dem Appell, das eigene Leben nicht völlig vom „Onlife“ bestimmen zu lassen. Persönliche Begegnungen, wie sie gerade die Volkshochschulen täglich ermöglichen, seien ein wichtiger Gegenpol zu digitalen Abhängigkeiten. Wenn nicht optimistisch, so doch hoffnungsvoll: Mit dieser Einstellung entließ Peter Dabrock die Teilnehmenden dieser Veranstaltung.

Mit der Veranstaltung schloss die erste Staffel von „Servus, KI!“ nach sieben Vorträgen ab. Die bayerischen Volkshochschulen führen die Tour „Servus, KI! Der Bayern-Dialog zu Künstlicher Intelligenz“ im Freistaat fort: Ab Herbst 2026 laden weitere Vorträge mit anschließender Diskussion dazu ein, verschiedene Anwendungsfelder, Chancen und Herausforderungen von KI kennenzulernen, mitzudiskutieren und weiterzudenken. An ausgewählten Volkshochschulen kommen Bürgerinnen und Bürger mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis ins Gespräch. Mit dabei: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) und die Plattform Lernende Systeme (PLS).

Schlagwörter

acatech am Dienstag | acatech in Bayern | Dialog & Debatte | KI | Künstliche Intelligenz | Technik & Gesellschaft

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