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Zehn Jahre „acatech am Dienstag“: Jubiläumsveranstaltung mit systemischer Aufstellung

© acatech

München, 18. Juni 2026

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften feierte das zehnjährige Bestehen ihrer Dialogreihe „acatech am Dienstag“ mit einem innovativen Format. Statt Vorträgen, Podiumsdiskussion oder Tischgruppen stand diesmal eine systemische Aufstellung im Mittelpunkt. Ziel war es, Wissenschaftskommunikation nicht nur zu diskutieren, sondern ihre Dynamiken und Spannungsfelder unmittelbar erfahrbar zu machen.

Michael Zäh von der Technischen Universität München und Mitglied des acatech Präsidiums begrüßte die Gäste. Ruth Sander, systemische Beraterin, Supervisorin, Coach und Entwicklerin des Formats „Politik im Raum“, leitete den Abend. Sie erklärte, dass es bei Aufstellungen zu gesellschaftspolitischen Themen nicht um objektive Wahrheiten gehe, sondern darum, ein Thema sinnlich erfahrbar zu machen und anschließend gemeinsam zu reflektieren, welche Wahrnehmungen und Einsichten sich daraus ergeben.

Michael Zäh, Ruth Sander, Wolfgang Heckl und Wolfgang C. Goede. | © acatech

Geschichten erzählen als Kern der Wissenschaftskommunikation

Ruth Sander fragte Wolfgang Heckl, langjähriger Generaldirektor des Deutschen Museums, emeritierter Professor an der Technischen Universität München und acatech Mitglied, ob sich Wissenschaftskommunikation verändert habe. Wolfgang Heckl beantwortete die Frage mit einem klaren ‚Ja‘ und betonte, dass sich die Kommunikationsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren erweitert haben – meist zum Positiven. Aufmerksamkeit lasse sich heute stärker durch persönliches Engagement gewinnen. Für ihn sei Wissenschaftskommunikation eng mit dem Erzählen von Geschichten verbunden. „Warum mache ich Wissenschaftskommunikation? Weil ich gerne Geschichten erzähle und Spaß daran habe“, sagte er. Im Museum sei diese Fähigkeit zentral, und er lerne bei jedem Kommunikationsprozess dazu: Wer erkläre, erweitere auch das eigene Verständnis.

Der Wissenschaftsjournalist Wolfgang C. Goede ergänzte die Perspektive seines Berufsstands. Beim Schreiben fehle oft die Anschaulichkeit. Wissenschaftliche Themen so aufzubereiten, dass Leserinnen und Leser ein konkretes Bild bekommen, sei eine Herausforderung. Wissenschaftskommunikation müsse stets auch die größere Frage im Blick behalten: Wie wirkt Wissenschaft mit unserer Gesellschaft zusammen, und wie entsteht daraus Zukunft?

Mit wem soll Wissenschaft kommunizieren?

Im Zentrum des Abends stand anschließend die Frage, mit wem Wissenschaft kommunizieren soll bzw. welche Akteure für Wissenschaftskommunikation relevant sind. Die Gäste nannten Öffentlichkeit, Politik, Medien und Wirtschaft, dazu auch Kunst, Erziehung & Bildung und „die nächste Generation“. Nach einer lebhaften Diskussion einigte sich die Runde auf fünf zentrale Akteure zusätzlich zur Wissenschaft: Öffentlichkeit, Politik, Medien, Wirtschaft sowie Erziehung & Bildung.

Die Aufstellung: Erwartungen an die Wissenschaft

Sechs Freiwillige aus dem Publikum verkörperten dann für die Aufstellung die Rollen dieser Gesellschaftssysteme. Die Teilnehmenden sollten dabei nicht ihre persönliche Meinung vertreten – sondern aus ihrer jeweils angenommenen Rolle heraus beschreiben, welche Erwartungen sie an Wissenschaftskommunikation haben und welche Beziehung sie zu den anderen Rollen spüren.

Die „Wissenschaft“ formulierte das Dilemma, das vielen Forschenden vertraut sein dürfte: Alle relevanten Gruppen gleichzeitig zu erreichen und mit ihnen in den Dialog zu treten, sei außerordentlich schwierig. Die „Öffentlichkeit“ wünschte sich Kommunikation auf Augenhöhe, verständlich und unterhaltsam. Die „Politik“ forderte Orientierung und Entscheidungsgrundlagen und – ganz unverblümt – dass Wissenschaft politische Entscheidungen Evidenz legitimiert. Die „Medien“ wollten aktuelle Themen verständlich aufbereiten und benötigten dafür belastbare Fakten und Einordnung durch wissenschaftliche Fachleute. Die „Wirtschaft“ wünschte einen offenen Dialog über technologische Möglichkeiten und Grenzen. „Erziehung & Bildung“ plädierte für mehr direkte Begegnungen und Einblicke in Forschungseinrichtungen.

In mehreren Runden konnten die Rollenträger ihre Position im Raum – und damit die Beziehung zu den anderen Rollen – verändern. Wo und wie fühlen sich alle wohl? Im Schlussbild zeigte sich eine stabile Konstellation.

Unterschiedliche Erwartungen an die Aufstellung – und an die Wissenschaftskommunikation

Es folgte eine Reflexion des Erlebten – zuerst in Murmelgruppen, anschließend im Plenum: Viele Teilnehmer kannten die Methode nicht und waren erstaunt, welche Themenaspekte sichtbar werden. Methodenexperten bemerkten, dass die Aufstellung wenig emotional verlief. War die Fragestellung zu breit? Die Rollen zu abstrakt?

Monika Landgraf, Direktorin Unternehmenskommunikation der Fraunhofer-Gesellschaft, zog ein Fazit des Abends: Die Aufstellung verdeutlicht, dass Wissenschaftskommunikation weit über die Vermittlung von Fakten hinausgeht. Wer Wissenschaft kommuniziere, bewege sich in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse. Als wichtigste Erkenntnis des Abends betonte Landgraf die Bedeutung des Aufeinander-Hörens: Gute Wissenschaftskommunikation entsteht dort, wo Dialog gelingt und verschiedene Perspektiven akzeptiert und ernst genommen werden.

Ein Jubiläum mit Perspektivenwechsel

Marc-Denis Weitze, Wolfgang C. Goede, Michael Zäh, Monika Landgraf, Wolfgang Heckl und Ruth Sander. | © acatech

Zum zehnjährigen Jubiläum von „acatech am Dienstag“ gelang damit eine Veranstaltung, die weniger Antworten liefern wollte als neue Perspektiven eröffnen. Die systemische Aufstellung erwies sich als wirkungsvoller Ansatz, um komplexe Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sichtbar zu machen.

Impressionen vom Abend:

 

Weiterführende Informationen

  • Politik im Raum
  • „Wir müssen reden“: acatech startet neues Dialogformat (2016)
  • Zehn Jahre Technikdialog bei „acatech am Dienstag“: mehr als 200 Veranstaltungen – und eine Anleitung
  • Dialogveranstaltungen gestalten, moderieren, weiterentwickeln
  • LinkedIn

 

Schlagwörter

acatech am Dienstag | acatech in Bayern | Dialog & Debatte | Technik & Gesellschaft | Technikwissenschaften | Wissenschaftskommunikation

  • Kontakt

    PD Dr. Marc-Denis Weitze
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Leiter Kommunikation
    Gesellschaft & Dialog
    Tel.: +49 89 520309-50
    weitze@acatech.de

    Claudia Strauß
    acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
    Koordinatorin Kommunikation
    Gesellschaft & Dialog
    Tel.: +49 89 520309-28
    strauss@acatech.de

  • Themen

    Technik & Gesellschaft

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