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Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland: Vortrag und Diskussion mit den Volkshochschulen

© Festo SE & Co. KG

München, 30. Juni 2026

Die industrielle Produktion bildet eine wichtige Grundlage des Wohlstands in Deutschland. Doch steigende Energiekosten, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck stellen das Modell „Made in Germany“ vor erhebliche Herausforderungen. Wie die Wirtschaft darauf reagieren kann und welche Rolle neue Technologien dabei spielen, stand im Mittelpunkt von acatech am Dienstag in Kooperation mit vhs.wissen live. Björn Sautter, Senior Expert Industrie 4.0 bei der Festo SE und stellvertretender Industriesprecher des Forschungsbeirats Industrie 4.0, sprach über Perspektiven einer wettbewerbsfähigen, resilienten und nachhaltigen Produktion.

Michael Zäh von der Technischen Universität München und Mitglied des acatech Präsidiums begrüßte die Gäste. Er betonte die besondere Rolle von acatech als interdisziplinäre Akademie, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Anforderungen der unternehmerischen Praxis verbinde. Gerade in Zeiten tiefgreifender technologischer und wirtschaftlicher Umbrüche sei der Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft sowie Politik und Gesellschaft zentral. Festo gehört zu den Senatsunternehmen von acatech.

Bedeutung der Produktion für Wohlstand und Souveränität

Zu Beginn seines Vortrags verwies Björn Sautter auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Industrie. Diese erschöpfe sich nicht in Kennzahlen wie Exportquoten oder Bruttowertschöpfung: Industrie sichere Arbeitsplätze, ermögliche Innovationen und trage zur Versorgungssicherheit und wirtschaftlichen Souveränität bei. Wie stark moderne Gesellschaften von funktionierenden industriellen Netzwerken abhingen, zeige sich, sobald globale Lieferketten unterbrochen würden. Am Beispiel von Festo und des Lasertechnik-Unternehmens TRUMPF verdeutlichte er, wie industrielle Schlüsseltechnologien – von der Automatisierung bis zur Halbleiterfertigung – oft unsichtbar im Alltag wirkten.

Industrie 4.0 als Antwort auf den Wandel

Die gegenwärtigen Schwierigkeiten seien nicht die erste große Transformation, erinnerte Björn Sautter. Schon die Finanzkrise 2009 habe gezeigt, dass Deutschland sein industrielles Fundament fortlaufend weiterentwickeln müsse. Das Konzept Industrie 4.0 knüpfe an frühere Umbrüche an: von der Mechanisierung über die Elektrifizierung und Massenproduktion bis hin zur Automatisierung durch Elektronik und IT. Die vierte industrielle Revolution beruhe auf cyber-physischen Systemen, die reale Produktionsprozesse mit digitalen Informationswelten vernetzten.

Schlüsseltechnologien der Zukunft

Neben einer Quelle für Wohlstand sei die Produktion zugleich Ermöglicher zentraler Zukunftstechnologien, so Björn Sautter. Im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland spielten Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Bio-, Fusions- und Batterietechnologien eine Schlüsselrolle. Produktion sei dabei mehr als ein nachgelagerter Fertigungsschritt: Forschungsergebnisse würden erst wirtschaftlich wirksam, wenn sie in industrielle Wertschöpfung überführt würden. „So wird die Forschung von heute zur Wertschöpfung von morgen“, sagte er. Entsprechend befassten sich aktuelle Forschungsprogramme nicht nur mit Technik, sondern auch mit den Menschen in der Wertschöpfung, neuen Geschäftsmodellen, Ressourcenfragen sowie der Vernetzung und Kooperation in industriellen Ökosystemen.

Der Vortrag von Björn Sutter ist hier in einer Aufzeichnung zu sehen:

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Der Mensch bleibt im Zentrum

Menschenleere „Dark Factories“, in denen Maschinen rund um die Uhr autonom arbeiteten, gebe es bereits in ersten Anwendungen, vor allem in der hochstandardisierten Massenfertigungen, so Björn Sautter. Die Realität moderner Produktion sei jedoch komplexer: Ohne den Menschen in der Produktion sei die Zukunft der Industrie nicht denkbar. Bei unerwarteten Problemen, anspruchsvollen Feinmontagen oder kreativen Lösungsprozessen bleibe der Mensch unverzichtbar und werde zunehmend zum Orchestrator hochautomatisierter Systeme. Kreativität, Flexibilität und Problemlösungskompetenz könnten Maschinen auf absehbare Zeit nicht ersetzen, betonte Sautter und verwies auf die Bedeutung lebenslangen Lernens. Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Politik müssten gemeinsam dafür sorgen, dass Menschen neue Technologien nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug begriffen und kompetent einsetzten. Wichtig sei vor allem, junge Menschen für Technik zu begeistern. Deutschlands Stärke liege weiterhin in seinem Bildungs- und Forschungssystem, das jedoch fortlaufend weiterentwickelt werden müsse.

Krise als Chance zur Neuerfindung

In der Fragerunde standen die Herausforderungen des Standorts Deutschland im Mittelpunkt: hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, Rohstoffabhängigkeiten und bürokratische Hürden. Laut Sautter verfügt Deutschland über eine außergewöhnlich starke Forschungs- und Innovationslandschaft. Als entscheidenden Wettbewerbsfaktor nannte er die Geschwindigkeit: Während Entwicklungen vor allem in Südostasien rasch voranschritten, müsse Deutschland Innovationen schneller in marktfähige Produkte überführen. Auch im Thema Klimaschutz sah er Chancen – Lösungen für Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Datensouveränität könnten zu europäischen Wettbewerbsvorteilen werden.

Technologieoffenheit als Erfolgsfaktor

Sein Fazit: Deutschland könne nur erfolgreich bleiben, wenn es auf Innovation, Technologieoffenheit und wissenschaftliche Exzellenz setze. Die Zukunft der Produktion werde weder allein von Robotern noch allein von Menschen gestaltet; erfolgreich würden jene Systeme sein, die digitale Technologien, KI und menschliche Kompetenzen verbänden. So könne die aktuelle Krise zur Chance werden, „Made in Germany“ für eine vernetzte, nachhaltige und resiliente Wertschöpfung neu zu erfinden.

Weitere Informationen

Folien des Vortrags: „Zukunft der industriellen Produktion in Deutschland“

Schlagwörter

acatech am Dienstag | acatech in Bayern | Dialog & Debatte | Industrie 4.0 | Technik & Gesellschaft | Wirtschaft

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