Fast jede zweite Demenzerkrankung ließe sich durch umfassende Prävention mit Blick auf 14 gut erforschte Risikofaktoren verhindern. Deshalb sprechen sich die Wissenschaftsakademien – acatech, Leopoldina und Akademienunion – in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine stärkere „Datengetriebene Demenzprävention“ aus. Gesundheitsdaten ermöglichen eine bessere individuelle Risikoeinschätzung und eine intensivere Erforschung der komplexen Krankheiten. Davon könnte auch die Prävention weiterer Volkskrankheiten, etwa Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes, profitieren.
Trotz wichtiger Fortschritte in der jüngeren Forschung ist eine Heilung oder eine effektive Behandlung von Demenz für viele Teile der Bevölkerung aktuell nicht absehbar.
Demenzerkrankungen belasten Betroffene und pflegende Angehörige enorm. In Deutschland waren 2023 schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen erkrankt – binnen 25 Jahren erwartet die Expertengruppe der Akademien einen Anstieg um 50 Prozent auf 2,7 Millionen. Schon heute beziffern Expertinnen und Experten die gesamtgesellschaftlichen Kosten durch Demenzen mit mehr als 80 Milliarden Euro.
Prävention durch Vermeidung oder Verringerung beeinflussbarer Risikofaktoren bietet die derzeit beste Möglichkeit zur effektiven Linderung der Krankheitslast.

„Demenzen sind keine zwangsläufige Alterserscheinung und auch nur zu einem geringen Anteil erblich – wir könnten somit das Auftreten einer Demenz beeinflussen“, erklärt die Leiterin der Akademien-Arbeitsgruppe, Svenja Caspers (Universitätsklinikum Düsseldorf und Forschungszentrum Jülich). „Die Möglichkeiten für Demenzprävention werden derzeit nicht ausgeschöpft. Dafür müssen wir das Zusammenspiel von Risikofaktoren besser verstehen und Menschen in der Prävention individuell unterstützen. Dazu brauchen wir eine bessere Nutzbarmachung bestehender Daten für die eigene Gesundheitsfürsorge sowie eine erweiterte Datenintegration für die Forschung. Wenn die bisherigen Bemühungen zum Erhalt der Gehirngesundheit fortgesetzt und im Sinn einer datennutzenden Prävention weiterentwickelt werden, kann das gelingen.“
In sechs Schritten zur datengetriebenen Demenzprävention
Nationale Demenzstrategie
Die Nationale Demenzstrategie sollte als Dekade für Gehirngesundheit nach 2026 fortgeschrieben und weiterentwickelt werden.
Gesundheitsdatennutzung
Forschung
Wissenschaftskommunikation
Eine verstärkte Wissenschaftskommunikation sollte Bürgerinnen und Bürger aktiv einbeziehen, um die Wichtigkeit von Prävention zu vermitteln: Aktuell halten weltweit 80 Prozent der Menschen Demenz für eine Alterserscheinung und nicht für eine Krankheit.
App-Entwicklung
Begleitende Verhältnisprävention
Eine begleitende Verhältnisprävention soll die gesunde Lebensweise fördern, um Demenz-Risikofaktoren zu mindern. Zum Beispiel durch die Reduzierung des Alkohol- und/oder Tabakkonsums, aber auch durch Gestaltung einer städtischen Umgebung, die Bewegung fördert.
Hierfür werden im ersten Schritt Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko mittels eines kostengünstigen, breit anwendbaren Verfahrens identifiziert. Im zweiten Schritt werden die Betroffenen dann mit spezifischeren Verfahren auf relevante pathologische Veränderungen im Zusammenhang mit einer Demenz hin beobachtet.
14 Risikofaktoren sind für 45 Prozent der Demenzfälle verantwortlich
Technologie- und Datennutzung bilden die Basis für eine zielgerichtete Verhaltensprävention sowie die Ableitung effektiver Maßnahmen für die Verhältnisprävention.
Gesamtpräventionsstrategie mit weitreichenden Synergieeffekten
Die Präsidentinnen und Präsidenten der Wissenschaftsakademien bewerten die skizzierten Handlungsoptionen als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer Gesamtpräventionsstrategie:



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Weiterführende Informationen
Link zur Publikation: Datengetriebene Demenzprävention
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Kontakt
Thomas Steiner
acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
Wissenschaftlicher Referent
Tel.: +49 89 520309-923
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Clemens Wolf
acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
Stellv. Leitung Kommunikation
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