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acatech am Dienstag: Kontroverse Diskussion zur Bedeutung von Social Media für die Wissenschaftskommunikation

Auch die Podiumsdiskussion brachte keine Antwort auf die Frage, ob die Social Media eine Chance oder eine Bedrohung für die Wissenschaftskommunikation darstellen. Foto: acatech

München,

5. Dezember 2017

Social Media – Chance oder Bedrohung für die Wissenschaftskommunikation? Diese Frage diskutierten die acatech Mitglieder Christoph Neuberger (LMU München), Dietram Scheufele (University of Wisconsin-Madison) und Peter Weingart (Universität Bielefeld) bei acatech am Dienstag. Die Referenten nahmen dabei durchaus unterschiedliche Standpunkte ein.

 

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Vor allem die Social Media ermöglichen heute völlig neue Arten, wissenschaftliche Inhalte zu kommunizieren, zu rezipieren und zu diskutieren. Um auf die Chancen, aber auch um auf die Gefahren in diesem Zusammenhang aufmerksam zu machen, haben die Wissenschaftsakademien die Stellungnahme „Social Media und digitale Wissenschaftskommunikation. Analyse und Empfehlungen zum Umgang mit Chancen und Risiken in der Demokratie“ erarbeitet. Die im Sommer 2017 veröffentlichte Stellungnahme macht die Dringlichkeit weiterer Forschungen deutlich. Bei acatech am Dienstag am 5. Dezember wurde das Thema der Publikation aufgegriffen und kontrovers diskutiert.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der LMU München Thesen zum Wandel der Wissenschaftsöffentlichkeit vor und erläuterte diese anhand ausgewählter Studien. Dabei unterstrich er, dass Nachrichten – genauso wie wissenschaftliche Inhalte ­– immer häufiger im Internet konsumiert würden. Die Social Media seien dabei einer der Hauptbeschaffungsorte. Für Neuberger sind sie zudem ein Ort, an dem man Wissenschaft transparent machen kann – aber auch ein Ort, an dem Fake News und Verschwörungstheorien Verbreitung und Gehör finden.

Dietram Scheufele, der an der University of Wisconsin-Madison über Wissenschaftskommunikation forscht, machte deutlich, dass Social Media auch ein Segen für die Wissenschaftskommunikation sein kann. Komplexe Themen wie z.B. Impfen könnten anschaulicher erklärt und schneller verbreitet werden; Debatten könnten unter Einbeziehung einer Öffentlichkeit stattfinden, die man früher über die klassischen Medien nicht habe erreichen können. Auch in den flachen Hierarchien der Social Media, in denen Beiträge stärker inhaltlich und weniger stark nach dem Namen des Absenders bewertet werden, sieht Scheufele Chancen.

Verhaltener optimistisch zeigte sich der Soziologe Peter Weingart, Sprecher der Akademien-AG, in seinem Vortrag. Da laut Studien gerade junge Social Media-Nutzer heute häufig nicht zwischen bezahlten und organischen Nachrichteninhalten auf den einschlägigen Plattformen unterscheiden könnten, sei es zunächst dringend notwendig, Medienkompetenzen stärker zu fördern. Auch über eine Regulierung der Sozialen Medien müsse angesichts der gewaltigen Flut an Falschmeldungen und Hasskommentaren nachgedacht werden. Weingart forderte außerdem eine Stärkung des Wissenschaftsjournalismus, da man das Feld der Wissenschaftskommunikation ansonsten zu sehr dem PR-Personal von Hochschulen und Forschungseinrichtungen überlassen würde.

In der abschließenden, von der BR-Journalistin Jeanne Rubner moderierten Diskussion wurden die Thesen der Referenten zusammen mit dem Publikum besprochen. Ob die Social Media nun eher eine Chance oder Bedrohung für die Wissenschaftskommunikation darstellen, auf diese Frage konnte dabei keine Antwort gefunden werden.